Ein Ort der Liebe und Begegnung

Ein Ort der Liebe und Begegnung

V.l. Salar Yikta aus dem Iran, Tatjana Piralie aus Karsachstan, Irena Stol aus Russland, Pfarrer Stefan Bornschlegl und Pädagogin Marita Lübben vom Team der „OffenSpielBar“ Foto: Andreas Schwarze (asc)

Evangelische Christusgemeinde engagiert sich vorbildlich in der Sozialarbeit

Beim persischen Neujahrsfest "Nouruz" wurde im März gefeiert. Archivfoto: asc

Schwedt. Im "Talsand-Center" an der Luxemburger Straße - zwischen dem AquariUM und Oder-Center gelegen - ist Ruhe eingekehrt. Zuletzt hatte der Penny-Markt Mitte 2016 seine Pforten geschlossen. Verblieben sind eine Physiotherapiepraxis, ein Zoohandel und die Evangelische Christusgemeinde Schwedt als Mieter in dem Gebäude-komplex im Stadtteil Talsand. Und genau dieser Gemeinde um ihren Pfarrer Stefan Bornschlegl (43), einem gebürtigen Schwaben, der 2005 in christlicher Mission mit seiner Familie in die Nationalparkstadt zugezogen war, ist es gelungen, den verwaisten und maroden Gebäudekomplex wieder mit Leben zu erfüllen.

Mit dem Projekt "OffenSpielBar" stehen die Gemeinderäume werktäglich immer nachmittags und natürlich zu den sonntäglichen Gottesdiensten für Jede und Jeden offen. Gleich 10 Bundesfreiwilligendienstleistende (Bufdis) bieten Hausaufgabenhilfe an oder begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen und Arztbesuchen. Und sogar eine kleine Sozialküche gibt es, wo Kaffee, selbstgebackener Kuchen und belegte Brötchen angeboten werden für einen ganz kleinen Beitrag von 50 Cent.

"All dies ist aber nur möglich, weil wir hervorragend mit der Schwedter Tafel und der Schutzhütte e.V. und dessen Geschäftsführer Andreas Noack zusammenarbeiten", sagt Stefan Bornschlegl. Besonders stolz ist er jedoch darauf, dass mittlerweile über die Hälfte seiner Bufdis Asylbewerber sind, die sich mit sehr viel Herzblut in die Gemeindearbeit einbringen. Ein junger Iraner, der vor knapp zwei Jahren nach Schwedt kam, hat über diesen Freiwilligendienst seine Anbindung an unsere Gesellschaft gefunden. Er ist mit seinen Sprachkenntnissen und seiner sozialen Kompetenz mittlerweile soweit, dass er ein Gemeindepraktikum absolviert und demnächst in Berlin zum Theologiestudium geht. Der bekennende Christ musste wegen seines Glaubens aus der Heimat fliehen - Peitschenhiebe oder sogar die Todesstrafe drohte ihm dort. Mittlerweile ist er durch diese in seinem Heimatland bestehende Bedrohung ein anerkannter Asylbewerber. Er hält während des Gemeinde-praktikums regelmäßig bei den Gottesdiensten Predigten. Durch die Zusammenarbeit entstehen auch neue Aktivitäten, beispielsweise organisierte die Gemeinde im März erstmals gemeinsam das persische Neujahrsfest "Nouruz" (BlickPunkt berichtete www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/archiv/artikel/52929/).

Abrisspläne zum "Talsand-Center"

Abrisspläne des Gebäude-Eigentümers könnten nun aber das Ende für die vorbildlichen Gemeindeaktivitäten bedeuten. Zumindest am jetzigen Standort. Die Stadtverordnetenversammlung (SVV) von Schwedt hatte jüngst den Weg dafür frei gemacht. Die Münchner Immobiliengesellschaft "FCR Vermietungs-Transaktion" will einen Neubau errichten, der auch die Parkfläche vor dem Gebäude mit einbezieht. Die Verträge der verbleibenden Mieter laufen 2018 aus. "Wir haben hier rund 600 Quadratmeter angemietet zu einem moderaten Preis. Die Räume wurden mit viel Eigeninitiative aufgewertet, ausgebaut, und es ist eine Oase der Begegnung und des Miteinanders entstanden", sagt Stefan Bornschlegl mit traurigem Blick.

Die Planungen für eine Gemeinschaftsküche mussten nun aufgegeben werden. Für die verbleibende Zeit am Standort lohnt sich das nicht mehr. Und somit sind der Pfarrer und seine rund 60 Mitglieder zählende Gemeinde auf der Suche nach geeigneten neuen und preiswerten Räumlichkeiten. Gar nicht einfach in einer Stadt, in der die Mietpreise steigen, die Wirtschaft sich im Aufschwung befindet und "Altlasten" aus DDR-Zeiten sich zunehmend mit der Abrissbirne konfrontiert sehen.

"Von der Entscheidung der SVV zur Zustimmung für die Abrisspläne habe ich aus der Presse erfahren. Da war es schon zu spät, um einen Einspruch einzulegen", sagt Stefan Bornschlegl. "Eigentlich haben wir einen Stein im Brett bei Bürgermeister Jürgen Polzehl und auch Ministerpräsident Dietmar Woidke hat unsere vorbildliche Arbeit schon gelobt, doch davon können wir uns nichts kaufen", ergänzt er.

Konkrete Angebote und Unterstützung bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten werden aus dem Schwedter Rathaus noch vermisst. Doch vielleicht, so hofft Stefan Bornschlegl, kann der Druck der Öffentlichkeit hier noch ein himmlisches Wunder bewirken, damit der engagierte Pfarrer und sein Team die Sozialarbeit - deren Qualität mit der von öffentlichen oder öffentlich geförderten Trägern allemal mithalten kann - doch noch eine Zukunft im Kiez haben. Die Kinder der sozial benachteiligten Familien in der Stadt - von denen es nach der neuesten Sozialstatistik viel mehr als eine Handvoll gibt - die allnachmittäglich Hausaufgabenhilfe erhalten und die Spiel- und Freizeiten der Gemeinde nutzen, aber auch die Neuzuzügler - seien es Flüchtlinge oder polnische Nachbarn - werden es der Stadt mit Sicherheit danken, wenn hier bei der Raumsuche und dem weiteren Ausbau der Sozialarbeit endlich mehr Unterstützung kommt. asc

Mehr über die Arbeit der Gemeinde auf derer Internetseite

www.ecg-schwedt.de/index.php/home/wer-sind-wir/

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