Rosneft investiert 400 Millionen Euro in Schwedt

Rosneft investiert 400 Millionen Euro in Schwedt

Gerhard Schröder (links) und Igor Setschin bei der Pressekonferenz in Schwedt. Foto: Uwe Werner

Konzernpräsident Igor Setschin und Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Schröder besuchten PCK Raffinerie GmbH

Alle drei Jahre werden die PCK-Anlagen technisch überprüft und genauestens unter die Lupe genommen. 2016 wurde auch die Rohöldestillationsanlage I (unser Foto) auf modernsten Standard gebracht. Foto: Uwe Werner

Schwedt. Am Montag (22. Januar 2018) gaben sich die ganz großen Chefs in Schwedt/Oder (Uckermark) die Ehre: Der Präsident Igor Iwanowitsch Setschin und der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Schröder vom russischen Ölkonzern Rosneft hatten sich zum Besuch in der PCK Raffinerie GmbH angesagt. Dabei haben sie die neuen Verarbeitungsanlagen und die moderne Messwarte in Augenschein genommen. Außerdem standen Gespräche mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (beide SPD) sowie mit PCK-Mitarbeitern auf dem Besuchsprogramm.

"Russland ist seit mehr als 50 Jahren ein zuverlässiger Energielieferant in Europa, und daran wird sich auch - unabhängig von der politischen Konjunktur - nichts ändern", versicherte Rosneft-Chef Igor Setschin in einem kurzen Statement vor der Presse. Im Jahr habe Rosneft 24 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Erdöls geliefert. Für die Jahre 2018 bis 2022 kündigte Setschin eine Investitionssumme von 600 Millionen Euro für die Raffinerien in Deutschland an, an denen Rosneft beteiligt ist.

Und der Präsident von Rosneft Deutschland, Brian Chesterman, wurde noch konkreter: "Zwei Drittel dieser Investitionssumme werden in die PCK GmbH Schwedt fließen." Damit würden vor allem moderne Verarbeitungsanlagen entstehen, um Schweröl zu entschwefeln, die Energieeffizienz weiter zu verbessern sowie die Luftverschmutzung zu verringern und die Margen zu erweitern, fügte er hinzu.

Aufsichtsratschef Gerhard Schröder betonte, dass Rosneft sehr daran interessiert ist, die Bahnanschlüsse der PCK GmbH an die Strecken der Deutschen Bahn weiter auszubauen. Nicht nur das Land Brandenburg müsse daran interessiert sein, sondern auch der Bund. Und wenn er sich nicht täusche stehe ja eine Person mit uckermärkischen Wurzeln an der Spitze der Bundesrepublik, merkte Schröder an.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Gerber zeigte sich erfreut über das Rosneft-Engagement in Schwedt. "Wir unterstützen die PCK seit vielen Jahren, denn die Uckermark ist bekanntlich wirtschaftlich nicht gerade auf Rosen gebettet. Unseren ständigen Kontakt mit der PCK-Unternehmensführung und dem Betriebsrat werden wir fortsetzen. Wir sind froh, dass mit den von Rosneft angekündigten Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes gestärkt und Arbeitsplätze gesichert werden", sagte Gerber.

Vertrag zur Veredelung von Bitumen unterzeichnet
Am Rande des Besuchs wurde in Schwedt auch ein Vertrag zur Veredelung von Bitumen und zur Herstellung von polymer modifizierten Bitumen zwischen der Rosneft Deutschland GmbH und der deutschen BITUMINA GmbH & Co. KG, einer Tochter der Basalt-Actien-Gesellschaft, unterzeichnet. Der Vertrag beinhaltet die Veredlung von in der PCK Schwedt produzierten Bitumen durch BITUMINA. Über langfristige Verträge will Rosneft nach eigenen Angaben die Versorgung mit hochwertigen Bitumen-Produkten sicherstellen und einen Kundenservice auf hohem Niveau garantieren. Gleichzeitig hat Rosneft "die Vermarktung von Bitumen in Deutschland und den Nachbarländern gestartet, basierend auf den Mengen aus den Raffinerien PCK, Bayernoil und MiRO", wurde weiter informiert.

Polymer modifizierte Bitumen aus der Rosneft-Produktreihe Alfabit werden im Straßenbau eingesetzt und hätten sich bereits unter den extremen klimatischen Bedingungen in Russland und bei hohen Belastungen durch Schwerlastverkehr bewährt. Wesentliche Eigenschaften sind nach Unternehmensangaben eine hohe Elastizität und Standfestigkeit sowie eine erhöhte Belastbarkeit und Lebensdauer des Asphalts.

Die Schwedter PCK Raffinerie GmbH gehört zu den Top-Unternehmen in Brandenburg und ist das bedeutendste Unternehmen in der strukturschwachen Uckermark. Gesellschafter sind die Rosneft Deutschland GmbH mit 54,17 Prozent, die Shell Deutschland GmbH mit 37,5 Prozent und Eni mit 8,33 Prozent.

Der 57-jährige Igor Setschin war bis 2008 ein enger Berater von Russlands Präsident Wladimir Putin und bis 2012 stellvertretender Ministerpräsident Russlands. Beobachter sehen in ihm bis heute den zweitwichtigsten Mann Russlands. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist seit Ende September Aufsichtsratschef von Rosneft.

Seit 2017 ist Rosneft Mehrheitseigner des Schwedter Unternehmens. Außerdem gehören Rosneft in Deutschland 24 Prozent der Geschäftsanteile der MiRO Raffinerie Karlsruhe (Baden-Württemberg) und 25 Prozent der Bayernoil Raffinerie in Vohburg und Neustadt an der Donau.

Kapazität: Jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl

In Schwedt werden jährlich rund 12 Millionen Tonnen Rohöl, das hauptsächlich aus Russland kommt, zu Mineralöl- und petrochemischen Produkten verarbeitet. Hauptprodukte sind Benzin, Diesel, Heizölen, Flüssiggas, Bitumen, Kerosin, Schwefel, Aromaten (Benzol, Toluol, Xylole) und Energie (Strom, Dampf). PCK war eine der ersten Raffinerien in Deutschland, die Biokraftstoffe eingesetzt hat und ist selbst ein bedeutender Hersteller von hochwertigen Biokraftstoff-Komponenten. Außerdem betreibt das Unternehmen die Beteiligungsgesellschaften PCK & elf Tanklagerbetrieb Seefeld GbR (PETS) sowie die Mineralölverbundleitung GmbH Schwedt (MVL).

Geleitet wird das Unternehmen mit 1200 Mitarbeitern von Wulf Spitzley (Sprecher der Geschäftsführung) und Josef Maily (Geschäftsführer). In den letzten 20 Jahren haben die Gesellschafter mehr als zwei Milliarden Euro investiert - hauptsächlich für effiziente Technologien und Umweltschutz. Um den unterschiedlichsten Marktanforderungen gerecht zu werden, produziert PCK ca. 20 verschiedene Kraftstoff-Qualitäten.

PCK-Geschichte begann 1958
Mit der Eintragung ins Handelsregister als Erdölverarbeitungswerk Schwedt (EVW) begann am 30. Dezember 1958 die Geschichte der PCK. Am 18. Dezember 1963 erfolgte die Inbetriebnahme der Rohöl-Pipeline durch den damaligen DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht. Zwischen 1966 und 1969 erfolgte der Ausbau der Rohölverarbeitung (u. a. zwei weitere Rohöldestillationen, Raffinationsanlagen für Gas, Benzin und Dieselkraftstoff, Anlagen zur Benzinerzeugung und Schwefelgewinnung). Ende 1967 wurden die Erdölleitung Schwedt - Leuna (340 km) und die Kraftstoffleitung Schwedt - Seefeld (78 km) in Betrieb genommen.

Weitere Meilensteine waren die Gründung des Petrolchemischen Kombinates Schwedt (30. Dezember 1970), die Umwandlung der Betriebe des volkseigenen Kombinats PCK in Kapitalgesellschaften und die Auflösung des Kombinats (April/Mai 1990) sowie die Privatisierung der PCK Raffinerie durch die Gesellschafter Veba Oel AG, DEA Mineralöl AG und AET-Raffineriebeteilungsgesellschafts mbH (1. Juli 1991). Im Jahr 2011 erwarb der russische Mineralölkonzern Rosneft die Anteile an der Ruhr Oel GmbH von Petroleos de Venezuela SA und wurde damit auch Gesellschafter der PCK. Uwe Werner

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