Der Arbeitsmarkt 2015 aus Sicht des Jobcenters Uckermark

Nach positivem Verlauf im Vorjahr sieht Jobcenter regionalen Arbeitsmarkt in 2016 „vorsichtig optimistisch“

Hinter Jobcenter-Leiter Michael Steffen und seinen Mitarbeitern liegt ein erfolgreiches Jahr 2015. Foto: Uwe Werner

Prenzlau. "Es ist uns gelungen, die Chancen der Region zu nutzen, Risiken weitestgehend auszuklammern und damit viele Menschen in Arbeit und Ausbildung zu bringen", schätzte der Leiter des Jobcenters im Landkreis Uckermark, Michael Steffen, am Freitag beim Jahresrückblick 2015 vor der Presse ein. Auch wenn die Uckermark mit einer jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenquote von 14,7 Prozent im Bundesvergleich weiter am Ende der Statistik liegt, sei die Zahl derjenigen, die auf Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, im Jahresverlauf 2015 deutlich zurückgegangen, resümierte er.

SV-pflichtige Beschäftigung muss weiter wachsen
Dennoch müsse es eine vorrangige Aufgabe im Jahr 2016 bleiben, die Kreisentwicklung weiter voranzutreiben und sich besonders für den Zuwachs an SV-pflichtiger Beschäftigung einzusetzen. "Wir sehen in Bildung und Qualifizierung neben der eigenen Motivation der Arbeitslosen den Schlüssel für eine Integration in Arbeit. Zudem ist es wichtig, das kommunale Bildungsmanagement im Kreis zu etablieren und weiter zu entwickeln", sagte Michael Steffen.

Im Landkreis Uckermark ist die Arbeitslosigkeit im Verantwortungsbereich des Jobcenters (Rechtskreis des Arbeitsgesetzbuchs II/SGB II) im Verlauf des Jahres 2015 um 301 Personen auf durchschnittlich 7259 Betroffene zurückgegangen. Das entspricht einer jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenquote von 11,4 Prozent im Rechtsbereich des SGB II. Ebenfalls gesunken, ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen, von 4552 Personen im Jahresdurchschnitt 2014 auf 4406 in 2015.

Weniger Bedarfsgemeinschaften und Leistungsberechtigte

"Im Jahresdurchschnitt 2015 wurden vom Jobcenter Uckermark 10 519 Bedarfsgemeinschaften mit 13 771 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten betreut. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 5,4 Prozent bei den Bedarfsgemeinschaften und von 6,2 Prozent bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten", berichtete der Jobcenter-Leiter.

"Im Verlauf des Vorjahres konnten vom Jobcenter Uckermark 2629 Frauen und Männer in eine Erwerbstätigkeit vermittelt werden. In den meisten Fällen ist an eine direkte Integration in Arbeit nach langen Jahren der Arbeitslosigkeit nicht zu denken. Vielmehr stehen zumeist eine Aktivierung und gezielte Qualifizierung des Einzelnen an", fügte er hinzu. Rund ein Drittel der zu betreuenden Kunden hat keinen bzw. keinen anerkannten Berufsabschluss.

Für die Integration in Arbeit wurden im Jahresverlauf enorme Geldmittel aufgewendet. Die größten Posten flossen in Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (rund 4,9 Millionen Euro), Mehraufwandsentschädigungen (3,3 Millionen Euro) und Eingliederungszuschüsse (2,3 Millionen Euro). 386 Kunden des Jobcenters haben 2015 eine Qualifizierung absolviert, vor allem in den Bereichen Gesundheits- und Krankenpflege (100 Prozent Vermittlungsquote), Sicherheitsgewerbe (61,7 Prozent Vermittlungsquote) und Transport/Logistik. Weitere 112 Personen erhielten zudem eine branchenspezifische Kenntnisvermittlung im Bereich Pflege und Gesundheit.

Gefahr der Abwanderung junger Menschen nicht gebannt
Kritisch merkte Michael Steffen an, dass es in der Uckermark weiterhin "ein deutliches Missverhältnis zwischen der Anzahl angebotener betrieblicher Ausbildungsstellen und der der Ausbildungssuchenden gibt". Im Landesdurchschnitt liege der Anteil an Berufsausbildungsstellen je Bewerber bei 0,92 - in der Uckermark nur bei 0,45. "Damit läuft die Region Gefahr einer anhaltenden Abwanderung junger Menschen, die Ausbildungsangebote außerhalb suchen", warnte er.

Nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ist im Jobcenter ein deutlicher Rückgang bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zu verzeichnen. Die Zahl der "Aufstocker", also Personen, denen zusätzlich zum Einkommen SGB II-Leistungen zustanden, hat sich 2015 um durchschnittlich 500 Personen verringert (auf im Jahresdurchschnitt 4011 Frauen und Männer). Eine erste Auswertung der Daten des Jobcenters im August 2015 zeigte folgende Auswirkungen durch die Einführung des Mindestlohns: In 188 Fällen verringerte sich der Leistungsbezug im SGB II durch höheres Einkommen; in 25 Fällen wurde der Leistungsbezug beendet; das durchschnittliche Erwerbseinkommen sozialversicherungspflichtig Beschäftigter mit aufstockenden Leistungen vom Jobcenter hat sich um 10,6 Prozent erhöht.

Personalbedarf ist Chance für die Region
Mit Blick auf das Jahr 2016 zeigte sich Michael Steffen "vorsichtig optimistisch". "Es gibt einige positive Signale von uckermärkischen Unternehmen zur Betriebserweiterung. Ansonsten ist aber von einer verhaltenen Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt auszugehen", schätzte er ein. "Das Jobcenter sieht den zu erwartenden Personalbedarf bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen als Chance für die Region. Zu den beschäftigungsintensivsten Branchen werden nach wie vor das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Handel und die wirtschaftlichen Dienstleistungen gehören", fügte er hinzu.

Handlungsschwerpunkte für das Jobcenter sieht dessen Chef darin, jungen Menschen beim gelungenen Star ins Berufsleben zu helfen; zu vermeiden, dass es bei Familien aus dem Rechtskreis des SGB II zu einem generationsübergreifenden Leistungsbezug kommt; weitere Beschäftigungschancen für ältere Leistungsbezieher zu erschließen; die Zahl der Aufstocker weiter zu reduzieren; Leistungsberechtigte mit Berufsabschlüssen bzw. mit gesundheitlichen Einschränkungen gezielt zu unterstützen und die Integrationschancen von Langzeitleistungsbeziehern durch deren Aktivierung zu erhöhen. Uwe Werner

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