Fenomena: Bodyguard im OP

Fenomena: Bodyguard im OP

Mit Clownin Fenomena als "Bodyguard" an seiner Seite war trotz großer Angst alles halb so schlimm: Der elfjährige Maximilian lacht kurz nach der OP schon wieder. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Ein Lächeln und die Angst ist weg

Teil Zwei der großen Weihnachts-Spendenaktion von BlickPunkt und BB Radio erzählt die Geschichte des elfjährigen Maximilian. Anfang November meldete er sich mit unerträglichen Bauchschmerzen im Sekretariat seiner Schule.

Die Schulsekretärin rief sofort den Rettungsdienst - ohne zu ahnen, wer dem Jungen zu Hilfe eilen würde: Papa Sven war als Rettungssanitäter an diesem Tag im Einsatz und kam mit einem Kollegen, den Maximilian auch gut kennt. Es sei schon ein ziemlicher Schock gewesen, den eigenen Sohn mit Blaulicht abholen zu müssen. Im örtlichen Krankenhaus habe sich dann herausgestellt, dass Maximilian an einer Leistenhernie litt, erzählt er. Der Leistenbruch, eine bei Jungen recht häufige Fehlbildung des Bauchfells, hatte zu einem Riss in der Bauchdecke geführt, durch den ein Teil des Darms nach außen getreten war.


Nächster Schritt: OP

Der Riss musste schnell genäht werden, um eine Schädigung des Darms zu vermeiden. Dafür wurde Maximilian in die Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam verwiesen, wo er kurze Zeit später operiert werden sollte. Aber der Junge hat seit Jahren große Angst vor Ärzten, mag nicht einmal eine Spritze sehen. Zudem wurde recht spät ADHS bei ihm diagnostiziert. Maximilian konnte zwar sicher sein, dass Papa Sven nicht von seiner Seite weichen würde, aber in den Operationssaal darf auch er nicht mit, obwohl er selbst im medizinischen Bereich tätig ist.

Da kam der Vorschlag der behandelnden Kinderchirurgen gerade recht: Seit Anfang 2018 gibt es in der Kinderchirurgie des Klinikums Ernst von Bergmann ein Pilotprojekt zur OP-Begleitung durch die Clowns von ROTE NASEN Deutschland e.V. Ein Clown kommt morgens um 6 Uhr ins Krankenhaus und begleitet Kinder, die es möchten von der OP-Vorbereitung bis in den Operationssaal.

So war es auch bei Maximilian. Am Tag zuvor wurde Vater Sven und Sohn Maximilian diese Möglichkeit beim OP-Vorgespräch angeboten. Beide waren sofort begeistert. Vor der OP trafen die beiden morgens auf Clownin "Fenomena". Ein Clown, nur für ihn, das hat Maximilian begeistert, zumal Fenomena, die im außerclownischen Leben Polina Borissova heißt und eigentlich Schauspielerin und Sängerin ist, gleich bemerkt hat, dass der Junge vor allem einen Beschützer braucht.

So wurde Fenomena in wenigen Minuten zum Bodyguard und hat Maximilian mit ihrer manchmal fröhlichen, manchmal ernsten Art komplett die Angst vor dem Eingriff genommen. Im Gegensatz zu Papa Sven, der nur bis zur Desinfektionsschleuse mitgehen durfte, war Fenomena nicht nur von Anfang an dabei, als Maximilian vorbereitet wurde, sondern konnte den Jungen begleiten, bis er schließlich eingeschlafen ist. Und das glich einer Meisterleistung: Vater Sven hatte vorab gewettet, dass sein Sohn beim Zählen zum Überprüfen der Narkose nur bis sechs kommen würde - und tatsächlich zählte Maximilian unter den Augen und Ohren von Fenomena bis elf!

Als Maximilian kurze Zeit nach der OP aufgewacht ist, stand Fenomena als Bodyguard natürlich an seinem Bett und zauberte dem vorbildlichen Patienten wieder ein Lächeln ins Gesicht. Zum Abschied gab es noch eine rote Clownsnase - damit er ihren Einsatz nicht vergisst. Für Vater Sven ist sicher: Ohne die Clownbegleitung wäre der Weg in den OP und die Akzeptanz des dringend notwendigen Eingriffs für Maximilian zu einer viel höheren Hürde geworden. sg


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