Erste Klinik für Ganzheitliche und Umweltmedizin in Deutschland

Krankenhaus Prenzlau erschließt innovatives Behandlungsangebot

Prenzlau.

In Deutschland bislang einmalig ist der medizinische Fachbereich für Ganzheitliche und Umweltmedizin am Krankenhaus Prenzlau. Am Freitag wurde er feierlich eröffnet. Zahlreiche Gäste, darunter auch Landrat Dietmar Schulze und der Bürgermeister der Stadt, Hendrik Sommer, nahmen teil und  informierten sich aus erster Hand über das besondere Behandlungsangebot. "Wir eröffnen mit diesem Fachbereich eine neue Möglichkeit, Menschen mit speziellen chronischen Beschwerden zu helfen. Zugleich erweitern und bereichern wir die Behandlungskompetenzen des Krankenhauses Prenzlau in außergewöhnlicher Weise", sagte Harald Kothe-Zimmermann, Geschäftsführer der GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH, zu der das Krankenhaus gehört.


"Viele Menschen klagen über Krankheitssymptome, deren Ursache unklar geblieben ist, obwohl regelmäßige Arztbesuche und eine entsprechende Diagnostik erfolgten. Auch nehmen Krankheiten und Beschwerden unter Beteiligung von Umwelteinflüssen immer mehr zu. Es gab bisher kein Angebot in unserer Gesundheitslandschaft, das diese Lücke füllt." Diagnostik und Therapie der spezifischen Erkrankungen verlangen mehr als üblich eine umfassende Sicht auf den ganzen Menschen und seine Lebensumstände. Außerdem ist ein besonderes Umfeld erforderlich, wie man es in dieser Form sonst nirgends findet.


Dazu zählt vor allem, dass der Bereich von möglichen Umwelteinflüssen auf die Gesundheit weitestgehend abgeschirmt sein muss. Im betreffenden Teil des Krankenhauses fanden aufwendige Umbauten statt: Leitungen wurden entfernt, die Wände mit Lehm verputzt, die Abteilung bekam einen separaten Eingang. Das Mobiliar und alle verwendeten Materialien wurden nach Gesichtspunkten der Umweltmedizin ausgesucht und geprüft. Ein Ingenieurbüroist für die baubiologische Überwachung zuständig.


Dr. Frank Bartram, Spezialist für Umweltmedizin aus Weißenburg in Bayern, hat den Umbau begleitet und steht dem neuen Klinikbereich im Rahmen einer Kooperationsvereinbarungauch weiterhin zur Seite. Mehr als 11.000 Patienten mit umweltbezogenen Erkrankungen hat er in seiner Praxis bereits behandelt. Europaweit berät er Unternehmen zur Vermeidung von Umweltbelastungen für die Gesundheit der Beschäftigten.

"Typische Beschwerden sind chronische Müdigkeit, physischer Leistungsmangel, Konzentrationsstörungen, unklare Verdauungsprobleme, Schmerzen oder Hautsymptomatiken",sagt der Experte. "Viele Patienten haben bereits zahlreiche Ärzte aufgesucht. Da sich ihre Beschwerden nicht bessern, werden die Betroffenen oft als störend empfunden oder psychologisiert. Manche wenden sich in ihrer Ratlosigkeit an selbsternannte Wunderheiler. Dabei sind die Ursachen klar belegbar, nur die Symptome sind diffus."


Als Auslöser kommen zum Beispiel Schimmel in überisolierten Wänden, Zahnfüllungen und Biozide in Kleidung, Möbeln oder Lebensmitteln in Betracht. Auch Parfüm kann unverträglich sein. Deshalb dürfen Krankenschwestern, die in dem neuen Fachbereich des Krankenhauses arbeiten, kein Parfüm benutzen, nur Naturkosmetik verwenden und nicht rauchen. Als Prominenter meldete sich Schauspieler Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern", "Großstadtrevier") zum Thema Umweltmedizin zu Wort. Er hat sich im Rahmen einer Greenpeace-Kampagne auf Umweltgifte im Blut testen lassen. Das Ergebnis war positiv. "Wie sehr wir durch Umweltgifte belastet sind, ist den meisten gar nicht bewusst", sagte er und fügte mit Blick auf die Neueröffnung in Prenzlau hinzu: "Endlich entsteht hier ein Ort, an dem Menschen geholfen wird, die durch unseren industriellen Wachstumswahn erkrankt sind. Ich wünsche mir, dass dadurch möglichst viele Patienten wieder gesund werden, für deren Behandlung es anderswo keine solchen geeigneten Voraussetzungen gibt."


Der neu eröffnete Fachbereich in Prenzlau gehört zur Inneren Klinik II des Krankenhauses. Die Verantwortung trägt Chefarzt Dr. Uwe Knitter. Fachbereichsleiterin der Ganzheitlichen und Umweltmedizin wird Dr. Ilze Kuka sein. Sie stammt aus Lettland. Dr. Frank Bartram, der zugleich Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmediziner (BDU) ist, wird als ständiger Berater ebenfalls regelmäßig vor Ort sein.


Die Verwaltungsleiterin des Krankenhauses, Christiane Reinefeldt, sieht in dem neuen Fachbereich eine spannende Innovation und fachliche Herausforderung. Sie sagte: "Ich wünsche mir, dass dieser Schritt vielen Betroffenen hilft, Lösungen für ihre gesundheitlichen Probleme zu finden. Die Kosten werden allerdings von den Krankenkassen bisher nicht übernommen, sondern müssen von den Patienten selbst getragen werden."


Das Thema Umweltmedizin gewinnt immer mehr an Bedeutung. Im März hat das Bundesministerium für Gesundheit am Robert Koch-Institut eine Expertenkommission für Umweltmedizin berufen, die umweltbezogene Gesundheitsrisiken erforschen und Empfehlungen für die umweltmedizinische Versorgung der Bevölkerung erarbeiten soll. Eine aktuelle Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO vom Februar hat belegt, dass 20 Prozent aller Krankheiten und jeder fünfte Todesfall in der EU auf Umweltgifte zurückzuführen ist.

Die GLG mbH ist ein Unternehmensverbund im Nordosten Brandenburgs mit fünf Krankenhäusern, mehreren Tageskliniken, Medizinischen Versorgungszentren und anderen Gesundheitseinrichtungen. Träger sind die Landkreise Barnim und Uckermark sowie die Stadt Eberswalde. Der Konzern beschäftigt 2.470 Mitarbeiter. Jährlich werden ca. 95.000 Patienten in den GLG-Gesundheitseinrichtungen behandelt.


Die Klinik für Ganzheitliche und Umweltmedizin befindet sich auf dem Gelände des Kreiskrankenhauses Prenzlau,

Stettiner Straße 121
17291 Prenzlau

Telefon: 0 39 84 / 33 - 0
Telefax: 0 39 84 / 33 - 33 3


Weitere Infos unter www.glg-mbh.de

Kommentare

  1. User
    Ina C. Mueller Völklingen, Mo, 23.04.2012 10:26

    Leider wird die Umweltmedizin immer noch als finanzielle Einnahmequelle gesehen. Ich frage mich als Umweltpatient: Wann hört dies endlich auf und Patienten die seit langem um ihr wertvolles Leben kämpfen, bekommen endlich Hilfe die auch bezahlbar ist. Keiner von den chronisch Erkrankten können mehr arbeiten und über 2/3 der Patienten sind Alg II Bezieher oder Leben von einer aufgestockten Rente. Mit diesem Minimalbetrag kann man keine Infusionen (diese sind für diese Patienten lebensnotwendig) bezahlen und somit sind diese Menschen tagtäglich unterversorgt. Wenn dies Jahrelang der Fall ist, geht es nicht mehr um ein paar Weh Wehchen, sondern um das Leben. Von der Lebensqualität einmal abgesehen, die sowieso fast gen Null gefahren wird. Dazu kommen Unterstellungen und Beleidigungen denen man als Patient ausgesetzt ist. Die Psychiatrisierung von wirklich ernsthaft erkrankten Menschen. Der Kampf um Überleben ist dann noch gepaart von der ständigen Suche nach der richtigen Behandlungsmethodik oder einem Menschen, der Fachwissen weitergeben kann. Oftmals helfen sich Patienten untereinander und geben ihr hart erlerntes Wissen weiter. Vertrauen kann man sich nur erarbeiten, sagte mal ein schlauer Mensch. Leider interessieren sich Pharmalobby und Ärzte recht wenig darum. Ausnahmen ausgenommen. Als Patientin kann und darf ich anklagen, vor allem wenn man mir mein Leben genommen hat. Umweltgifte habe ich nicht freiwillig aufgenommen, dafür sind Andere zuständig. Und wenn nicht bald ein Umdenken in dieser Gesellschaft geschieht, sind wir eine Gesellschaft sehr kranker und nicht mehr leistungsfähiger Menschen. Gewollt..?

  2. User
    Dr. Hans-Ulrich Hill Wiesbaden, Mo, 23.04.2012 14:40

    Ich schließe mich dem Kommentar von Frau Ina Müller an. Wie brauchen Kliniken und Ärzte, die Umweltkrankheiten auch auf Basis gesetzlicher Krankenkassen fachgerecht und ohne Psychiatrisierung, d.h. mit diagnostisch genauer Abklärung der Krankheit nach dem Stannd der Wissenschaft, behandeln. Ist das in Prenzlau der Fall? Es fehlt im Artikel eine Adresse und Telefonnummer bzw. E-Mail der Klinik, damit betroffene Patienten sich bundesweit anmelden können.

  3. User
    BlickPunkt Uckermark Redaktion Schwedt, Di, 24.04.2012 09:58

    Der Artikel wurde um die fehlenden Informationen ergänzt. Vielen Dank für den Hinweis!

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