Erster Potsdamer Kuratorenpreis geht an nigerianischen Künstler

Erster Potsdamer Kuratorenpreis geht an nigerianischen Künstler

Die Landeshauptstadt vergibt erstmals den Potsdamer Kuratorenpreis mit einem neuen Residenzprigramm. Foto: sg

Folakunle Oshun will Potsdamer Stadtgeschichte mit der Gegenwart konfrontieren

Potsdam. Der nigerianische Künstler Folakunle Oshun erhält den ersten Potsdamer Kuratorenpreis, der im Zusammenhang mit dem neuen Residenzprogramm von der Landeshauptstadt vergeben wird. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und mit einer Einladung nach Potsdam verbunden. Er wird im Rahmen eines Einladungswettbewerbs vergeben und soll herausragenden internationalen Nachwuchskuratorinnen und -kuratoren die Gelegenheit zu einer intensiven Recherche geben, um anschließend Projekte zu entwickeln, die sich über den Kunstbetrieb hinaus an die lokale Stadtgesellschaft richten.

Der 1984 geborene Folakunle Oshun blickt bereits auf eine facettenreiche kuratorische Praxis zurück. Nach dem Studium der Bildenden Kunst (Skulptur) und der Kunstgeschichte an der Universität von Lagos kuratiert er derzeit die erste Lagos Biennale. Seine Arbeitsweise bezieht häufig Improvisation und Zufall mit ein und inszeniert lokale Kollaborationsprozesse. Mit einem solchen Projektansatz hat er sich auch für den Potsdamer Kuratorenpreis beworben. Die Jury hat dabei besonders sein Interesse hervorgehoben, Räume außerhalb klassischer Ausstellungssituationen zu bespielen und mit spielerischer Offenheit auf die Einwohner Potsdams zuzugehen.

Oshuns prämiertes Projektvorhaben besteht im Einzelnen darin, die Potsdamer Stadtgeschichte mit der unmittelbaren Gegenwart zu konfrontieren. So will er etwa Einwohner der Stadt im Umfeld lokaler Denkmäler ansprechen und um Interviews bitten. Ausgehend von diesen spontanen Begegnungen plant er, Ausstellungen in privaten Wohnräumen zu kuratieren und dort zu Abendgesellschaften einzuladen. Vom privaten Fotoalbum bis zum Tischgespräch entwickelt sich auf diese Weise eine Vielzahl sozialer Prozesse, aus denen abschließend eine öffentliche Ausstellung entsteht.

In der Begründung der Jury heißt es: "In Zeiten, in denen es wieder vermehrt zu kulturellen Abgrenzungsversuchen kommt, überzeugt Folakunle Oshun mit einem Programm spielerischer Grenzüberschreitung, in der gewohnte Selbstbilder herausgefordert, die Geschichte sich spontan mit dem Privaten mischt und aus einem Moment der Überraschung ganz ungewohnte Kollaborationen entstehen können. Damit zeigt er nicht nur kuratorische Kreativität, sondern erinnert uns auch daran, dass Kunst ein Experiment und Abenteuer ist. Seine Projekte sind auch eine konstruktive, ermutigende Kritik an der verbreiteten institutionellen Ausstellungspraxis."

Der achtköpfigen Fachjury unter dem Vorsitz von Gerrit Gohlke (Künstlerischer Direktor, Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V.) gehörten Katja Aßmann (Direktorin, Zentrum für Kunst und Öffentlichen Raum Schloss Biesdorf), Siegfried Dittler (Geschäftsführer, Kunstraum c/o Waschhaus Potsdam gGmbH), Professor Christian Jankowski (Künstler und Kurator der Manifesta 11), Bettina Klein (Berliner Künstlerprogramm des DAAD), Ulrike Kremeier (Direktorin, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus / Frankfurt (Oder)), Dr. Ortrud Westheider (Direktorin, Museum Barberini Potsdam) und Prof. Beatrice von Bismarck (Professorin für Kunstgeschichte und Bildwissenschaft, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) an.


Stadt und Land haben den Auswahlprozess begleitet


Stadt und Land begleiteten den Auswahlprozess beratend durch den Abteilungsleiter Kultur, Reiner Walleser, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und die Fachbereichsleiterin Kultur und Museum, Dr. Birgit-Katharine Seemann, der Landeshauptstadt Potsdam. Die Jury traf ihre Auswahl nach der Vorentscheidung einer Berufungskommission, die in einem Nominierungsverfahren herausragende internationale Nachwuchskuratorinnen und -kuratoren vorschlug. Mitglieder der Kommission waren international renommierte Expertinnen und Experten für kuratorische Forschung und Praxis.

Das experimentelle Pilotprojekt Curators in Residence Potsdam ist eine gemeinsame Initiative der Landeshauptstadt Potsdam mit diversen Kunstakteuren sowie der Arbeitsgemeinschaft Gegenwartskunst in Potsdam und wird zusätzlich gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Ziel ist es, internationale kuratorische Praxis mit lokaler Relevanz nach Potsdam zu bringen und ausgehend von diversen Formen Bildender Kunst einen Austausch unter anderem zu den Themen Identität und Lokalität anzustoßen. Begleitet wird der Ende November 2017 beginnende Aufenthalt des Gastkurators Oshun von Gerrit Gohlke, dem künstlerischen Direktor des Brandenburgischen Kunstvereins Potsdam und ausgehend vom Residenzort der dreimonatigen Recherche - dem Kulturareal Schiffbauergasse - vom Geschäftsführer des Kunstraums und Waschhauses Potsdam, Siegfried Dittler. Eine finale Ausstellung wird danach vom Gastkurator Oshun bis November 2018 in der Landeshauptstadt Potsdam realisiert.  red / sg

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