NABU Brandenburg: Alle Ausbreitungswege der Vogelgrippe in Betracht ziehen

Handelswege sind mögliche weitere Ursache neben den Wildvögeln

Potsdam.

Nach einer Meldung des NABU-Brandenburg wurde kürzlich wurde in einem weiteren Brandenburger Geflügelmastbetreib in Alt Zauche (LK Dahme-Spree) der Vogelgrippe-Erreger H5N8 nachgewiesen. Eine Woche zuvor wurde der erste Fall in einer Brandenburger Nutzgeflügelanlage, beim Putenmastbetreib in Ganz bei Kyritz (LK OPR), bekannt. 11.000 Tiere mussten dort getötet werden.

Unklar sei bislang der Infektionsweg. Momentan würden hauptsächlich Wildvögel für die Verbreitung der Vogelgrippe verantwortlich gemacht. Ornithologen sehen diese einseitige Erklärung sehr kritisch. Das Ausbreitungsgeschehen der Vogelgrippe ist nur schwer mit den Zugwegen von Wildvögeln in Übereinstimmung zu bringen. Insbesondere zwischen den Infektionsgebieten in Ostasien und in Europa existieren keine regulären Vogelzugwege.

"Es fehlt auch die Erklärung, wie das Virus in geschlossene Massentierhaltungsanlagen kommen kann. Im Fall der Putenanlage in Ganz schließen Ornithologen eine Übertragung durch Wasservögel, die als potentielle Virenüberträger am ehesten in Frage kommen, aus, da deren Rastgebiete weitab der Anlage liegen" so Christiane Schröder, Landesgeschäftsführerin des NABU Brandenburg.

Hingegen werden in der öffentlichen Diskussion die vielfältigen Handelsbeziehungen der Geflügelindustrie quer durch Europa und zwischen Europa und Asien kaum als mögliche Ausbreitungsursache diskutiert. Ein reger Handel mit Futtermitteln, Tieren und Transportbehältern lässt diesen Infektionsweg plausibel erscheinen.

"Eine Infektion in geschlossenen Tierhaltungsanlagen durch Wildvögel ist eher unwahrscheinlich. Einleuchtender erscheint der umgekehrte Weg: z.B., dass durch das Ausbringen von Gülle das Virus in die Landschaft getragen wird und sich dort Wildvögel infizieren", erläutert Christiane Schröder. "Eine einseitige Fokussierung auf Wildvögel als Verursacher ist für die Eindämmung der Seuche nicht hilfreich."

Der NABU Brandenburg fordert Brandenburgs Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig daher in einem Brief vom 19.1.2017 auf, im Fall der Putenmastanlage in Ganz die detaillierten Handelsbeziehungen des Betriebs daraufhin zu untersuchen, ob sich Verbindungen zu möglichen Infektionsgebieten oder -betrieben zeigen. red

Mehr zum Thema Vogelgrippe - Übertragungswege: www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/krankheiten/vogelgrippe/

Kontakt zum NABU:

Christiane Schröder, Geschäftsführerin NABU Brandenburg, Tel: 0331-20 155 73

Lars Lachmann, NABU-Vogelschutzreferent, 030-284 984-1620 oder 0172-91 082 75