Gedenken an den Holocaust

Schüler des „Free-Willy“ gedenken den Opfern des NS-Regimes

Königs Wusterhausen.

88 Kniekehlen sind das Bild, das die Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in die Köpfe riefen.
Und meinten damit 44 jüdische Kinder, die im April 1944 aus dem französischen 200-Seelen-Dorf Izieu zusammen mit ihren Betreuern von der Gestapo verschleppt wurden. Ihre Eltern haben den Holocaust zum Teil überlebt, die Kinder taten es nicht.
Wie soll man das Leid, das der Holocaust verbreitete, begreiflich machen?

Die Schüler inszenierten die diesjährige Gedenktagveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus auf Einladung der Königs Wusterhausener Stadtverordneten in der Aula ihrer Schule.
Und berührten die Anwesenden tief, unter ihnen Lehrer und Schüler, Direktoren der Schulen der Stadt, Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, Landrat Stephan Loge und Kreistagsvorsitzender Martin Wille, Vertreter der Stadt, der jüdischen Gemeinde sowie der Stadtverwaltung.
Ein Requiem trug der Schulchor, ganz in schwarz gekleidet, vor.
Ins Auge stachen rote Rosen an den Notenmappen. 44 Schüler aller Jahrgänge sangen und machten den Zuhörern die Menge der verschleppten Kinder begreiflich. Deren Geschichte wurde zu einem Lied, das unter die Haut ging.

Aufsteller, gestaltet von der Kunst-AG des Gymnasiums, regten schon auf dem Weg zur Veranstaltung das Gemüt. Ein Tag im Dorf, die Kinder lernten, alles war wie an jedem Tag – bis das Grauen einsetzte und alles schlagartig änderte. Voller Neugier, voller Leben waren die Kinder, hatten Pläne.
Es war der Morgen des Gründonnerstag als die Kinder auf Lastwagen gestoßen und auf den Weg in ihr Martyrium gebracht wurden. Albert war mit vier Jahren der Jüngste, Arnold, 17, der Älteste von ihnen. Seit elf Monaten lebten sie auf einem Hof in Izieu, da ihre Eltern bereits von den Nationalsozialisten deportiert worden waren. Überlebt hat von ihnen nur ein Junge, der durch ein Fenster fliehen und sich verstecken konnte. Zeitzeuge Primo Levi kam mit seiner Frau aus Frankreich zur Veranstaltung. Die Erinnerungen, die er zu Papier gebracht hatte, waren den Schülern Material im Unterricht.

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Seine Worte – die Essenz des Abends. Die Rosen fanden zum Schluss der Veranstaltung anlässlich des heutigen Gedenktages ihren Platz in einer Reihe an der Wand. Ein stummes Bild, das hängen bleibt. 44 Rosen für 44 Kinder. red