Wertvolle Spende für das Potsdam Museum

Wertvolle Spende für das Potsdam Museum

Der beeindruckende Goldrubinglas-Becher (2. von links) stammt vom Glasmacher Johannes Kunckel und wurde vermutlich auf der Pfaueninsel hergestellt, die dem Alchimisten für seine Versuche zur Verfügung gestellt wurde. Im Hintergrund spiegelt sich Fielmann-Filialleiter Johannes Haerkötter. Fotos (2): Sabine Gottschalk

Museum und Fielmann-Stiftung kooperieren seit zehn Jahren erfolgreich

Die Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, Uta Kaiser, hat die beiden Kunstwerke ausgewählt, die von der Fielmann-Stiftung gespendet wurden. Das Ölbild zeit das Marmorpalais im Neuen Garten um 1790.

Potsdam. Zwei bedeutende Werke hat das Potsdam Museum am Mittwoch von der Fielmann-Stiftung erhalten: Ein Goldrubinglas und ein Ölgemälde, das das Marmorpalais im Neuen Garten darstellt, bereichern nun die Sammlung des Hauses. Das Goldrubinglas stammt aus einer renommierten, privaten Münchner Glassammlung. Sein Erwerb schließe eine große Lücke im Sammlungsbestand des Potsdam Museums, betonte Museumsdirektorin Jutta Goetzmann. Denn Gläser dieser Qualität sind rar. Das nun erworbene Becherglas stammt aus Werkstatt des renommierten Glasmachers und Alchimisten Johannes Kunckel, der in Potsdam und auf der Berliner Pfaueninsel wirkte.

Ein reines, durchgefärbtes Rot zu erzielen, war für Glasmacher im 17. Jahrehundert nicht einfach. Meist wurde Glas zu dieser Zeit mit einer Kupferschicht überzogen, um einen roten Farbton zu erzielen. Das war jedoch weder haltbar, noch gut für die Gesundheit. Kunckels Entwicklung des reinen Goldrubins, das auf kleinsten Goldpartikeln, die im Glas eingeschlossen waren, beruhte, bedeutete einen Durchbruch, der bis heute Anerekennung verdient. In der Zeit seiner Entdeckung galt Goldrubinglas zudem als besonders Gesundheits fördernd, weil viele Menschen glaubten, die kleinen Goldpartikel würden sich im Getränk auflösen und so ihrem Körper zugute kommen, erklärte Jutta Goetzmann.

Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte das Museum mehrere Goldrubingläser im Bestand. Museumsmitbegründer Paul Heiland hatte sie auf Auktionen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ersteigert. Doch seit 1945 sind alle bis auf einen Becher verschollen. Der einzige erhaltene Becher ist zudem so empfindlich - Kunsthistoriker sprechen von "Glaskrankheit", weil das Material instabil wird und langsam zerfällt - dass er nicht mehr gezeigt werden kann. "Das Glas steht im Archiv und wird nicht mehr angefasst", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, Uta Kaiser. Der nun durch die Fielmann-Stiftung erworbene Becher ist seit einigen Tagen in der Dauerausstellung zu sehen. Erstaunlich ist, dass er über eine derartig intensive Farbgebung und Stärke verfügt, dass er in seiner Vitrine neben weiteren Gläsern zunächst gar nicht gläsern wirkt. Gezeigt wird er gemeinsam mit weiteren Highlights der Glassammlung des Potsdam Museums und zwei Dauerleihgaben aus dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale).


Ölgemälde eines unbekannten Künstlers zeigt Marmoralais im Neuen Garten

Ebenfalls überreicht wurde ein Ölgemälde eine unbekannten Künstlers, der sein Werk mit "CW" signiert hat. Das Bild zeigt das Marmorpalais im Neuen Garten um 1790 und lässt sich aufgrund der Architektur gut datieren. Entstanden sei es vermutlich nach einer Radierung, die aber nicht im Besitz des Museums ist, erklärte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Uta Kaiser, die die beiden Werke für das Museum ausgewählt hat. Im Vordergrund führen zwei Personen quasi in die Szene ein, zur damaligen Zeit eine durchaus gebräuchliche Arbeitsweise. Interessant ist aber auch der Hintergrund: Dort erscheint der noch recht kahle Pfingstberg, damals aufgrund des an seinem Fuß gelegenen jüdischen Friedhofs noch "Judenberg" genannt, ohne Belvedere, denn das Aussichtsschloss wurde erst rund 60 Jahre später errichtet. Außerdem zu sehen ist eine Gondel, die der Leiter der Potsdamer Fielmann-Filiale, Johannes Haerkötter, als Besitz von Kunckel vermutet. Das Bild wird die Vedutensammlung des Museums vervollständigen, in der das Marmorpalais bislang unterrepräsentiert ist, betonte Goetzmann.

Glas sei für einen Optiker immer von großem Interesse, betonte Haerkötter weiter. Kein Wunder also, dass er sich sehr für Kunckel interessiert und sich mit der Entstehungsgeschichte des Glases in besonderem Maß auseinandergesetzt hat. Für die Fielmann-Stiftung war es jedoch nicht die erste Zusammenarbeit mit dem Museum: In den Jahren 2009 und 2010 sind bereits eine KPM-Vase und eine impressionistische Landschaftsmalerei übergeben worden. Und es wird auch nicht die letzte sein, wie Haerkötter nachdrücklich bestätigte. Firmengründer Günther Fielmann habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Stiftung gern weitere Wünsche des Museums entgegennehmen und erfüllen werde. Ziel sei es, besonderes kleinere Museen zu unterstützen, die mit wenig öffentlicher Förderung auskommen müssen. Denn gerade diese sind auf Drittmittel angewiesen, um ihre Sammlungen auf- und auszubauen.  sg


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