Der Clown an meiner Seite

Teil IV der Spendenaktion: Entspannt in den OP-Saal

Die Chefärztin der Klinik für Kinderchirurgie im Klinikum Ernst von Bergmann, Dr. Petra Degenhardt, würde gern allen Kindern die OP-Begleitung durch die Clowns von Rote Nasen Deutschland e.V. ermöglichen. Foto: Sabine Gottschalk

Der künstlerische Leiter von Rote Nasen Deutschland e.V., Reinhard Horstkotte, hat das Pilotprojekt nach Potsdam gebracht. Foto: Kopf&Kragen

 "Wir könnten die Clowns an fünf Tagen in der Woche gut beschäftigen, wenn es über Spenden finanzierbar wäre", sagt Dr. Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Ernst von Bergmann. Im September 2017 hat die Klinik gemeinsam mit dem Verein Rote Nasen Deutschland ein Pilotprojekt gestartet, bei dem einmal in der Woche ein Clown alle Kinder von der Station bis in den Operationssaal begleitet und damit länger bei den kleinen Patienten bleiben darf als deren Eltern. Sehr viel entspannter sei die Situation seitdem, so die Ärztin. Das Projekt ist so gut angelaufen, dass es verstetigt wurde. Die Clowns sind schon am frühen Morgen dabei und bleiben an der Seite jedes Kindes bis es eingeschlafen ist. Das helfe auch dem medizinischen Personal, zumal die Künstler sehr gut wissen, wann und wo sie sich zurücknehmen müssen, um im OP-Saal nicht im Weg zu stehen, so Dr. Degenhardt.

Dass es diese Begleitung an einem Tag in der Woche gibt, ist der Initiative von Reinhard Horstkotte zu verdanken. Der ausgebildete Clown und künstlerische Leiter von Rote Nasen Deutschland e.V. hat den Verein vor 16 Jahren in Berlin mitgegründet, nachdem die Idee seit 1986 in New York bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Mittlerweile sind bundesweit 70 Künstler für den Verein im Einsatz auf Kinderstationen und in Senioreneinrichtungen.

Nachdem Studien gezeigt hatten, wie positiv sich der Einsatz von Clowns als OP-Begleitung auf Patienten und Mitarbeiter auswirkt, kam Reinhard Horstkotte 2017 mit dieser Idee ins Klinikum Ernst von Bergmann, wo die Rote Nasen-Clowns bereits seit mehr als zehn Jahren für Visiten eingesetzt wurden. Ein kleineres Krankenhaus, ein Ort, wo man sich kennt, sei für den Versuch ideal gewesen. Die Wege sind kurz und man habe leicht miteinander ins Gespräch kommen können, betont Dr. Degenhardt. Und trotzdem sei der Anfang nicht einfach gewesen, weil im Klinikbetrieb alle Beteiligten mit ins Boot genommen werden mussten. Während die Clowns in der ersten Zeit nur bis zum Vorbereitungsraum mitkommen durften, können sie seit März dieses Jahres in Absprache mit den Anästhesisten an der Seite der Kinder bleiben bis die Narkose wirkt. Dazu müssen auch die Künstler in sterile OP-Kleidung schlüpfen, lassen ihre Clownsfigur aber nie zurück.


Improtheater von höchster Qualität

Bei jedem Casting bewerben sich bis zu 60 ausgebildete Schauspieler, Sänger oder Artisten, von denen etwa 15 zu einem Workshop eingeladen werden und am Ende nur wenige übrigbleiben, die den hohen Anforderungen von Rote Nasen Deutschland e.V. entsprechen, erklärt Reinhard Horstkotte. Totale Wandlungsfähigkeit, um sich auf jeden einzelnen Patienten einstellen zu können, ist ebenso wichtig wie die persönliche Kapazität, mit emotional schwierigen Situationen fertig zu werden.

Eine einfache OP ist schnell vergessen, bei schwerkranken Kindern sieht das ganz anders aus. Sie müssen unter Umständen viele Operationen über sich ergehen lassen und können dabei leicht den Mut verlieren. Eine solche Situation ist für den Clown eine besondere Herausforderung, zumal die Besetzung im Krankenhaus immer Eins zu Eins ist. Deshalb müssen alle Künstler regelmäßig an Fortbildungen und Workshops teilnehmen. Weiterbildung und Einsatz der Clowns sind teuer und werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Deshalb ist der Verein auf Spenden angewiesen. BlickPunkt und BB Radio unterstützen in diesem Jahr mit ihrer großen Spendenaktion die Clowns von Rote Nasen Deutschland e.V. sg