Zu wenig Exzellenzunis in Ostdeutschland

Zu wenig Exzellenzunis in Ostdeutschland

Der Rostocker Bundestagsabgeordnete und Sprecher der SPD-Landesgruppe Ost, Frank Junge, übt scharfe Kritik an der Auswahl der Exzellenzunis. Foto: SPD Landesgruppe Ost

SPD-Bundestagsabgeordneter Frank Junge: Exzellenzstrategie des Bundes fördert ungleiche Bildungschancen

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch freut sich darüber, dass die Wahl auf den Verbund der drei Berliner Unis gefallen ist, da Brandenburger Forschungseinrichtungen mit der Humboldt-Uni und der TU Berlin zusammenarbeiten. Foto: Sabine Gottschalk

Potsdam. Kritik an der Entscheidung der Exzellenzkommission aus Forschungsministerinnen und -ministern von Bund und Ländern und dem Expertengremium in Bonn, nur elf Hochschulen zu geförderten Exzellenzuniversitäten zu machen, hat der Sprecher der Ost-SPD im Bundestag, Frank Junge, geübt. Beworben hatten sich insgesamt 17 Universitäten und zwei Hochschulverbünde. Unter den nun ausgewählten sind mit der TU Dresden und der Berlin University Alliance von Freier Universität, Humboldt-Universität und TU Berlin nur zwei Bewerber aus Ostdeutschland. 

Mit der 2016 beschlossenen "Exzellenzstrategie" (ExStra) fördern Bund und Länder mit jährlich insgesamt 148 Millionen Euro die Spitzenforschung an Universitäten. Antragsberechtigt waren Universitäten, die über mindestens zwei Exzellenzcluster bei Einzelanträgen oder drei Clustern bei Verbund-Anträgen verfügen. Neu ist: Wer einmal Exzellenzuniversität wird, bleibt es für mindestens sieben Jahre. Die mit dem Exzellenz-Prädikat ausgezeichneten Hochschulen müssen keine neuen Konzepte einreichen. Voraussetzung für eine Antragstellung war bei der jetzigen Entscheidung, dass einzelne Universitäten mindestens zwei Exzellenzcluster nachweisen mussten. Bei Universitätsverbünden wurden drei Exzellenzcluster vorausgesetzt. Bundesweit haben Hochschulen 19 Konzepte eingereicht.


Exzellenz-Strategie geht auf ehemalige SPD-Wissenschaftsministerin Bulmahn zurück

"Die Exzellenz-Strategie, ein 2005 ausgelobtes Förderprogramm, das auf Initiative der ehemaligen SPD-Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn zurückgeht, ist eine lobenswerte Sache. Damit sollte unter anderem der zunehmenden Ökonomisierung der Hochschulen entgegengewirkt und durch finanzielle Mittel von Bund und Ländern die notwendige Unabhängigkeit von Forschung und Lehre gewährleistet werden", sagt Frank Junge. Mit der Vergabe des Exzellenz-Prädikats an insgesamt elf Hochschulen hätte es die Möglichkeit gegeben, eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen an unterschiedlichen Standorten zu fördern, auch in der Fläche. Nach der Entscheidung der Exzellenzkommission konzentriere sich die Unterstützung jedoch nur auf zwei Standorte in Ostdeutschland und wenige in den alten Bundesländern. "In Ostdeutschland sind damit weiterhin große weiße Flecken zu sehen: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind gar nicht Teil der Exzellenz-Strategie. Hochschulen, die bereits über ein Exzellenzcluster verfügten, wie Jena und Chemnitz, konnten die erweiterten Antragsvoraussetzungen nicht erfüllen und waren somit von vornherein aus dem Rennen", so der Rostocker Bundestagsabgeordnete weiter.

Mit dieser gegenwärtigen "Exzellenz"-Politik würden zwar richtiger Weise die Leuchttürme in der Hochschullandschaft gefördert, es würde aber zu wenig dafür getan, um Hochschulstandorte zum Beispiel in den neuen Bundesländern, die ihre Merkmale und Voraussetzungen nur bedingt selbst beeinflussen können, in die Lage zu versetzen, in einen Wettbewerb auf Augenhöhe mit den starken Standorten zu treten. Die Konsequenz sei, dass oft die gleichen Institutionen erhebliche Mittel des Bundes für ihre Arbeit erhalten. "Aus meiner Sicht wird das Bildungssystem damit deutlich ungleicher und elitärer. Durch diese Bevorzugung ohnehin schon begünstigter Standorte wird der Grundgedanke, einen Wettstreit der Ideen zwischen den Hochschulen und Universitäten zu fördern, um so die Innovationskraft der Lehreinrichtungen zu stärken, unterwandert", betonte Junge. So werde kein höheres Maß an Bildungsgerechtigkeit geschaffen.


Münch gratuliert Berliner Unis: Großer Vorteil für die Wissenschaftsregion

Ganz anders sieht das Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch. Sie gratulierte Berlin zu seinem Erfolg in der Exzellenzstrategie: "Die Auswahl des Berliner Verbundantrages als Exzellenzuniversität ist ein herausragender Erfolg der beteiligten Universitäten und erschließt ein erhebliches zusätzliches Potenzial für die die Wissenschaftslandschaft der gesamten Hauptstadtregion."

Die Entwicklung von Wissenschaft und Forschung in Berlin und Brandenburg sei durch eine Vielzahl von Kooperationen der Hochschulen miteinander und mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen geprägt. "Mit ihrer Dynamik und Innovationsstärke ziehen die Wissenschaftsinstitutionen junge Menschen aus aller Welt an, befördern Innovationen in den Unternehmen und schaffen qualifizierte Arbeitsplätze. Die Entscheidungen in der Exzellenzstrategie werden hier einen weiteren Schub bringen. Das gilt für die Auswahl der Exzellenzuniversitäten ebenso wie für die Exzellenzcluster, über die bereits im letzten Jahr entschieden wurde", so Münch weiter.

Die Universität Potsdam und das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam sind Partner in mehreren Exzellenzclustern der Technischen Universität Berlin und der Humboldt Universität zu Berlin.  sg

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