Bürger aus Waldstadt weiterhin gegen Pläne für Schulcampus

Bürger aus Waldstadt weiterhin gegen Pläne für Schulcampus

Der "Synergien im Wald" genannte Vorentwurf lässt zwar viel Platz für das die Schulen umgebende Grün, doch Anwohner befürchten ein zunehmendes Verkehrs- und Lärmchaos. Repro: Sabine Gottschalk

Langjährige Bewohner sehen ihre Rechte beschnitten

Etwas auf Krawall gebürstet waren einige Bewohner der Waldstadt II am Donnerstagabend. Ihrem Unmut machten sie Luft, indem sie sich mit keinem der beiden Vorentwürfe einverstanden erklärten, was an den roten Punkten deutlich zu erkennen ist. Eine Mitarbeiterin der Stadt nahm die Meinung der Bürger auf. Foto: Sabine Gottschalk

Potsdam. Die Waldstädter sind und bleiben Verfechter der Natur vor ihrer Haustür. Das wurde am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung mehr als deutlich. Die Stadtverwaltung hatte die Bewohner der Waldstadt II ins Humboldt-Gymnasium eingeladen, um die zurzeit favorisierten ersten Vorplanungen im Detail vorzustellen und kam mit zwei sehr unterschiedlichen Varianten. Der Entwurf "Urbaner Wald" sieht eine großflächige Bebauung entlang der Bahn vor, bei dem sich Gesamt- und Förderschule in langestreckten Riegeln gegenüberstehen und von einer doppelstöckigen Turnhalle an der Tramwendeschleife begrenzt werden. In südwestlicher Richtung würden zwei große Sportplätze, ein Rasen- und ein Kunstrasenplatz mit Tribünen nordöstlich der Stadtgrenze gebaut. Dem Namen entsprechend ist der Wald bei dieser Variante tatsächlich nur noch urban.

Der Entwurf "Synergien im Wald" lässt dem Grün weitaus mehr Platz und orientiert sich zum Teil am Neubau des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) auf dem Telegrafenberg. Auch dort wurde mitten in den Wald gebaut ohne großflächig roden zu müssen. Bei dieser Variante würden die Gesamtschule und die Turnhalle mit Parkdeck direkt an die Tram-Wendeschleife verlegt und hätte ihren eigenen Zugang von der Heinrich-Mann-Allee. Lediglich die Förderschule und die südwestlich, in diesem Fall direkt an der Stadtgrenze liegenden Sportplätze müssten über den Caputher Heuweg erschlossen werden. Rasen- und Kunstrasenplatz würden in ansteigendes Gelände hineingebaut, woraus man sich auch einen gewissen Lärmschutz erhofft. Problematisch bei diesem Entwurf, der auch von dem Grünen-Stadtverordneten Uwe Fröhlich als gut bezeichnet wurde, ist die Zufahrt mitten durch das Wohngebiet, die von den Anwohnern strikt abgelehnt wird.


Gegen jede Bebauung des Waldes


Eines stand am Donnerstagabend sofort fest: Die gut gefüllte Mensa des Gymnasiums sprach sich einstimmig gegen jede Bebauung des Waldstücks zwischen der Siedlung Waldstadt II und den Gleisen der Wetzlarer Bahn aus. Daran konnte auch die erläuternde Einführung des Baudezernenten Bernd Rubelt nichts ändern. Der im Jahr 2014 erarbeitete und inzwischen bereits überholte Schulentwicklungsplan sieht den Bau von 13 neuen Schulen vor, für die über das Stadtgebiet verteilt nach Standorten gesucht wird. Nur drei von ihnen sind bereits im Bau: die Grundschule Bornim, die Grundschule in der Roten Kaserne Ost am Bornstedter Feld und die neue Gesamtschule in der Gargarinstraße am Stern. Weitere Standorte entstehen in Krampnitz, wo zurzeit eine Grund- und eine weiterführende Schule geplant sind. Insgesamt brauche die Stadt nach derzeitigen demografischen Berechnungen jedoch sechs neue weiterführende Schulen - das sind entweder Gesamtschulen oder Gymnasien - betonte Rubelt.

Hinzu kommt ein Mangel an Sportstätten sowohl für den Breitensport als auch für Wettkämpfe, der zusammen mit den Schulneubauten behoben werden soll. Auch ohne die Bebauung der Babelsberger "Sandscholle", wo eventuell eine neue Grundschule entstehen soll, wenn sie nicht neben dem Filmpark gebaut wird, fehlen laut Rubelt rund fünf Hektar Sportflächen in der Stadt.


Umsetzung dauert acht bis zehn Jahre


Für die Umsetzung dieser vorausschauenden Planungen wird eine Zeit von acht bis zehn Jahren angesetzt. Wichtig sei die Anbindung an den öffentlichentlichen Nahverkehr, so der Baudezernent, da Schüler ab der 7. Klasse in der Regel nicht mehr mit dem Auto bis vor das Schultor chauffiert werden. Dies sei in Waldstadt in besonderem Maß gegeben, denn hier ist nicht nur ein Endpunkt der Tram, sondern auch der Bahnhof Rehbrücke sowie Bushaltestellen in unmittelbarer Nähe.

Für die anwesenden Bewohner der an das Planungsgebiet angrenzenden Straßen sind das jedoch keine schlagkräftigen Argumente. Die Rodung des Waldes in einem Naturschutzgebiet bedeutet für viele den Beginn einer Entwicklung, die am Abend sogar mit der Abholzung des Urwalds am Amazonas verglichen wurde. Wenn erst einmal Bäume fallen, ist bald gar kein Wald mehr da, waren sich die Zuhörer einig. Zudem sei die Verkehrssituation schon jetzt unhaltbar, denn seit dem Bezug des Neubaus der Mittelbrandenburgischen Sparkasse seien trotz des MBS-eigenen Parkhauses die angrenzenden Straßen ständig zugeparkt, beklagten die Anwohner. Eine Zufahrt zu Schulen und Sportstätten mitten durch das Wohngebiet sei für sie deshalb undenkbar und werde nicht akzeptiert.


Nur ein Alternativstandort wird weiter geprüft


Auf vorgeschlagene Alternativstandorte wie etwa das sogenannte Brunnenviertel nördlich der Heinrich-Mann-Allee oder das Spezialbaugelände auf der Rehbrücker Seite der Bahnlinie wollten die Vertreter der Stadtverwaltung nicht weiter eingehen. Das Brunnenviertel sei ein Mischgebiet für Wohnen, Sport - dort hat der Tennisclub Rot-Weiß erst im vergangenen Jahr sein neues Quartier bezogen - und vor allem Gewerbe, dessen Ansiedlungen ebenfalls unterstützt werden müssten, da in der wachsenden Stadt schließlich auch Arbeitsplätze benötigt würden, so Rubelt.

Auf dem Spezialbaugelände in Rehbrücke, das bereits zur Gemeinde Nuthetal gehört, wäre der Schulbau in Absprache mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark zwar vielleicht möglich, jedoch ist auch hier zurzeit ein Gewerbegebiet. Auf dem Gelände, das früher Sitz des "Spezialbau" genannten Betriebs war, der Anlagen für die Sowjetunion in der DDR errichtete, steht seit 1990 ein mittlerweile leerstehender Baumarkt. Die Gemeinde befürwortet dort die Errichtung eines neuen Marktes, die bislang aber an fehlenden Genehmigungen für den Vorgängerbau scheitert. Die Lage der Brache wäre für einen Schul- und Sportstandort ideal, da sie sich nur wenige Minuten vom Bahnhof Rehbrücke entfernt befindet.

Ein weiterer, auch von der neu gegründeten Bürgerinitiative "Bürger für Waldstadt" vorgeschlagener Standort, ist die Kulturbodendeponie für Komposterde an der Wetzlarer Bahn zwischen Nuthe und Drewitzer Straße. Dort gibt es eine große Freifläche, auf der nur vereinzelte Bäume stehen. Dieses Gelände werde weiter geprüft, hieß es am Donnerstagabend von der Stadt. Für einen Zugang müsste aber wohl zunächst die Wetzlarer Straße entlang der Bahnlinie weitergebaut werden, da es keine direkte Anbindung an den ÖPNV oder das öffentliche Straßennetz gibt.

In jedem Fall will die Stadt vorausschauender bauen als es in der Vergangenheit geschehen ist. Nicht nur beim Schulentwicklungsplan von 2014, sondern auch bei den Sportstätten müsse einiges aufgeholt werden, hieß es von der Bauverwaltung. Für die Bewohner der Waldstadt II ist das jedoch kein Argument: Im Humboldt-Gymnasium zeigte sich deutlich, dass viele von ihnen grundsätzlich kein Interesse an einer wachsenden Stadt haben und auch keinen weiteren Wohnungsbau in Potsdam befürworten. Da nützt auch die auf Umwelt- und Naturschutz bedachte Arbeit der Bürgerinitiative "Bürger für Waldstadt" wenig. sg


Die Bürgerinitiative "Bürger für Waldstadt" freut sich über Unterstützung für den Erhalt der Natur.

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