Steg weg, Wohnungen her

Konflikt um Stegabriss geht weiter | Therme soll Mitarbeiterwohnungen bekommen

Werder (Havel). Darf ein mit Landesmitteln geförderter Dampferanlegesteg einfach abgerissen und das Geld buchstäblich im Wasser versenkt werden? Das fragt sich der Verein Stadtmitgestalter angesichts der Ankündigung der Stadtverwaltung, den Dampferanleger unterhalb der Eisenbahnbrücke zurückbauen zu wollen.

Als Grund nannte Bürgermeisterin Manuela Saß in der Stadtverordnetenversammlung Kompensationsmaßnahmen für den von der Firma Schauer & Co. geplanten privaten Saunasteg, der vom Thermengelände in die Havel führen soll, aber nur für Thermekunden zugänglich und damit kostenpflichtig wäre.

Stadtmitgestalter-Vorstand und Architekt Elmar Schlenke setzt sich gerade deshalb für den Erhalt des öffentlichen Anlegestegs ein. Ein weiterer, kostenfrei nutzbarer Steg sei in der Nähe nicht vorhanden, so Schlenke zum BlickPunkt. Vorstellbar ist seiner Meinung nach auch eine touristische Nutzung wie sie beim Bau des Anlegers vor rund 15 Jahren geplant war. Zum Baumblütenfest könnten beispielsweise Boots-Shuttle zur Inselstadt fahren, auch andere Verbindungen wären denkbar, sagt der Stadtverordnete. Zudem könnte der Steg für den Transport von Baumaterialien während der Konstruktion der neuen Radwege-Verbindung nach Potsdam, deren Fertigstellung für 2021 geplant ist, genutzt werden.


Antrag für Saunasteg ist gestellt

Die Bindungsfrist für den nach einem Förderantrag der Stadt im Jahr 2003 vom Wirtschaftsministerium mit 111.900 Euro unterstützten Bau der Dampferanlegestelle mit Fuß- und Radwegeanbindung an den Bahnhof ist nach 15 Jahren abgelaufen. Grundlage war damals die Förderung "wirtschaftsnaher kommunaler Infrastruktur", für die Kommunen über das Wirtschaftsministerium Zuschüsse von der Investitionsbank des Landes (ILB) bekommen können. Das bedeutet, die Entscheidung zum Abriss liegt inzwischen allein bei der Stadt.

Badbauer Andreas Schauer hat mittlerweile einen Antrag zur Genehmigung seines geplanten Saunastegs bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises Potsdam-Mittelmark eingereicht. Sein Steg werde dem Naturschutz nicht im Weg stehen, da die im Uferbereich angesiedelten Seerosenfelder ohnehin unterbrochen seien und in ihrer Ausbreitung durch den Steg nicht beeinträchtigt würden.

Eine Ausgleichszahlung an den Landkreis fällt jedoch trotzdem an, das ist bei Stegen generell üblich. Das Geld komme Ökokonten und Flächenpools zugute, geht aus einer Regelung der Unteren Wasserbehörde hervor. Dass ein bereits vorhandener Steg an anderer Stelle abgerissen werden muss, ist dort nicht vermerkt. Die Kompensation könnte also auch ausschließlich durch die Zahlung einer höheren Summe geleistet werden.


Wohnungen für Fachkräfte geplant

Neben dem Saunasteg hat Andreas Schauer in Werder noch Weiteres vor: Auf der Freifläche hinter der Energiezentrale der Therme möchte er Mitarbeiterwohnungen errichten. Der Wohnungsmarkt in Werder sei durch das stete Wachstum der vergangenen Jahre leergefegt und es sei äußerst schwierig, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden, ohne ihnen Wohnraum in Aussicht stellen zu können, so Schauer gegenüber dem BlickPunkt. Mitarbeiterwohnungen könnten ein Anreiz sein. Ob und wann sein neues Vorhaben genehmigt wird, steht noch nicht fest, bekommt er das Okay von der Stadt, würden die Wohnungen aber ebenso zügig errichtet wie die Therme.

Auch hierbei hat Stadtmitgestalter Elmar Schlenke kein gutes Gefühl: Die Wohnungen könnten sehr schnell in Ferienwohnungen umgewandelt werden und würden dem angespannten Wohnungsmarkt dann entzogen, sagt er. Das ist bislang allerdings nur eine Befürchtung Einzelner.  sg


Um dem Wunsch nach Erhalt des öffentlichen Anlegers Nachdruck zu verleihen, organisieren die Stadtmitgestalter am Sonntag, 9. Februar um 14 Uhr einen Infonachmittag mit Musik auf dem Steg. 

Kommentare

  1. User
    Sepp Werder, Sa, 08.02.2020 18:34

    Im Blickpunkt steht Werder oben auf der Zeitung, aber es wird nur noch über die Stadtverunstalter geshrieben nervt.