Bilanz und Ausblick in der PCK Schwedt

Bilanz und Ausblick in der PCK Schwedt

PCK-Geschäftsführer van Winsen gibt Ausblicke auf 2016 - hier auf den Antransport der neuen Vakuumkolonne. Foto: vt

Russischer Ölkonzern Rosneft wird Mehrheitsgesellschafter

Schwedt.

Einen anregenden Neujahrsempfang bot die PCK Raffinerie GmbH. Das lag nicht nur am aufgelockerten Jahresrückblick von Geschäftsführer Jos van Winsen, der sportlich und anhand der fünf olympischen Ringe  das vergangene Jahr charakterisierte: nur einen einzigen Unfall, nur eine Leckage, nur 0,6 Prozent ungeplanter Produktionsstillstand, eingehaltener Kostenplan und eine besser als erwartete EBITDA (betriebswirtschaftliche Kennzahl,  die die Rentabilität eines Unternehmens anzeigt). Sondern es lag vor allem am nachweislichen Erfolg des Unternehmens. Über 11,6 Milliarden Tonnen Rohöl,   0,2 Milliarden Tonnen mehr als 2014, verarbeitete die PCK im vergangenen Jahr zu Mineralöl- und petrochemischen Produkten wie  Diesel, Benzin, Kerosin, Flüssiggas, Heizölen und Bitumen. Das macht beträchtliche 2,1 Milliarden Euro Umsatz. 2015 konnte die PCK deshalb auch Aufträge an Firmen der Region in Höhe von 96 Mio. Euro vergeben. Damit bestätigte sich: die PCK ist sowohl regional und national als auch international ein bedeutendes Wirtschaftsunternehmen mit stetigem Wachstum. Van Winsen: „Wir möchten Klassenprimus in Westeuropa bleiben.“

Doch das wird keine leichte Aufgabe sein bei sinkenden Ölpreisen (um 71 Prozent in 3 Jahren) und einbrechenden Aktien (die Shell-Aktie verlor 35 Prozent in einem Jahr). „Hinzu kommt die starke Konkurrenz durch die kostengünstigeren arabischen Raffinerien.“

Für das neue Jahr kündigte van Winsen unter anderem drei wichtige Vorhaben an.
Zum ersten wird der russische Ölkonzern Rosneft mit 54,17 Prozent Firmenanteilen zum Mehrheitsgesellschafter der PCK avancieren. Im Dezember vergangenen Jahres stieg Rosneft bereits zum zweitgrößten Mehrheitsgesellschafter der PCK auf. Die TOTAL verkaufte ihre Anteile in Höhe von 16,67 Prozent an die russische Mineralölgesellschaft. Eigentümer der Raffinerie sind im Moment also Shell mit 37,5 Prozent, die Fortsetzung Seite 3Ruhr Oel GmbH mit 37,5 Prozent, die im Moment noch zu gleichen Teilen Rosneft und BP halten, wobei Rosneft die BP-Anteile 2016 übernehmen wird – sowie mit 25 Prozent die AET-Raffineriebeteiligungsgesellschaft mbH - das ist ebenfalls Rosneft mit 16,67 Prozent und ENI mit 8,33 Prozent.

Zum Zweiten stehen turnusmäßige Wartungs- und Erneuerungsarbeiten in der Raffinerie an. Vom 4. bis 30. April wird im Verbundstillstand „Kleiner“ die Produktion teilweise stillgelegt. Vorab werden stufenweise Anlagen heruntergefahren. Die neu einzubauende Vakuum-Kolonne wird in 16 Einzelteilen nach Schwedt transportiert und für den neuen FCC-Regenerator muss extra eine spezielle Transportbrücke innerhalb der PCK gebaut werden. (FCC – englisch: Fluid Catalytic Cracking ist der bedeutendste Stoffumwandlungsprozess in der erdölverarbeitenden Industrie.) Dass durch den Stillstand die Produktionsbilanz am Jahresende etwas geringer ausfallen wird als 2015, ist eingeplant.

Zum Dritten wird die neue zentrale Raffinerie-Messwarte, neben der bisherigen noch im Bau, 2016 in Betrieb genommen. Am 12. Mai vergangenen Jahres war dafür der Grundstein gelegt worden. Die druckfeste und explosionsgeschützte zentrale Raffinerie-Messwarte ist die neue Schaltzentrale der Raffinerie. Von hier aus werden alle Raffinerieanlagen, Tanklager, Pipelines und die Kesselwagenverladungen per Mouseklick gesteuert. Ihr Design wurde gemeinsam mit erfahrenen Leitwartenarchitekten entwickelt, „ein Arbeiten wie in der Cabrio-S-Klasse“, meinte van Winsen. Zudem wurde extra mit dem Fraunhofer Institut für Lichttechnik ein innovatives Beleuchtungskonzept entwickelt, da die MesswärterInnen sicherheitstechnisch ohne Fenster auskommen müssen. Als erstes Anlagenteam werden die Mitarbeiter des Betriebsbereiches FCC mit insgesamt sechs Teilanlagen nach dem Verbundstillstand „Kleiner“ die neue Warte beziehen. Der Bau der Raffineriemesswarte war durch die notwendigen Ablösung einer alten Prozessleittechnik erforderlich geworden.     

 jec

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