Amerikanische Truppen durchqueren Brandenburg

Amerikanische Truppen durchqueren Brandenburg

Us-Colonel William S. Galbraith (links) und der Chef des Bundeswehr-Landeskommandos Brandenburg, Oberst Olaf Detlefsen, haben den Verlauf der Truppenbewegungen in Brandenburg vorgestellt. Foto: Sabine Gottschalk

Soldaten wünschen sich Unterstützung aus der Bevölkerung

Potsdam/Geltow. Bald rollen sie wieder auf Brandenburgs Autobahnen: Im Rahmen der Nato-Operation "Atlantic Resolve" und der alle zwei Jahre durchgeführten Übung "Saber Strike" (Säbelschlag) werden rund 20.000 Angehörige der US- und anderer Streitkräfte nach Polen und in die baltischen Staaten verlegt. 2050 Fahrzeuge werden dafür durch Brandenburg Richtung Osten fahren, allerdings in kleinen Konvois von maximal 20 Kraftfahrzeugen mit nur etwa zwei Personen Besetzung. Panzer und schweres Gerät werden mit der Bahn transportiert, die meisten Soldaten sollen eingeflogen werden.

Neben Verlegungen von bereits in Kaiserslautern und Bayern stationierten US-Soldaten kommen auch amerikanische Truppen aus Italien hinzu. Zudem werden am 23. Mai im belgischen Antwerpen drei Transportschiffe mit 3.500 US-Soldaten samt kompletter Ausrüstung erwartet, die ebenfalls nach Polen verlegt werden. Ein Teil von ihnen wird die unter dem Namen "Atlantic Resolve" dauerhaft unter anderem in Polen aber auch im Baltikum, Rumänien und Bulgarien stationierten Truppen ablösen – sie werden zu Übungszwecken alle neun Monate ausgewechselt. Das Manöver "Saber Strike" hingegen soll Ende Juni abgeschlossen sein.

Nachdem es im vergangenen Jahr Proteste gegen amerikanische Truppenbewegungen gegeben hatte, verspricht die US-Armee diesmal Transparenz. Kommunikation sei der Schlüssel zur Akzeptanz der Transporte durch die Bevölkerung, sagte der zuständige Colonel William S. Galbraith am Dienstag in Geltow. Gemeinsam mit dem Chef des Bundeswehr-Landeskommandos Brandenburg, Oberst Olaf Detlefsen, hat der Colonel die Operation in der Henning-von-Tresckow-Kaserne, dem Standort des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, vor Journalisten vorgestellt. Denn seit der Wende hat sich Brandenburg stark entmilitarisiert, an Militärkonvois ist man hierzulande nicht mehr gewöhnt.

Aufrüstung nach Annexion der Krim

Das änderten erst die Annexion der Krim durch Russland und die Kämpfe in der Ostukraine. Seitdem stellt Russland in den Augen der östlichen EU-Länder eine reale Bedrohung dar. Die Stationierung russischer Iskander-Raketen in Kaliningrad, die atomar bestückbar sind und die deutsche Hauptstadtregion erreichen könnten, soll laut Galbraith nicht Anlass für die Übungen sein, die zwischen Ende Mai und Ende Juni in den nördlichen Gebieten Polens sowie in Litauen, Lettland und Estland stattfinden werden.

Wichtig sei hingegen die traditionelle Verpflichtung der USA gegenüber Europa. Das sei auf den beiden Nato-Gipfeln in Wales 2014 und in Warschau 2016 noch unter der Obama-Regierung bestätigt worden, erklärte Galbraith. In der Folge wurden die Truppenstationierungen und Manöver an der Ostgrenze der EU beschlossen, weil auf der russischen Seite ebenfalls aufgerüstet wurde.

Für den Transport über Brandenburger Autobahnen nach Frankfurt (Oder) würden sich die Amerikaner über Unterstützung durch die Bevölkerung freuen. In Polen wurden sie beim letzten Mal mit Freude begrüßt, während ihnen bei einem Halt auf dem Truppenübungsplatz Lehnin nur Protest begegnete. Selbst die Landesregierung sprach sich gegen Transport und Stationierung aus und schickte auch diesmal keine Vertreter zur Informations-Pressekonferenz, obwohl sie eingeladen war. Man halte sämtliche Landräte und Behörden auf dem Laufenden und spreche genau ab, wann bestimmte Strecken genutzt werden, so Galbraith mit dem Hinweis, dass ein Transport in Litauen mit Rücksicht auf ein gleichzeitig stattfindendes Jazzfest verschoben worden sei.  sg

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