Dem ViP fehlen die Fahrer

Ferienfahrplan tritt Montag inkraft

Potsdam. Der hohe Krankenstand und ein nicht rechtzeitig überarbeitetes Einstellungskonzept seien hauptverantwortlich für den seit einer Woche andauernden Ausfall der Tramlinie 99, erklärten die beiden Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs (ViP), Oliver Glaser und Martin Grießner, am Donnerstag vor Journalisten. Für ÖPNV-Kunden wird es ab Montag jedoch noch enger. Aufgrund der hohen Ausfallrate unter den Fahrern tritt schon zehn Tage vor Ferienbeginn ein an den regulären Sommerferienfahrplan angelehnter Takt inkraft.

Immerhin sollen die Schülertransporte bis zum 4. Juli sichergestellt werden, hieß es. Eingeschränkt wird neben der Linie 99, die erst im Spätverkehr ab 19.30 Uhr fährt, wenn ihre Parallellinie 94 nicht mehr unterwegs ist, auch die Tramlinie 92 - sie fährt wie an Ferientagen zwischen Kirschallee und Bisamkiez. Ab Bisamkiez schließt sich dann die Linie 96 bis Marie-Juchacz-Straße an. Zwischen 7 Uhr und 10.40 Uhr sowie von 13 bis 17 Uhr verkehrt die Linie im Zehn-Minuten-Takt.

Der Ferienfahrplan gilt auch für die Tram 93 mit einer zusätzlichen Schülerfahrt um 7.24 Uhr ab Bisamkiez und um 7.51 Uhr von der Glie-nicker Brücke. Die vielgenutzte Linie 94 fährt ebenfalls wie in den Ferien zwischen Charlottenhof und Fontanestraße. Zwischen Pirschheide und Kastanienallee verkehrt nur die Linie 91. Völlig ausfallen wird neben der 99 auch die zweite Verstärkerlinie 98. Lediglich die Linie 96 verkehrt wie üblich, ebenso wie die Buslinien. Allerdings haben sich in den vergangenen Wochen Beschwerden von Fahrgästen gehäuft, weil viele Linien aufgrund des erhöhten Krankenstands spontan den Fahrplan nicht einhalten.


Geschäftsführer gestehen Fehler ein


Man habe nicht vorausschauend auf die Tatsache reagiert, dass viele Fahrer in Rente gehen, mussten Grießner und Glaser einräumen. Ein Fehler, der sich in der wachsenden Stadt mit den geplanten Streckenverlängerungen besonders bemerkbar macht. Zwar werde ausgebildet, doch für die Tram gibt es keinen einheitlichen Führerschein, sondern nur dreimonatige Fortbildungen für bestimmte Fahrzeugtypen. Die so ausgebildeten Fahrer müssen danach noch 14 Tage begleitet fahren, ehe sie die alleinige Verantwortung für ihre Straßenbahn übernehmen können.Viele Fahrer haben in der Vergangenheit jedoch auch den Arbeitgeber gewechselt, weil beispielsweise in Berlin besser gezahlt wird.

In Potsdam sei man an den Nahverkehrs-Tarifvertrag für Brandenburg gebunden und zahle bereits besser als andere Städte, so Glaser. 2.000 Euro monatlich ermöglichen es den Fahrern aber nur schwer, eine Wohnung in Potsdam zu finden. Zudem wird die Bereitschaft zur Schichtarbeit an 365 Tagen im Jahr vorausgesetzt. Dafür gibt es zwar Zulagen und Prämien, ausreichend ist das aber noch nicht, um die Arbeitsplätze wirklich attraktiv zu machen.

Auch Busfahrer will der Verkehrsbetrieb wieder vermehrt selbst ausbilden. Seit der Aufhebung der Wehrpflicht läuft diese Ausbildung meist als Umschulung und wird über die Arbeitsagentur finanziert. Die jedoch hat sehr strenge Auflagen und kann wegen bürokratischer Hürden vielen Interessierten die Förderung nicht anbieten. Der ViP möchte nun gegensteuern, indem er die Ausbildung selbst übernimmt und die neuen Fahrer vertraglich verpflichtet, mehrere Jahre in Potsdam zu arbeiten.Schafft der ViP es nicht, die Fahrten planmäßig aufrecht zu erhalten, kann die Stadtverwaltung zum Ende des Jahres eventuelle Bonuszahlungen kürzen oder streichen.

Eine Garantie, dass ab September der reguläre Fahrplan wieder eingehalten werden kann, gibt es nicht. Man setze aber alles daran, die Probleme über die Ferien in den Griff zu bekommen, so Oliver Glaser. Wichtig seien allerdings auch Anmerkungen und Kritik von Kunden direkt an den Verkehrsbetrieb, erklärte Marketingchef Jörg Mühling. sg


Anregungen nimmt der ViP per E-Mail entgegen: info@vip-potsdam.de
Fahrplaninfos gibt es auf www.vbb-fahrinfo.de

Kommentare

  1. User
    Marion Tank Potsdam, So, 24.06.2018 15:36

    Ein Artikel, der den Nagel auf den Kopf trifft! Bereits im April hatte ich gegenüber der VIP bemängelt, dass er personalmäßig offenbar überhaupt nicht gut aufgestellt ist - denn Fahrtenausfälle gab es bereits vor und auch nach der Grippewelle. In diesem Zusammenhang hatte ich auch einmal auf der Internetseite der Stadtwerke in den Stellenanzeigen geschaut - es gab weder Ausschreibungen zur Ausbildung noch zur Einstellung von Fahrern. Auf meine Nachfrage, warum das so ist und ob sich der VIP denn selbst ausreichend personell aufgestellt fühlt, gab es erst einmal gar keine Antwort. Nachdem ich 6 Wochen später höflich an die Bearbeitung meines Anliegens erinnerte, erntete ich vom Kundenservice die Abfuhr "Interne Angelegenheiten werden von der VIP weiterhin intern behandelt. Bitte haben Sie Verständnis, das wir Ihnen darauf keine Antwort liefern werden." Interessant, was man beim VIP unter Kundenservice versteht. Die Vielzahl der Presseartikel zu diesem Thema bestätigt, dass es sich eben nicht nur um ein internes Thema handelt. Schön, dass endlich Fehler eingestanden werden, die für die Öffentlichkeit auch nicht mehr zu übersehen waren. Wenn man nicht vorausschauend auf die Tatsache reagiert habe, dass viele Fahrer in Rente gehen, offenbart sich hier ganz klar ein Managementfehler. Da hat sich in einem Unternehmen mit 2 hoch dotierten Geschäftsführern wohl einer auf den anderen verlassen. In einem anderen Presseartikel war zu lesen, dass - um der kritischen Personalsituation entgegenzutreten - derzeit intensiv nach Mitarbeitern gesucht werde, und zwar laut VIP "auf allen Kanälen". Ich weiß nicht, was der VIP darunter versteht. Denn schaut man auf die Internetseite des VIP, werden lediglich Elektroniker und neuerdings auch Busfahrer gesucht, aber immer noch keine Straßenbahnfahrer ...