Neuer Gesundheits-Cluster in der Region

Neuer Gesundheits-Cluster in der Region

In der Orthopädietechnik ist zwar immer noch das meiste Handarbeit, aber Henry Kniesche (l.) hat bereits Pläne, die Anpassungsprozesse für Korsetts und Orthesen durch den Einsatz von Computertechnik zu optimieren. Dafür sucht er noch Mitarbeiter mit entsprechendem Know-how. Foto: Sabine Gottschalk

Kampagne "Mehr Zukunft" zeigt erste Erfolge

Potsdam / Beelitz. Mobile Gesundheitsanwendungen werden immer populärer. Das sind nicht nur die Schrittzähler, Pulsmesser und Ernärungsberater auf der Smartwatch, sondern mittlerweile auch Apps, die Langzeitpatienten nach schweren Krankheiten und längeren Reha-Aufenthalten das Leben erleichtern sollen.

Entwickelt werden diese Hilfsmittel meist von jungen Start-ups, für die ihre Geschäftsidee oft der erste Schritt auf den Markt ist. Damit möglichst viele Patienten von der Entwicklung profitiren können, braucht es finanzstarke Partner beziehungsweise die Unterstützung der Krankenkassen, und vor allem eine gute Vernetzung. Genau die soll mit der Kampagne "Mehr Zukunft Potsdam / Potsdam-Mittelmark" geschaffen werden, die seit 2016 von der Landeshauptstadt gemeinsam mit dem Landkreis erarbeitet wird. Ziel ist es, den Biotech- und Gesundheitsstandort zu erweitern und zu einem bundesweit anerkannten Health Cluster auszubauen. Am Mittwoch haben die Wirtschaftsförderer der Region eine erste Bilanz in Beelitz-Heilstätten gezogen.

In und um Potsdam arbeiten zurzeit 140 Unternehmen in medizintechnischen und biotechnischen Bereichen, zu Beginn der Kampagne vor zweieinhalb Jahren waren es noch 20 weniger. Vernetzt werden sollen sie nicht nur untereinander, sondern vor allem auch mit den ansässigen Kliniken, die die neuesten Entwicklungen direkt vor Ort in der Praxis testen können. Nur so ist eine optimale Anpassung an den realen Bedarf der Patienten gegeben. Um die Angebote möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, ist in den meisten Fällen die Aufnahme in den Leistungskatalog der Krankenkassen notwendig. Dazu müssen die e-Health-Entwicklungen marktreif gemacht werden, ein Gebiet, auf das sich eine Tochtergesellschaft der Recura-Kliniken in Beelitz-Heilstätten spezialisiert hat.

Die "Bridgeneers" unterstützen die Entwickler auf dem oft steinigen Weg in den ersten Gesundheitsmarkt, nachdem die Hilfsmittel zuvor in Zusammenarbeit mit den Kliniken von den Start-ups für Patienten und Markt optimiert wurden. Am Ende profitieren nicht nur Kliniken, Entwickler und Betroffene von den neuen Anwendungen, auch die Kosten lassen sich so begrenzen, da Patienten nach ihrer Entlassung zuhause ganz einfach weiter betreut werden können. Als Beispiel nannte die Geschäftsführerin der Bridgeneers, Kerstin Drescher, eine App, die an Parkinson Erkrankte nach der Rückkehr in die eigenen vier Wände die Weiterbehandlung durch die Therapeuten ermöglicht, die sie während einer langen Reha in der Klinik betreut haben. Dazu wird dem Patienten ein Tablet mit dem entsprechenden Programm zur Verfügung gestellt, über das er regelmäßig Kontakt mit der Klinik aufnehmen kann. Die App ist zurzeit in der Erprobungsphase in Beelitz.

Auch Henry Kniesche, Geschäftsführer des Babelsberger Unternehmens Kniesche Orthopädietechnik, das ein traditioneller Handwerksbetrieb mit jahrzehntelanger Erfolgsgeschichte ist, sieht die Zukunft in der IT-Technik. Seit längerem entwickelt er Ideen, um seine exakt auf jeden Patienten abgestimmten Hilfsmittel mithilfe von Computerprogrammen zu optimieren. Eingesetzt wird bereits ein digitales Messverfahren, das den Patienten das langwierige und unangenehme Eingipsen zur Formabnahme beispielsweise bei Skoliose erspart. Mit diesem Verfahren können Korsetts milimetergenau an den Körper angepasst werden.

Mehr digitales Know-how erhoffen sich die zurzeit an der Kampagne beteiligten 40 Unternehmen auch durch den neuen Master-Studiengang Digital Health, den die Uni Potsdam gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut aufbaut, um die dringend benötigten IT-Spezialisten im medizinischen Bereich auszubilden. sg


Weitere Informationen zur Kampagne gibt es auf www.mehr-innovation.info.

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