Leichhardt’s Gruß kommt alle sieben Jahre

Kometen-Entdeckung zum Jahresende 1844 / Wiederentdeckung in Boblitz geglückt

Boblitz. Es gibt nicht mehr so viele originale Dokumente, Sachzeugen und Artefakte vom Australienforscher Ludwig Leichhardt (1813 bis 1850) vom Schwielochsee. Im Jahre 1850 ist er gemeinsam mit seiner Gruppe am Wantata-Wasserloch getötet worden. Sein im Jahre 1844 entdeckter Komet wurde vor zwei Jahren von Heimatforschern aus dem Spreewalddorf Boblitz beim 22. Vorbeiflug  gesichtet.

Es war die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen, besser gesagt, in den Spreewälder Heuschobern um die Spreewaldgemeinde Boblitz, niedersorbisch Bobolce genannt, herum.
In seinem Reisejournal „Tagebuch einer Landreise in Australien von Moreton-Bay nach Port Essington während der Jahre 1844 und 1845“ schrieb der Halbsorbe/ Halbwende, seine Mutter Charlotte Sophie Strehlow (1776 bis 1854) war eine Sorbin /Wendin, Ludwig Leichhardt am 28. Dezember 1844: „Das Gewitter war vorüber und die Sonne untergegangen, als Brown (Harry Brown war einer der beiden mitreisenden Aborigines, der Autor) mein schwarzer Begleiter, plötzlich die Decke, unter der wir saßen, zurückwarf und mir in einem kleinen Lichtpunkte am westlichen Himmel einen Kometen zeigte. Ich erfuhr später, dass dieser Komet schon vor dem 1. Dezember beobachtet worden war; aber das ununterbrochene Reisen in hohem Walde hatte uns gehindert, ihn früher zu sehen. Der Creek erhielt den Namen „Comet Creek“, weil er in Englisch schrieb.

Bereits seit dem Jahre 1958 versuchten die Heimatforscher in der Spreewaldregion zu klären, welchen Kometen die damals noch achtköpfige Gruppe um Ludwig Leichhardt gesehen hatte.
Anfang der 1990-er Jahre gelang der Durchbruch, da mittlerweile astronomische Unterlagen aus ganz Europa und Australien (südliche Hemisphäre) eingesehen werden konnten.   
So kam heraus, dass der damals 31-jährige Ludwig Leichhardt den Kometen 54 P/ de Vico –Swift-NEAT gesichtet hatte.

Da der Komet damals ohne Hilfsmittel in freier australischer Natur beobachtet wurde, wird sich im Verlaufe der letzten 175 Jahre Dramatisches ereignet haben.
Die Boblitzer Heimatfreunde, die den Kometen am Abend des 28. Oktober 2017 als einen sehr kleinen und schwachen Lichtpunkt im Sternbild Löwe beobachten  konnten, vermuten, dass der Komet im Laufe der letzten 175 Jahre auseinander gebrochen ist, vielleicht schon im Dezember 1844, oder er im Laufe der letzten 22 Reisen um die Sonne sehr viel an Masse verloren hat.

Sollte der Komet im Dezember 1844 auseinandergebrochen sein, dann würde sich seine Beobachtung ohne technische Hilfsmittel im australischen Outback auch erklären. Die Fläche der Sonnenlicht-Reflektion auf dem Kometen hätte sich damals um ein Vielfaches erhöht.
Wissenschaftler vermuten, dass der Komet 54 P/ de Vico-Swift-NEAT heute einen Durchmesser von etwa fünf Kilometern besitzt.  Die Dichte scheint sehr gering zu sein. Es wird vermutet, dass der Komet aus einer Art loser Staubschicht besteht. Er würde vermutlich auf Wasser schwimmen.
Auf Grund seiner „Größe“ ist der Komet für die Wissenschaftler nicht besonders bedeutsam, man muss schon Interesse für den „Kleinen“ haben.

So ist auch erklärbar, dass der Komet bisher nicht sehr oft gesichtet wurde. Nur Wissenschaftler, die Interesse für ihn haben, haben ihn auch nach Berechnungen „erwartet“, fotografiert und dokumentiert. Der Komet 54 P/ de Vico-Swift-NEAT hat eine Umlaufzeit um die Sonne von 2669 Tagen, was etwa dem Mittel von 7,313 Jahren entspricht.

Gesichtet wurde der Komet bisher am 12. Oktober 1894, 23. August 1965, 2. April 1995, 30. Juli 2009 und am 15. April 2017. Das sind Daten, als er erstmals wieder gesichtet wurde, als er in Richtung Sonne flog. Der Komet kann nach der Umrundung der Sonne auch wieder beobachtet werden, was den Boblitzer Heimatfreunden am 28. Oktober 2017 gelang. Leider stand keine entsprechende spezielle Fototechnik zur Verfügung, leider auch nicht die notwendigen theoretischen Fachkenntnisse, um korrekte und wissenschaftlich verwertbare  Fotoaufnahmen vom Kometen zu machen. Der Blick durch das Fernrohr zum kleinen Lichtpunkt und Kometenschweif war aber ein unerwarteter Erfolg, mit dem vorher niemand gerechnet hatte. Am 3. September 2024 erwarten die Boblitzer den Kometen 54 P/ de Vico-Swift-NEAT am Himmelzelt wieder.     Bernd Marx, Boblitz