Bürgermeisterin Schreiber widerspricht ihrem Amtskollegen Igel

Mögliche Gesamtschule in Ludwigsfelde entgegen dem Schulentwicklungsplan sei das Ergebnis eines SPD-Deals

Zossen. Hinter der Ankündigung, dass die Stadt Ludwigsfelde im Gegensatz zur bisherigen Haltung des Landkreises und des aktuellen Schulentwicklungsplans zum Schuljahr 2021/22 nun doch ein Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe eröffnen darf, vermutet Bürgermeisterin Michaela Schreiber einen hinter den Kulissen vereinbarten Deal zwischen Ludwigsfeldes SPD-Bürgermeister Andreas Igel und Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst, ebenfalls SPD. Wie könne es sonst sein, dass der Landkreis trotz dargelegter kritischer Einschätzung der realen Gefahren für andere Schulstandorte plötzlich zu einem völlig unlogischen, diametralen Fazit kommt, fragt die Verwaltungschefin. Sie widerspricht ihrem Amtskollegen, der öffentlich erklärt hatte, „unsere Zahlen haben offenbar überzeugt“ und „von keiner umliegenden Schule ist mehr eine Negativ-Stellungnahme gekommen“. „Dem ist nicht so“, erklärt Schreiber, die persönlich - im Gegensatz zu Igel - am 5. März 2019 an der Bürgermeisterberatung zur Schulentwicklungsplanung teilgenommen hatte.

Auch in einer schriftlichen Stellungnahme hatte sich Zossens Bürgermeisterin zu der Problematik geäußert und darauf verwiesen, dass die vom Landkreis selbst aufgestellten Zahlen und Einschätzungen mit einer Entscheidung zugunsten einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufen in Ludwigsfelde ad absurdum geführt werden und zudem negative Auswirkungen auf das Gymnasium und das Oberstufenzentrum (OSZ) in Ludwigsfelde sowie auf die Oberschulen in Großbeeren und Trebbin haben könnten. Zwar könne eine Standortgefährdung für die Oberschulen in Trebbin und Großbeeren „nicht verbindlich prognostiziert“ werden, wohl aber hätten das persönliche Wahlverhalten zugunsten der geplanten Gesamtschule negative Auswirkungen sowohl auf das Gymnasium als auch das OSZ, heißt es in dem Papier. Auch wird ein „verändertes Nachfrageverhalten der potenziellen Gesamtschüler“ vorausgesagt, zu Ungunsten der umliegenden Schulen. „Unverständlich und nicht nachvollziehbar ist, dass der Kreis nun plötzlich umschwenkt, obwohl er als Schulträger von vier Zügen am Gymnasium und zwei Zügen am OSZ unmittelbar betroffen wäre“, meint Michaela Schreiber.

Sie appelliert an alle Kreistagsmitglieder und die Bürgermeister von Großbeeren und Trebbin sich nicht zuletzt zum Schutz ihrer eigenen Bildungseinrichtungen den Teiländerungsentwurf des Schulentwicklungsplans noch einmal genauer anzusehen und ihre Schlussfolgerungen aus dem krassen Widerspruch zwischen Fakten und Fazit des Kreises zu ziehen. Auch sie wolle auf der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses des Kreistages am 16. Mai 2019 noch einmal den Finger in die Wunde legen, um den Kreistag noch zum Umdenken in der Angelegenheit zu bewegen. Im Übrigen verweist sie auf die Grundsteinlegung für die Gesamtschule Dabendorf, der am 29. April 2019 stattfinden wird. Hier sollen künftig bis zu 1000 Schüler unter modernen Bedingungen unterrichtet werden. PStZo

Kommentare

  1. User
    S.F. Ludwigsfelde, Do, 04.04.2019 22:34

    Mein erster Gedanke ist wohl eher, dass sie sich Sorgen machen, dass die Gesamtschule in Dabendorf... nachdem diese lange darum kämpfen mussten, bis sie endlich saniert wurde... davon ein Schaden trägt. Natürlich bedeutet das einen Rückgang ihrer Zahlen aber die Geburtenrate steigt. Ich persönlich finde dieses Konzept in Ludwigsfelde sehr wichtig. Ich kenne einige Schüler aus Ludwigsfelde und den Dörfern und wenn man ihren Fahrweg bedenkt und sie sich außerhalb der Schule nicht wirklich oft treffen können, finde ich es noch wichtiger, dass die Stadt Ludwigsfelde endlich auf Zusammenhalt achtet. Abschließend: Frau Schreiber, sie haben über die Jahre, einen super Job in Zossen gemacht aber denken sie nicht nur an die Zahlen, sondern auch an die Kids. Danke

  2. User
    Carl Ahlgrimm Ludwigsfelde, Fr, 05.04.2019 07:55

    Recht hat Frau Schreiber, denn die Etablierung einer weiteren Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe ist eine Abkehr von den jahrelangen Bemühungen, für die Oberschulen in Dahlewitz, Großbeeren, Ludwigsfelde (und Trebbin) eine gemeinsame gymnasiale Oberstufe zu schaffen, möglicherweise im Rahmen eines kommunalen Schulzweckverbandes. Dieser Weg hätte den Erhalt der dezentralen Oberschulen wirksam sichern können. Jetzt werden zukünftig die potentiell leistungsfähigeren Schüler nach Ludwigsfelde abgezogen und die umliegenden Oberschulen werden das Sammelbecken für den Rest. Wieder ein Schlag ins Genick der Oberschulen...

  3. User
    K. Wuscher Ludwigsfelde, Fr, 05.04.2019 12:50

    Fakt ist, dass ganze Klassen in den Potsdamer Schulen/ Babelsberg - bestehend aus Ludwigsfelder Kindern - unterrichtet werden. Jeden Tag fahren Busse oder (das ist eine Vielzahl) die Eltern in Sammeltransporten und Einzel-Pkw die Kinder dorthin. Die finanziellen Aufwendungen hierzu werden nicht erstattet. Auch die langen Anfahrtswege und damit langen Schultage sind eine enorme Belastung für die Kinder, die Familien und das Familienleben. Als “betroffene” Familie halten wir es für gut und richtig das Schulangebot und die Kapazitäten in Ludwigsfelde entsprechend aufzustocken. Mit Blick auf den weiteren Ausbau des Wohngebietes in der Ahrensdorfer Heide muss dies auch ein Schritt sein. Alles andere würde die Eltern unnötig zwingen auszuweichen.