Brandenburger Mikrokredit mit großem Erfolg gestartet

Start-ups und kleine Unternehmen profitieren besonders von den günstigen Konditionen

Potsdam. 95 junge Unternehmen konnten in den ersten neun Monaten seit dem Start der Vergabe von Mikrokrediten im April 2016 von Darlehen der ILB profitieren. Der "Mikrokredit Brandenburg" ist damit erfolgreicher als seine Initiatoren es zu hoffen gewagt hatten.

Gewerbetreibende, Handwerker, aber auch Start-ups und Freiberufler haben mit dem Kredit, bei dem bis zu 25.000 Euro zur Verfügung gestellt werden, die Möglichkeit, Ideen in die Tat umzusetzen, ohne auf Hausbanken angewiesen zu sein. Denn Banken vergeben in der Regel nur Beträge ab 50.000 Euro aufwärts, um ihre eigenen Umsätze abzusichern. Zudem ist eine Vielzahl kleiner Kredite den Geldhäusern in der Bearbeitung oft zu aufwändig.

Ein großes Plus der Mikrokredite ist, dass die ILB keine Sicherheiten verlangt. Die könne man nämlich nur einmal vergeben und es sei sinnvoller, sie für einen größeren Kredit zu einem späteren Zeitpunkt aufzubewahren, erklärte Olav Wilms, bei der ILB Leiter des Förderbereichs Eigenkapital / Gründung, am Dienstag bei einer ersten Bilanz des neuen Kredits mit Wirtschaftsminister Albrecht Gerber in Potsdam. Zehn Millionen Euro Fondsvolumen stehen zur Vergabe der Darlehen zur Verfügung. Davon kommen acht Millionen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und zwei Millionen aus Landesmitteln.


Fahrradhändler eröffnen Radler-Pension

Eines der Unternehmen, die bereits von einem Mikrokredit profitieren, ist der Fahrradhandel und -verleih "Rad der Stadt" aus Prenzlau. Die Inhaber Kay Plichta und Stefan Holzheimer sahen sich in der Vergangenheit immer wieder mit Anfragen von Radtouristen konfrontiert, die nach Übernachtungsmöglichkeiten suchten. Dann wurde ein denkmalgeschütztes Gebäude in der Nähe ihres Ladens frei. Die beiden Unternehmer haben die Chance ergriffen und das Haus, das Teil der Stadtmauer ist und einst die Leitstelle der Landesgartenschau 2013 beherbergte, in eine Fahrradpension umgewandelt. Am 1. März soll eröffnet werden, ab Anfang Februar können Touristen die bislang zwölf Betten im Internet buchen.

Ein Unternehmensberater habe sie auf die Idee mit dem Mikrokredit gebracht, so Plichta am Dienstag. Das gesamte Konzept haben die beiden vorher durchkalkuliert und sind dabei auf einen Bedarf von 35.000 Euro gekommen. Nach einigen Abstrichen, die durch Eigenarbeit kompensiert werden, blieben noch 29.000 Euro übrig. 4.000 Euro kommen nun aus der eigenen Tasche und 25.000 Euro von der ILB. Plichta war vor allem von der Antragstellung begeistert. Alles sei leicht verständlich und selbst auszufüllen gewesen - eine große Erleichterung gegenüber dem sonst üblichen Formulardschungel.


Günstiger Zinssatz und flexible Tilgung

Ein weiterer Vorteil für Klein- und Kleinstunternehmer ist der niedrige Zinssatz von nur 1,77 Prozent. In der Uckermark liege er bei Hausbanken zurzeit bei über drei Prozent, berichtete Plichta. Zudem wird die beantragte Summe beim Mikrokredit auf einmal ausgezahlt. Getilgt wird innerhalb von fünf Jahren in monatlichen Raten, die nach dem Bedarf der Kreditnehmer flexibel gestaltet werden können. Auch die Zeit zwischen Antragstellung und Auszahlung ist mit etwa vier Wochen verschwindend gering, vorausgesetzt, das Projekt ist vorab bei IHK, Handwerkskammer oder direkt im Ministerium auf seine Tragfähigkeit geprüft worden.

Ist es nicht wirtschaftlich, können Anträge durchaus auch abgelehnt werden. Aktuell liegt die Quote bei 30 Prozent. Das geschehe auch zum Schutz der Antragsteller, so Wilms, denn einige Projekte seien einfach nicht zum Aufbau einer Existenz geeignet. Alles sei bis ins Detail ausgearbeitet und gut überdacht, erklärt Cornelia Karlstädt vom Referat Existenzgründung im Wirtschaftsministerium. Sie hat die Idee seit 2012 entwickelt und hebt Vorzüge, wie den Zahlungsaufschub von sechs Monaten und die Möglichkeit, das Darlehen ohne Sicherheiten zu bekommen, hervor. In anderen Bundesländern gebe es zwar ähnliche öffentliche Kreditformen, kein Land gehe jedoch so weit wie Brandenburg bei der Unterstützung der Existenzgründer.


Zweites Standbein oder Ausbau der Konkurrenzfähigkeit

Bis Dienstag lagen 183 Anträge von Brandenburger Gründern oder Jungunternehmern vor. In Anspruch genommen werden die Kredite auch gern von Freiberuflern aus der Kreativbranche oder Angestellten, die sich ein zweites Standbein aufbauen wollen. Juliane Daum aus Neuruppin ist Sozialpädagogin und Tanzlehrerin. Hauptberuflich arbeitet sie in einem Oberstufenzentrum. Nebenbei hat sie nun eine eigene Tanzschule aufgebaut und das Darlehen zum Teil in die Anschaffung von Parkett und einer Musikanlage investiert. Es soll ihr aber auch als Sicherheit dienen, damit die Miete in ersten Monaten immer pünktlich gezahlt werden kann, auch wenn sich die Schülerzahl von zurzeit 70 nicht konstant halten sollte. Eröffnung war am 20. Januar.

Peter Eichhorn von der Anlagenbaufirma AMM Service GmbH aus Fürstenwalde hat den Mikrokredit zum Ausbau der Produktlinie und zur Zwischenfinanzierung genutzt. Seine Firma stellt unter anderem Gussmodelle für Sicherheitsarmaturen im Gasbereich her und liefert demnächst auch ein Ölversorgungssystem zur Stromerzeugung auf die Galapagos-Inseln. AMM ist ein Beispiel für die Flexibilität des Kredits. Wo andere Gründerkredite meist schon wenige Jahre nach dem Start des Unternehmens verweigert werden, gibt es hier die Möglichkeit, bis zu zehn Jahre nach der Gründung einen Antrag zu stellen. Eichhorns Firma hat mit der Investition die Möglichkeit, konkurrenzfähig zu bleiben und die 22 Mitarbeiter auch weiterhin zu beschäftigen.  sg



Weitere Informationen unter www.mikrokredit.brandenburg.de.