Historische Notrufsäule in der Blütenstadt rekontruiert

Relikt aus Zeiten fast ohne Telefone

Werder (Havel). Die historische Notrufsäule vor der Polizeidienststelle Werder ist restauriert worden. Am Montag wurde sie offiziell neu aufgestellt. Bürgermeisterin Manuela Saß bezeichnete das Projekt als Beispiel für das Traditionsbewusstsein der Werderaner, das sich auch in kleinen Dingen zeige.

Als die 1961 aufgestellte Notrufsäule in den vergangenen Jahren baufällig wurde, sei dem Leiter der Polizeidienststelle Werder, Gert Meyer, bewusst gewesen, dass er ein solches Zeitzeugnis in Werder nicht einfach verschwinden lassen kann. Beim Heimatverein und im Rathaus fand er Unterstützung für die Idee einer Rekonstruktion, die von der Töplitzer Firma Kunsch übernommen wurde.

"Mein Eindruck ist, dass das Projekt auch bei der Polizei ins Bewusstsein gerufen hat, wie sich die Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten veränderte", so die Bürgermeisterin. Diesen Eindruck bestätigte der Leiter der Polizeidirektion West, Peter Meyritz, der bei der Einweihung dabei war. "In einer Zeit, als es noch keine Smartphones gegeben hat und selbst Telefonanschlüsse rar waren, wussten auch die Werderaner, wo ihre Notrufsäule war."

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Dr. Klaus Froh, recherchierte, dass die Notrufsäule 1961 oder 1962 aufgestellt worden ist. In diesem Fall habe es sich um eine Feuerwehr-Notrufsäule gehandelt. Die Feuerwehr habe für einige Jahre auf dem Hof des damaligen Volkspolizeireviers ihr Depot gehabt. Zudem hätten einige Feuerwehrleute in dem Haus gewohnt. Ganz einfach war es nicht, an der Notrufsäule Brände zu melden. "Man musste zuerst die Scheibe zerschlagen und dann den schwarzen Knopf drücken", erklärte Klaus Froh. Damit sei das Volkspolizeikreisamt in Potsdam alarmiert worden, das über die Sirenen im Werderaner Stadtgebiet die Feuerwehr verständigte.

"Es war üblich dass die Person an der Notrufsäule gewartet hat, bis der erste Feuerwehrmann eintraf", so der Heimatvereinschef. Denn der musste noch erfahren, wo es genau brennt. Ob der Großbrand der Bockwindmühle auf der Insel 1973 durch einen solchen Notruf bekannt geworden ist, hat Froh bislang vergeblich versucht, in Erfahrung zu bringen. Er geht davon aus, dass die alte Notrufsäule nun auch ein kleines Thema für Stadtführungen wird - auch wenn sie seit langem nicht mehr funktioniert. Die Stadtführergilde wolle er jedenfalls über seine Erkenntnisse informieren. red/sg

Kommentare

  1. User
    Klaus Pfänder Werder Ot GlindowINDOW , Mi, 05.06.2019 18:43

    Ich finde es ganz toll das auch Relikte aus der DDR Zeit ihren Ehrenplatz in der Stadt finden