Landkreis untersagt Bewässerung mit Oberflächenwasser

Bis Ende Oktober darf kein Wasser aus Seen und Flüssen abgepumpt werden

Bad Belzig/Werder (Havel). Mit einer Allgemeinverfügung hat der Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark am Dienstag die Wasserentnahme mittels Pumpvorrichtungen aus oberirdischen Gewässern zu Bewässerungszwecken im gesamten Landkreis untersagt. Damit wird der wasserrechtliche Eigentümer- und Anliegergebrauch beschränkt. Wasserrechtliche Erlaubnisse, die eine Entnahme von Wasser aus einem oberirdischen Gewässer mittels Pumpvorrichtungen zu Bewässerungszwecken zulassen, werden auf Zeit widerrufen. Nach Ablauf der Allgemeinverfügung treten die wasserrechtlichen Erlaubnisse im ursprünglichen Umfang wieder in Kraft. Die Allgemeinverfügung gilt vorerst bis zum 30. Oktober.

Die Voraussetzungen für die weitere Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern mittels Pumpeinrichtungen zu Bewässerungszwecken sind nicht mehr gegeben, da aufgrund der bereits außergewöhnlich langanhaltenden, sehr angespannten hydrometerologischen Lage ohne Aussicht auf abflusswirksame Niederschläge im Einzugsgebiet eine wasserwirtschaftliche Extremsituation eingetreten ist. Diese stellt sich insbesondere durch die stark gesunkenen Pegelwasserstände der Gewässer innerhalb des Landkreises Potsdam-Mittelmark dar. So liegen die Durchflussmengen der überwachten Pegel der Fließgewässer der Havel, Nuthe, Nieplitz sowie der Plane und Buckau als auch des Seddiner Sees bereits seit mehreren Wochen weit unterhalb des Jahreswertes für den mittleren Jahreswasserabfluss.

Gerade in den warmen Monaten wird vermehrt Oberflächenwasser mittels Pumpeinrichtungen aus den Gewässern entnommen und zu Bewässerungszwecken genutzt. Durch die technische Unterstützung und die Vielzahl der Wasserentnehmer summieren sich die entnommenen Wassermengen erheblich auf. Dies führt insbesondere dazu, dass das ohnehin reduzierte Wasserangebot weiter sinkt und durch Grundwasserneubildung nicht ausgeglichen werden kann. Hierfür sind die sinkenden Grundwasserstände Beweis. Geringe Abflussmengen in Flüssen, geringe Wasserstände in Seen, erhöhte Wassertemperaturen, vermehrtes Algenwachstum und Sauerstoffmangel gefährden den Wasserhaushalt in Menge und Güte sowie die Flora und Fauna der oberirdischen Gewässer.


Werder fürchtet massive Schäden im Obstbau

Nach Ankündigung des Pumpverbots hat die Stadt Werder mitgeteilt, dass sie massive wirtschaftliche Beeinträchtigungen für den Werderaner Obst- und Gartenbau befürchtet. Die Abhängigkeit von der Brauchwasserversorgung ist bei den Obstbaubetrieben auf der Glindower Platte und dem Kammeroder Obstplan besonders groß. Das Brauchwasser wird seit Jahrzehnten vom Glindower See aus zu den Plantagen und Gärten gepumpt. Unter anderem wegen der Lage im Wasserschutzgebiet ist dort keine Brunnenwasserversorgung möglich. Nach der Verfügung des Landkreises müsste die Brauchwasserversorgung an sich abgestellt werden.

"In der Verfügung des Landkreises wird zwar die wirtschaftliche Betroffenheit von Anliegern betrachtet, die per Gesetz das Recht auf Wasserentnahme haben. Der Landkreis hat es aber bislang versäumt, die Betroffenheit der Werderaner Obst- und Gartenbauern abzuwägen", so Werders 1. Beigeordneter Christian Große. Er geht deshalb davon aus, dass der Landrat die Wasserrechtliche Erlaubnis für die Brauchwasserversorgung in Werder aufrecht erhält und die Stadt hier von dem Verbot befreit. Dazu laufen aktuell Abstimmungen. "Zumindest eine Grundversorgung der Obst- und Gartenbaubetriebe muss weiter möglich bleiben", so der 1. Beigeordnete.

Eine nachhaltige Schädigung des Gewässerökosystems innerhalb des Landkreises Potsdam-Mittelmark und der Ober- und Unterlieger über die Kreisgrenzen sollen vermieden werden. Die Entnahme von geringen Wassermengen mittels Schöpfen mit Handgefäßen bleibt zugelassen. Erforderliche Wassermengen können auch weiterhin aus dem öffentlichen Trinkwassernetz entnommen und zu Bewässerungszwecken eingesetzt werden, sofern der kommunale Träger der öffentlichen Wasserversorgung dies nicht öffentlich untersagt.

Durch fortgesetzte Entnahmen von größeren Wassermengen mittels Pumpvorrichtung zu Bewässerungszwecken ist die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer gefährdet. Eine zusätzliche Wasserentnahme verstärkt noch die zurzeit vorherrschende angespannte wasserwirtschaftliche Situation.  red/sg


 Der volle Wortlaut der Amtlichen Bekanntmachung ist zu finden auf www.potsdam-mittelmark.de.

Hinweis: Die untere Wasserbehörde überwacht die Einhaltung der Allgemeinverfügung. Der Landkreis weist darauf hin, dass Zuwiderhandlungen gemäß § 103 Abs. 1 Nr. 1 i. V. m. § 103 Abs. 2 WHG mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden können. 

Kommentare

  1. User
    Reinhard Wilke Kloster Lehnin, Do, 29.08.2019 19:22

    Das ist eine logische Konsequenz aus der gegenwärtigen und wohl auch künftigen Wassersituation. Wann nimmt der Landkreis Potsdam-Mittelmark endlich die wasserrechtlichen Genehmigungen zur Entnahme von Grundwasser für die Bewässerung von Spargelfeldern in der Gemeinde Kloster Lehnin zurück? Besonders prekär ist die Lage im Ortsteil Nahmitz, deren Einwohner sich noch aus eigenen Brunnenanlagen mit Trinkwasser versorgen müssen. In unmittelbarer Nähe des Ortes werden ca. 30 Hektar Spargel mit Grundwasser bewässert. Hierzu darf der Spargelbauer täglich 175 m³ Wasser aus einem Brunnen, der sich ca. 500 m vom westlichen Ortsrand befindet, entnehmen. Aber auch auf Doberow in Richtung Lehnin und westlich von Prützke werden Spargelfelder mit Grundwasser versorgt. Nahmitz wird nicht vor 2021/2022 als letzter von 14 Ortsteilen eine zentrale Trinkwasserversorgung erhalten. Hier muss endlich der Grundsatz Allgemeinwohl geht vor individuell eingeräumten Rechten greifen. Letztere dienen nur dem Zweck der Gewinnmaximierung.

  2. User
    Reinhard Wilke Kloster Lehnin, Do, 29.08.2019 19:22

    Das ist eine logische Konsequenz aus der gegenwärtigen und wohl auch künftigen Wassersituation. Wann nimmt der Landkreis Potsdam-Mittelmark endlich die wasserrechtlichen Genehmigungen zur Entnahme von Grundwasser für die Bewässerung von Spargelfeldern in der Gemeinde Kloster Lehnin zurück? Besonders prekär ist die Lage im Ortsteil Nahmitz, deren Einwohner sich noch aus eigenen Brunnenanlagen mit Trinkwasser versorgen müssen. In unmittelbarer Nähe des Ortes werden ca. 30 Hektar Spargel mit Grundwasser bewässert. Hierzu darf der Spargelbauer täglich 175 m³ Wasser aus einem Brunnen, der sich ca. 500 m vom westlichen Ortsrand befindet, entnehmen. Aber auch auf Doberow in Richtung Lehnin und westlich von Prützke werden Spargelfelder mit Grundwasser versorgt. Nahmitz wird nicht vor 2021/2022 als letzter von 14 Ortsteilen eine zentrale Trinkwasserversorgung erhalten. Hier muss endlich der Grundsatz Allgemeinwohl geht vor individuell eingeräumten Rechten greifen. Letztere dienen nur dem Zweck der Gewinnmaximierung.