Gemeine Keiljungfer ist Libelle des Jahres 2017

Libellenart steht stellvertretend für eine ganze Gruppe von Arten, die sehr stark von intakten Gewässern abhängig ist

Potsdam. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) haben das Wappentier des Naturparks Märkische Schweiz, die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), zur Libelle des Jahres 2017 gekürt. Diese Libellenart steht stellvertretend für eine ganze Gruppe von Arten, die sehr stark von intakten Gewässern abhängig ist. Schaut man sich jedoch den ökologischen Zustand der Gewässer in Brandenburg an, ist ein Großteil der Gewässer immer noch in einem „unbefriedigenden“ bis „mäßigen“ Zustand. „Hauptsächlich ist die Gemeine Keiljungfer eine Bewohnerin von Fließgewässern und kommt in Brandenburg unter anderem im Nuthe-Urstromthal oder im Einzugsgebiet der Spree und Oder vor.

Man findet sie in Brandenburg aber auch in stehenden und leicht durchströmten Seen. Obwohl sich die Bestände in den letzten Jahren erholt haben und die Gemeine Keiljungfer momentan nur noch auf der Vorwarnliste der Liste bedrohter Arten in Brandenburg steht, wird sie immer noch stark von Schiffsverkehr, Gewässereutrophierung und - Belastung negativ beeinflusst. Lokal nehmen die Bestände sogar wieder ab – so zum Beispiel im Einzugsgebiet der Spree,“ erläutert Carsten Preuß, Landesvorsitzender des BUND Brandenburg. Mögliche Gründe könnten die Spätfolgen der Braunkohletagebauaktivitäten auf die Wasserqualität der Spree sein. So werden seit einigen Jahren größere Mengen an Eisenhydroxid in sie Spree eingetragen. Die Larven der Gemeinen Keiljungfer graben sich in den Boden ein, um auf Nahrung wie Bachflohkrebse, Kaulquappen oder die Larven anderer Insekten zu lauern. Durch die Ablagerungen von Eisenhydroxid auf den Gewässersedimenten finden Larven wie die der Gemeinen Keiljungfer ein deutlich schlechtes Habitat zum Überleben vor, da sehr saubere Sandsubstrate bevorzugt werden.

Die Gemeine Keiljungfer gehört zur Familie der Flussjungfern (Gomphiden) und damit zu den Großlibellen (Anisoptera). Erkennbar sind sie an der schwarz-gelben Körperzeichnung und ihrer besonderen Augenstellung. Bei Kleinlibellen befinden sich die Facettenaugen weit außen am Kopf. Bei Großlibellenarten nehmen die Augen einen Großteil des Kopfes ein und berühren sich dabei am vorderen Kopfende. Die Flussjungfern bilden hierbei eine Ausnahme. Zwischen beiden Augen besteht hier eine kleine Lücke. Nach zwei bis vier Jahren im aquatischen Larvenstadium schlüpfen die erwachsenen Tiere Ende April oder Anfang Mai aus ihrer alten Haut und sind dann bis Mitte August zu beobachten. Verwechseln kann man die Gemeine Keiljungfer oft mit nahen Verwandten wie der Westlichen oder der Asiatischen Keiljungfer.

Die schwarzen Beine sind jedoch das Herausstellungsmerkmal der Gemeinen Keiljungfer. „Die Erholung der Bestände der Gemeinen Keiljungfer ist ein Hinweis darauf, wie sich auch selten gewordene Arten nach Renaturierungsmaßnahmen und einer insgesamt verbesserten Gewässerstrukturgüte wieder ansiedeln und ausbreiten können und dass der Erhalt der Lebensräume ein wichtiges Ziel des Naturschutzes sein muss“, schließt Carsten Preuß. red