Sanierung der Friedenskirche hat begonnen

Zweiter Fördervertrag übergeben

Potsdam. Kaputte Dächer über den Seitenschiffen, drohender Substanzverlust am wertvollen venezianischen Apsismosaik aus dem frühen 13. Jahrhundert, Schäden am Glockenturm - die Potsdamer Friedenskirche braucht dringend Hilfe. Daher startete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) im Jahr 2015 eine bundesweite Spendenkampagne, die nun zum zweiten Mal Früchte trägt.

Dank der eingegangenen Spenden hat Heidi Gerber, Projektreferentin der DSD, am Donnerstag den zweiten Fördervertrag an den Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), Hartmut Dorgerloh, übergeben. Somit stehen weitere 198.000 Euro für die Instandsetzung der Friedenskirche zur Verfügung, die zu dem von der SPSG seit 1990 betreuten Unesco-Welterbe gehört. Die Finanzierung der Gesamtbaukosten in Höhe von 960.000 Euro ermöglichen zu gleichen Teilen der Bund, das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) und die DSD.

Die Wiederherstellungsarbeiten am und im Gotteshaus haben am 24. Oktober mit der Aufstellung des Fassadengerüstes begonnen und sollen im Herbst 2018 abgeschlossen sein. Im ersten Bauabschnitt werden die Dacheindeckungen der Seitenschiffe, die Rinnen und Fallrohre sowie die schwammbefallenen Dachkonstruktionen erneuert. Hinzu kommt die Sanierung von schadhaften Mauerwerksbereichen und Putzflächen. Ertüchtigt werden zudem die Blitzschutzanlage und die Elektroinstallationen.


Das Apsismosaik wird im zweiten Bauabschnitt restauriert


Im zweiten Bauabschnitt erfolgt die Restaurierung des Apsismosaiks. Die Maßnahme umfasst die Reinigung der Oberfläche, die Einbindung gelockerter Mosaiksteine in das Gefüge und die Stabilisierung sowie partielle Ergänzung des entfestigten Mörtelbetts. Darüber hinaus werden die planerischen Grundlagen für die Sanierung des Glockenturms (Campanile) geschaffen. Insgesamt werden für die Instandsetzung der Potsdamer Friedenskirche mehr als sechs Millionen Euro veranschlagt.

Für die Rettung des Bauwerks machen sich zahlreiche prominente Botschafter des öffentlichen Lebens gemeinsam mit dem Bauverein Friedenskirche Potsdam e. V., der SPSG und der DSD stark, so Georg Friedrich Prinz von Preußen, die Landtagsabgeordnete Klara Geywitz, "Tatort"-Kommissar Jörg Hartmann und Gemeindemitglied Ursula Weyrauch. Die evangelische Friedenskirche liegt im Marlygarten im Park Sanssouci gleich am Grünen Gitter. Auf Wunsch und unter Beteiligung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) wurde die Kirche nach Plänen des Hofarchitekten Ludwig Persius (1803-1845) gebaut. Nach dessen Tod 1845 wurde der Architekt Friedrich August Stüler (1800-1865) mit der Weiterführung beauftragt.

Die Kirche ist eine dreischiffige Säulenbasilika ohne Querhaus mit einem 42 Meter hohen Campanile. Das 13,5 Meter hohe Hauptschiff überragt die halb so breiten Seitenschiffe. Rundbogenarkaden zeigen den Übergang an. Der Komplex der Friedenskirche und ihrer Nebenbauten ist oberitalienischen Klosterbauten nachempfunden. Als Vorlage für die Kirche diente ein idealisierter Kupferstich von San Clemente in Rom. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. April 1845, die Weihe fand am 24. September 1848 statt. An den Nebenanlagen wurde noch bis 1854 gebaut. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Seit 1985 hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Spenden, Erträgen ihrer Treuhandstiftungen und Mittel der Lotterie GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, in ganz Deutschland über eine halbe Milliarde Euro für mehr als 5.000 bedrohte Baudenkmale zur Verfügung stellen können. Allein in Potsdam förderte die Stiftung über 50 Objekte, zuletzt die Wiederherstellung der Kolonnaden der Glienicker Brücke mit einer eigenen Spendenkampagne. Die Arbeit in Potsdam unterstützt ein ehrenamtliches Ortskuratorium unter der Leitung von Ines C. Koch.   red / sg