Historische Blutbuche im Park Babelsberg durch Jungbaum ersetzt

Historische Blutbuche im Park Babelsberg durch Jungbaum ersetzt

Der Geschäftsführer und Parkdirektor der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, Cord Panning, pflanzt mit dem Gartendirektor der SPSG, Professor Michael Rohde, und dem Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Gert Streidt die junge Blutbuche auf dem Bowlinggreen im Park Babelsberg (von links). Foto: SPSG | Frank Kallensee

Neue Blutbuche stammt von Pücklerschem Baum aus Bad Muskau ab

Potsdam. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat in dieser Woche die Blutbuche auf dem Bowlinggreen vor dem Schloss Babelsberg durch einen jungen Baum ersetzt. Wegen akuter Bruchgefährdung war der historische Vorgänger an diesem Ort im vergangenen Jahr, ausgerechnet zur Pückler-Ausstellung, weiträumig abgesperrt worden und musste im Februar dieses Jahres gefällt werden. Damit wird die wesentlich von Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) geprägte Geschichte des Parks Babelsberg fortgeschrieben.

Pücklersche Gartengeschichte trägt der Jungbaum auch buchstäblich in seinen Genen. Es handelt sich um eine Vermehrung der großen Blutbuche vor dem Bad Muskauer Schloss. Den Mutterbaum ließ Pückler 1826 als Großbaum aus dem Park des Herrenhauses in Groß Schacksdorf südlich von Forst verpflanzen. Als mächtiger Solitär stand er an der Rampe des Bad Muskauer Schlosses, bis er vor etwa zehn Jahren seine Altersgrenze erreichte. Rechtzeitig vor dem Absterben des Altbaumes beauftragte die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau Vermehrungen des originalen Baumes. Die dabei gewonnenen jungen Blutbuchen sind mittlerweile in verschiedenen Pücklerschen Parkanlagen gepflanzt worden. Nun wird einer der Jungbäume auch auf dem Babelsberg gedeihen.

Die Nachzucht hat bereits eine Werbetour in Sachen Pücklerscher Gartenkunst hinter sich. Wie der unternehmungslustige Gartenfürst selbst, ist auch die junge Blutbuche weit gereist und hat dabei sogar erstaunliche Höhen erklommen: 2016 wurde sie für vier Monate auf dem Dach der Bonner Bundeskunsthalle präsentiert, wo im Rahmen der großen Pückler-Ausstellung "Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler in Muskau, Babelsberg und Branitz" ein Pücklerscher Beispielgarten erblühte. Seitdem hat der Baum in der Babelsberger Parkgärtnerei auf seine neue Bestimmung gewartet.


Eine Lücke wird geschlossen

Mit der Neupflanzung wird jene schmerzliche Lücke im künstlerischen Raumgefüge des Babelsberger Landschaftsgartens wieder geschlossen, die der alte Originalbaum nach seinem Absterben hinterließ. Die Blutbuche besetzt als Solitärbaum mit ihrer besonderen Laubfarbe einen exponierten Standort auf dem Bowlinggreen genannten und sich zur Havel hinabsenkenden Rasenhang unmittelbar vor dem Schloss Babelsberg. Für die Aussichten aus dem Schloss und von den Schlossterrassen in die Havellandschaft bildet sie den Mittelgrund des von Pückler künstlerisch komponierten Parkgefüges und verleiht dem Bild räumliche Tiefe.

Nach der dendrochronologischen Auswertung der Jahresringe konnte die gefällte Babelsberger Blutbuche auf ein Alter von 166 Jahren bestimmt werden. Damit fällt die Pflanzung in das Jahr 1851 und folglich die Phase, in der Pückler die Geschicke der Babelsberger Parkgestaltung lenkte.

Pückler schätzte die ganzjährig dunkel belaubten Blutbuchen außerordentlich und pflanzte sie gern an besonderen Stellen in seinen Parks. Der Muskauer Garteninspektor und spätere Gartendirektor Eduard Petzold (1815-1891) lobte den Baum ebenfalls in den höchsten Tönen: "Ein prächtiger Baum, der jetzt sehr bekannt und durch die Gärten von ganz Deutschland, England, Frankreich etc. verbreitet ist […] Die Belaubung dieser Buche ist von prächtig dunkel-purpurrother, fast schwarzrrother Färbung und bildet daher neben fast allen anderen, namentlich helllaubigen Gehölzen, einen auffälligen Contrast."


Fruchtbarer Austausch

Seit 1961 stand die Babelsberger Blutbuche im innerdeutschen Grenzgebiet, eingesperrt zwischen den Grenzzäunen am Havelufer und vor dem Schloss Babelsberg. Eine fest installierte Hunde-Laufanlage führte unmittelbar am Baum vorbei. Mit dem Rückbau der Grenzanlagen nach 1989/90 und der Rekonstruktion zerstörter Hangpartien rückte der Park Babelsberg ins Zentrum des Unesco-Welterbes Potsdam-Berliner Kulturlandschaft und die Blutbuche konnte nochmals für fast 30 Jahre bewundernde Blicke auf sich ziehen.

In den vergangenen Jahren zeigte der Altbaum jedoch erhebliche Schadsymptome, trieb zuletzt nur noch einseitig aus und musste immer wieder massiv eingekürzt werden. Der Baum hatte schließlich seine Altersgrenze erreicht. Dass seine Stelle nun eine originale Nachzucht des Pücklerschen Schwesterbaumes einnimmt, ist ein hoffnungsvolles Zeichen für die Kontinuität und den Fortbestand des Babelsberger Gartendenkmals. Zugleich ist die Pflanzung auch eine Bestätigung der engen Kooperation und den fruchtbaren Austausch zwischen den Institutionen, die heute das Pücklersche Gartenerbe bewahren.

So unterstützte die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz 2017 die Ausstellung "Pückler. Babelsberg" mit Leihgaben wie beispielsweise dem Nachbau eines Pücklerschen Großbaumverpflanzwagens, der den Vorplatz des Schlosses Babelsberg zierte. Weitere Exponate, wie etwa den originalen Aufruf Pücklers "An die Muskauer Bürger", steuerte die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau bei. Flankierend zur Babelsberger Ausstellung brachte eine Fachtagung Pückler-Experten in Branitz und Potsdam zusammen und eine gemeinsam erarbeitete Wanderausstellung über die Pückler-Parks reiste bis nach London. Mit der Blutbuche kann nun ein ganz praktisches Ergebnis der Zusammenarbeit in wahrhaft aussichtsreicher Lage Wurzeln schlagen.  red/sg

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