Ladenhüter sind gefragt wie nie

Kaufinteresse an Armeelazarett, Forst Zinna und Altes Casino Fuchsberge

Garnisonslazarett Neues Lager: Haupteingang 1934-36 fertig gestellt. Foto: Helmut Meck, Ortschronist

Brunnenplastik (damals noch auf dem Lazarettgelände), die heute in Jüterbog/Werder steht. Foto: Helmut Meck

Jüterbog. Jahrzehntelang schlummerten ehemalige Militärareale rund um Jüterbog im Dornröschenschlaf. Es regierte der stille Verfall. Das scheint nun vorbei, denn überall, selbst in Wünsdorf, gehen denkmalgeschützte Gebäude weg wie war warme Semmeln. Und auch Jüterbog zieht dank seiner infrastrukturellen Vorteile mit Bahn- und Bundesstraßenanbindung aktuell verstärt Investoren an. Nach dem Areal „Am Schießplatz“ (BlickPunkt berichtete) liegt nun auch ein Kaufantrag für das ehemalige Armeelazarett (Altes Lager), das Alte Casino (Fuchsberge) und das riesige Gelände in Forst Zinna vor. Ein Investor aus Hannover zeigt deutliches Interesse an allen drei Arealen und hat daher einen Kaufantrag bei der BBG (Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung) eingereicht. Nach ersten Erkenntnissen sollen diese Areale und Gebäude denkmalgerecht saniert und künftig für Wohnraum und Kleingewerbe zur Verfügung stehen. Fraglich ist aktuell, wie schnell in dieser Angelegenheit seitens der BBG entschieden wird. In Jüterbog zeigen sich zumindet Bürgermeister Arne raue und Wirtschaftsförderer Christian Seiler erstmals mehr optimistisch als vorsichtig. „Es hat schon öfter Interessenten gegeben, doch bei diesem kann man dank seiner Referenzen und Geldgeber im Hintergrund  optimistisch an die Sache gehen“, so Raue, der bereits jetzt diverse Gremien der Landesregierung ins Boot geholt hat.

Und es gibt ganz handfeste Gründe für das stetig steigende Interesse weltweit agierender Investoren an diesen einstigen Ladenhütern der Immobilienlandschaft.
Christian Seiler erklärt: „Durch die weltweit langanhaltende Niedrigzinspolitik ist einfach sehr viel Geld da für Investitionen. Das dies nun auch verstärkt in  denkmalgeschützte Areale fließt, hat nicht zuletzt mit  den finanziell attraktiven Sonderabschreibungen für die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude zu tun. Man beobachtet zudem, dass gerade Investoren aus Asien oder Amerika ein Faible für diese Gebäude haben. Natürlich darf man die gute Lage Jüterbogs nicht vergessen. Direkt vor den Türen Berlins und durch die B 101, wie auch der Bahn, bestens angeboten, ist unsere Region natürlich sehr attraktiv.“
Auch Bürgermeister Arne Raue hofft auf frischen Wind in diesen „fast vergessenen“ ehemaligen Militärarealen. „Das ist für mich das erste Mal, dass ich diese Akteure ernst nehmen kann. Es scheinen keine Spinner zu sein und aus vielerlei Gründen nehmen wir hierbei unsere Rolle als Wirtschaftsförderer ausgesprochen ernst.“
Nun wird die Zukunft zeigen, wie schnell es eine Entscheidung aus dem Hause der BBG gibt und wann die ersten konkreten Pläne für die drei genannten Areale auf dem Tisch liegen.  fdk


Das Garnisonslazarett Neues Lager und seine Zeitgeschichte

"Eine Fotodokumentation bis heute"  von Ortschronist Helmut Meck

Mit dem Ausbau und Erweiterung des Schießplatzes Jüterbog, der Militäranlagen
ab 1870 in Altes Lager, entstand 1889 die neue Militäranlage „Neues Lager“,
auf der südlichen Seite der Straße nach Treuenbrietzen.
Mit dem Ausbau des Barackenlagers  entstanden  ein Proviantamt, Speichergebäude
und riesige Lagerhallen. Nicht zuletzt erfolgte der Ausbau zum Referendarlager
„Hanns Kerl“

So war es zwangsläufig eine Notwendigkeit auch eine militärische Medizinische
Einrichtung für die zahlreichen Soldaten ein zu richten.

Mit der Planung eines Lazaretts und dem Ankauf des neuen Schießplatzgeländes
wurde 1893 das erste Standortlazarett außerhalb der Garnison Neues Lager
fertig gestellt.


Es bestand ursprünglich aus vier Krankenbaracken und einigen Nebengebäuden.
Ab 1930 bis 1936 erfolgten ein enormer Umbau und die Erweiterung der Kapazität.
Zumal die Militärärzte auch Familienangehörigen von Berufssoldaten und
Privatpatienten aus der Zivilbevölkerung  zu versorgen hatten.

So entstand ein neues Lazarettgebäude  in runder U-Form, ein Küchengebäude
und Wäscherei und Küche.
Das Lazarett verfügte nun über 400 Betten und die Fachabteilungen; Chirurgie,
Innere Krankheiten, Haut- und Geschlechtskrankheiten und eine Sonderstation für
Geburtshilfe.
Mit der Ausrichtung der Krankenzimmer im Neubau nach Süden , den Terrassen
und Balkonen, wurden das Sonnenlicht und die frische Waldluft als Therapie auch
für Tbc-Patienten eingesetzt.

1938 wurden noch einmal gärtnerisch die Freiflächen parkähnlich gestaltet.
Es entstand eine Brunnenanlage und in der Mitte wurde eine  große
Steinplastik „Pferd und Reiter“ aufgestellt.

Zahlreiche Legende und Erzählungen entstanden um das Kunstwerk “Pferd
und Reiter „.Wen stellt es dar, gibt es eine Beziehung, warum  steht es im
Brunnen des Lazaretts?

Im persönlichen Gespräch mit Werner Schütte,  aus Weder, konnte ich  Folgendes erfahren:

Major Friedrich Gerhard war Patient im Lazarett Neues Lager.
Friedrich Gerhard  war Teilnehmer der Olympischen Spiele 1936 in Berlin.
Als Dressurreiter  auf seinem Pferd „Absinth“ gewann er in der Einzelwertung die
Silbermedaille und in der Mannschaftswertung die Goldmedaille.

Zu Ehren seiner großartigen sportlichen Leistung  wurde in künstlerischer Freiheit
sein Pferd „Absinth“ und er als Reiter in der Form der Steinplastik im Brunnen
1938 aufgestellt.

2008 wurde die Plastik abgebaut und steht heute auf dem Gelände des
Erlebnishofs in Werder.

Der Fläming Jüterboger  Reitverein in Werder will die Steinplastik überholen und an
würdiger Stelle  künftig  der Öffentlichkeit präsentieren.

Von 1945 bis zum Abzug der Roten Armee 1992 nutzten sie es als Lazarett.

Heute ist die wunderschöne Einrichtung dem Verfall preisgegeben.
Fotos zeigen den heutigen Zustand, Krankenzimmer, Kinderräume, OP-Räume,  Außenansicht und wie  alles zuwächst

Schade, schade, dass es für so ein Objekt keine Nutzung mehr gibt. Ein Objekt, im
grünen Wald und einer schönen Parkanlage wird heute von einer  Wachgesellschaft 
beaufsichtigt.
 
Kommentar zum Garnisionslazarett Neues Lager: Webseite

Zakir Mamedov

Ich war als sowjetischer Offizier zwischen 1987 und 1992 erst in der Garnison Forst Zinna
und danach in Jüterbog II stationiert. Das Lazarett in Neues Lager gehörte organisatorisch zur
20. Garde-Armee (Eberswalde-Finow). Hier wurden Soldaten und Offiziere  mit Familien-
angehörigen aus Jüterbog und dem Umland behandelt. Ich persönlich wurde auch im
Lazarett behandelt, dabei habe ich mich manchmal bis zu zwei Wochen aufgehalten. Auch
meine Tochter und Ehefrau wurden hier behandelt. Und schließlich im Jahre 1991 kam meine
Sohn in diesem Lazarett auf die Welt. Zu damaligen Zeit befand sich die ganze Anlage in einem gepflegten Zustand. Die Lage im Wald war ruhig und schön. Nur wenn unsere Jagdflieger aus Altes Lager Flugtage hatten wurde es sehr laut.
Ich liebte es im Park beim guten Wetter spazieren zu gehen. An die Reiterstatue kann ich mich gut errinern. Ich finde es sehr Schade, dass diese schöne Anlage langsam zerfällt.

 Fotos: Helmut Meck – Archiv Helmut Meck . Helmut Nauck

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