Maman und ich / Les garçons et Guillaume à table, F 2013

"Jungs und Guillaume, zu Tisch!" - Diese Worte seiner Mutter kennt Guillaume (Guillaume Gallienne) seit er denken kann. Er ist anders als seine beiden älteren Brüder, deshalb holt die Mutter ihn mit diesen Worten zum Essen. Seinem Vater gefällt überhaupt nicht, dass Guillaume sich nicht für Sport und andere Jungsdinge interessiert. Er ist eher auf Maman fixiert und verehrt sie über alles. Am liebsten würder er ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Das findet die Mutter gar nicht so schlecht. denn nach zwei Söhnen hatte sie sich eigentlich ein Mädchen gewünscht. Guillaume hat das verstanden und verwandelt ihre Wunschvorstellungen immer mehr in Realität. Er schlüpft in die Rolle der Tochter, die Maman nie hatte ... Das führt unweigerlich zu Selbstzweifeln, als er in die Pubertät kommt. Wer oder was ist er nun eigentlich? Und zu wem darf er sich hingezogen fühlen? Männer oder Frauen? Ein wirkliches Coming out ist das nicht, und die Schwulen-Szene passt auch nicht wirklich zu Guillaume, obwohl er immer wieder versucht, sich auszuprobieren, sei es in Spanien, England oder Deutschland. Dann lernt der junge Mann durch ein himmlisches Zusammentreffen endlich die große Liebe kennen und wird von allen Zweifeln erlöst.

Das kuriose Mutter-Sohn-Verhältnis, berührend und liebevoll dargestellt, und die befreiende Abnabelung, bei der man jeden Schritt miterlebt und bis zum versöhnlichen Ende mitfiebert, sorgte in Cannes 2013 für Furore. In der "Quinzaine des Réalisateurs" wurde der Film bejubelt, erhielt hymnische Kritiken und zwei Auszeichnungen, den Art Cinema Award und den Preis SACD des besten französischsprachigen Films der Reihe. sg

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