Neues Wolfs-Beratungszentrum des Bundes soll Landesbehörden unterstützen

Neues Wolfs-Beratungszentrum des Bundes soll Landesbehörden unterstützen

Der Wolf (canis lupus) lebt meistens in Familienverbänden. Er war seit dem späten Pleistozän etwa einhunderttausend Jahre lang in ganz Europa, weiten Teilen Asiens sowie Japan und Nordamerika verbreitet. Seoit dem 19. Jahrhundert ging die Anzahl der Wölfe durch die Jagd auf sie drastisch zurück. Seit Ende des 20. Jahrhunderts steht der Wolf unter internationalem Schutz und die Bestände erholen sich teilweise. Foto: Hollingsworth John and Karen, U.S. Fish and Wildlife Service

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz

Berlin/Brandenburg. Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland stellt Bundes- und Landesbehörden vor Aufgaben, die einer bundesweiten Koordination bedürfen. Dies soll ein neues Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes leisten, das die zuständigen Landesbehörden bei offenen Fragen rund um den Wolf berät und bundesweit Daten zur Ausbreitung des Wolfes sammelt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz Beate Jessel sicherten sich für den Aufbau des neuen Wolf-Zentrums die Unterstützung der renommiertesten Experten des Landes.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: "Deutschland ist wieder ein Wolfsland. Das ist ein großer Erfolg für uns Naturschützer. Aber es ist auch eine große Herausforderung, weil das Nebeneinander von Mensch und Wolf vielerorts erst wieder neu erlernt werden muss. Unser neues Wolfs-Beratungszentrum soll die Länder bei neu auftauchenden Fragen rund um den Wolf unterstützen. Wir stellen den Ländern damit Deutschlands beste Wolfs-Experten schnell und unbürokratisch zur Verfügung. Denn der Wolf kennt keine Ländergrenzen. Und die Erfahrung zeigt: Je mehr man über den Wolf weiß, desto weniger Probleme gibt es."

BfN-Präsidentin Beate Jessel: "Die Zunahme und Ausbreitung des Wolfes in Deutschland hat bei den Naturschutzbehörden zu einer erhöhten Nachfrage nach bundesweit aufgearbeiteten aktuellen Informationen zum Wolf geführt. Der Beratungsbedarf ist besonders zu den konfliktträchtigen Aspekten des Wolfsmanagement gewachsen. Wandernde Jungwölfe können sehr schnell von einem Bundesland in ein anderes wechseln und viele Rudelterritorien sind bereits jetzt länderübergreifend. Eine bundesweit einheitliche fachliche Unterstützung beim Umgang mit dieser großräumig agierenden Tierart ist daher sinnvoll."

Mit der neuen "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf" kommt die Bundesregierung einer Bitte der Länder nach. Sie soll in erster Linie die Naturschutzbehörden von Bund und Ländern fachlich unterstützen.

Konkret soll die neue Stelle dafür sorgen, dass die Behörden kontinuierlich und aktuell mit bundesweiten Informationen zum Wolf versorgt werden. Außerdem soll sie bei schwierigen Fällen helfen und zur Koordination und Konfliktlösung beitragen. Sie liefert bei Bedarf wissenschaftliche Beratung zu bestimmten Fällen des Wolfsmanagements.

Getragen wird das Beratungszentrum von einem Konsortium aus mehreren wissenschaftlichen Institutionen: Unter der Führung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) arbeiten darin das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) und das Senckenberg Forschungsinstitut, Standort Gelnhausen.

"Alle Einrichtungen verfügen über langjährige wissenschaftliche und praktische Erfahrung in der Arbeit mit den Wölfen in Deutschland. Hier bauen international ausgewiesene Experten eine wissenschaftsbasierte und anwendungsorientierte Dokumentations- und Beratungsstelle auf", sagt der Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft, Prof. Mosbrugger.

Die Bundesbehörden haben die Rückkehr des Wolfes von Anfang an auf fachlicher Ebene begleitet, indem wissenschaftliche Projekte initiiert und gefördert wurden. Auf der Grundlage eines Fachkonzeptes des Bundesamtes für Naturschutz haben inzwischen fast alle Flächenländer in Deutschland Wolfsmanagementpläne erstellt, die Konflikte im Nebeneinander von Wolf und Mensch vermeiden und verringern sollen. Mit diesem Ziel hat das Bundesumweltministerium zudem die bundesweit tätigen, interessierten Verbände zu einem regelmäßig stattfindenden Runden Tisch eingeladen.

Es gibt inzwischen wieder 31 Wolfsrudel in Deutschland. Der Bestand nimmt zu, allerdings gilt der Wolf nach wie vor als vom Aussterben bedroht.

 

red

 

Schutzstatus des Wolfes

Das Bundesumweltministerium fördert die natürliche Rückkehr und Wiederausbreitung des Wolfes in Deutschland. Diese Absicht ist allerdings nicht völlig freiwillig, sie hat auch einen internationalen, rechtlichen Hintergrund, zu dessen Umsetzung Deutschland verpflichtet ist. Heute unterliegt der Wolf einer Reihe von Rechtsvorschriften auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene. So schützt ihn die Berner Konvention mit der Listung in Anhang II als streng zu schützende Tierart. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (u. a. Anhang IVa) stellt ihn europaweit unter strengen Schutz. Diese Rechtsvorschriften sind national im Bundesnaturschutzgesetz umgesetzt. Die EU erwartet von den Mitgliedstaaten, dass sie den Erhaltungszustand für diese und andere gefährdete Arten verbessert. Dies ist ein zentrales Ziel der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Trotz des hohen Schutzstatus' ist der Wolf in Deutschland weiterhin gefährdet. Die größte Gefahr für das Leben der Wölfe ist der Straßenverkehr und seine illegale Verfolgung.

Beim Wolf ist daher eine Zusammenarbeit mit Polen – für die Zentraleuropäische Flachlandpopulation (zu der die deutsche Population in der Lausitz gehört) - erforderlich. Deutschland und Polen verfolgen das Ziel eines grenzüberschreitenden Monitorings.

(Quelle: BMUB)

Weitere Informationen auf der BMUB-Homepage unter:

www.bmub.bund.de/presse/pressemitteilungen/pm/artikel/neues-wolfs-beratungszentrum-des-bundes-soll-landesbehoerden-unterstuetzen/

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