Alte Tatrabahnen neu aufgelegt

Sechs historische Straßenbahnen rollen wieder durch Potsdam

Potsdam. Seit dem heutigen Donnerstag fährt sie wieder durch das Potsdamer Stadtgebiet. Die neue alte Tatra-Bahn. Sie ist die erste ihres Typs, die grunderneuert auf die Straße beziehungsweise das Gleis zurückkommt.

Fünf weitere Straßenbahnzüge sollen in naher Zukunft folgen. Insgesamt zwölf Fahrzeuge wurden und werden in Prag instand gesetzt. Die Hauptwerkstatt der Prager Verkehrsbetriebe erhielt den Zuschlag der europaweiten Ausschreibung für die 3,6 Millionen Euro teure Sanierung. Bis Mitte 2017 sollen alle Fahrzeuge fertig erneuert sein.

Für die Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) lösen die nostalgischen Bahnen ein großes Problem, schaffen aber gleichzeitig neue Konflikte. Benötigt werden die alten Züge und Waggons weil die ViP den rasant wachsenden Fahrgastzahlen anders nicht gerecht werden. Deswegen müssten mehr Fahrzeuge eingesetzt werden, um weiterhin eine Alternative zum Berufsverkehr darzustellen, sagte Bürgermeister Burkhard Exner bei der feierlichen Einweihung am Dienstag. Die ViP stößt also an ihre Grenzen und kann ihre Gäste ohne die Tatrabahnen, die seit 40 Jahren in der Landeshauptstadt herumfahren, nicht mehr in der gewünschten Qualität und Taktung befördern.

Auf der anderen Seite sind da die wenig zeitgemäßen, hohen Treppenstufen, die einen behindertengerechten Einstieg nicht zulassen. Daher werden die Routen, die von den alten Bahnen bedient werden, gesondert ausgewiesen. Als weitere Maßnahmen, dass nicht plötzlich ein Senior mit Rollator oder eine Rentnerin im Rollstuhl überrascht vor  der eingefahrenen Bahn steht, sollen die Tatras vor allem im Berufsverkehr oder zu besonderen Veranstaltungen zum Einsatz kommen.

Trotz aller technischer Änderungen wie etwa Haltestellen-Anzeigen, optisches Abfahrtssignal, neue Türöffner und Haltewunschtasten, bleibt die Tatrabahn ein antiquirtes Verkehrsmittel, das aber trotzdem oder gerade deshalb  „von vielen Potsdamern geliebt“ würde, wie  Technik-Chef Oliver Glaser es formuliert.

Die Fahrzeuge wurden in den Prager Werkstätten  komplett zerlegt, sandgestrahlt, repariert, konserviert und neu lackiert. Nun sollen sie die Fahrzeugflotte der ViP vergrößern. Das ist für die Dauer von acht Jahren - oder 500.000 Kilometern, wie es das Gesetz verlangt - vorgesehen. Denn nach der nächsten Hauptuntersuchung muss die Kapazität auf Potsdams Gleisen wohl anders erhöht werden. RiB