Parkplatznot am Tschäpeplatz

Bürgerinitiativen suchen nach Lösungen für die Brandenburger Vorstadt

Potsdam. Jeden Abend das gleiche Spiel: Wer nicht bis 17 Uhr sein Auto abgestellt hat, hat als Anwohner schlechte Karten und muss neben einem längeren Fußweg auch einige Runden bei der Parkplatzsuche auf sich nehmen - oder stellt sich einfach ins Halteverbot. Denn die Brandenburger Vorstadt ist nicht nur äußerst dicht besiedelt, sie wurde auch vor mehr als 100 Jahren zu einer Zeit geplant, als Autos nur etwas für Wohlhabende waren.

Seit der Wende hat sich das Bild komplett gewandelt: Häuser wurden saniert, das Viertel wurde immer beliebter bei jüngeren Bewohnern, die beruflich oder weil sie mit Kindern schlecht beweglich sind, ein Auto brauchen. Hinzu kommt die von der Stadt geförderte Politik der Verdichtung, die es ermöglicht, Hinterhöfe oder Mietergärten mit Mehrfamilienhäusern zu bebauen. Um den teuren Garagenbau zu vermeiden, kaufen sich Investoren meist von der Stellplatzpflicht frei.

Anfang des Jahres wurden Parkplätze an der Lennéstraße  kostenpflichtig. Das war ein erster Schritt, um die Situation für die Kiezbewohner zu verbessern. Nun wird die Forderung nach einer Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung auf den südwestlichen Teil der Brandenburger Vorstadt laut. Denn beklagt werden auch als "Platzhalter" geparkte Anhänger, die keinen Anspruch auf Parkvignetten hätten, wenn hier eine Parkzone eingerichtet würde. Gleiches erhoffen sich die Bewohner bei der großen Anzahl parkender Pkw mit auswärtigen Kennzeichen.

Am Dienstagabend hat das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West gemeinsam mit dem Brandenburger Vorstadt e.V. zu einer Diskussionsrunde mit Vertretern der Verkehrsbehörde in den Gemeindesaal der Erlöserkirche eingeladen. Kontrollen der Behörde in den vergangenen Wochen hatten allerdings ergeben, dass die Einführung einer zweiten Parkzone südlich der Feuerbachstraße lediglich zur Verdrängung von Anwohnern untereinander, nicht aber zu mehr freien Parkplätzen in den Abendstunden führen würde. Denn im Stadtteil sind etwa 7.700 Einwohner gemeldet von denen jeder Dritte ein Auto besitzt. Das übersteigt die Stellplatzkapazitäten im öffentlichen Raum um ein Vielfaches.


Ausweichen auf den Köhlerplatz


Eine Möglichkeit sei das Ausweichen auf den Köhlerplatz, auf dem die tagsüber kostenpflichtigen Plätze nachts zum Teil tatsächlich frei sind. Für Familien mit kleinen Kindern und großen Einkäufen oder Handwerker, die ihre Autos be- und entladen müssen, ist das jedoch eine unbefriedigende Lösung. Martin Link gestaltet Innenräume mit Naturfarben und Putz. Sein Lager ist seit Jahren in der Clara-Zetkin-Straße. Von dort aus muss er sämtliches Material zu seinen Kunden und abends wieder nach Hause transportieren. Am Dienstag berichtete er, dass er sein Auto seit Tagen nicht habe ausräumen können, weil die Wege vom Parkplatz zu weit seien. Eine Ladezone vor seinem Laden könne Link aber nur bekommen, wenn auch Parkraumbewirtschaftung eingeführt wird, bestätigte Franziska Lehmann von der Verkehrsbehörde.

Kritisiert wurde auch der Wegfall von 20 Parkplätzen am Kuhtor. Sie mussten zugunsten einer besseren Erreichbarkeit für Step und Rettungsfahrzeuge weichen, so Lehmann. Denn gerade bei der Müllabfuhr gebe es eine neue Regelung. Die Fahrzeuge dürfen nun nicht mehr über längere Strecken rückwärts fahren, das heißt, sie brauchen in Sackgassen wie am Ende der Lennéstraße einen Wendeplatz.

Ein weiteres Thema war der Tschäpeplatz. Vor allem Anwohner ohne Auto würden sich über eine Umgestaltung des Rondells vor der Erlöserkirche freuen. Denn obwohl es offiziell gar nicht erlaubt ist, ist auch der Innenkreis tagein, tagaus zugeparkt, und zwar so, dass man den eigentlichen Platz weder sehen, noch bequem erreichen kann. Das Stadtteilnetzwerk hatte stattdessen senkrechte Parkplätze im Außenkreis vorgeschlagen. Doch auch das sei nicht mit den sogenannten "Schleppkurven" der Müll- und Rettungsfahrzeuge zu vereinbaren, so Lehmann.

Also weiter alles so wie bisher? Im Moment sieht es so aus.  sg