Sechs Fragen an Manja Schüle, SPD

Sechs Fragen an Manja Schüle, SPD

Manja Schüle (SPD) möchte das Direktmandat für den Wahlkreis 61 gewinnen. Foto: ugw

Direktkandidatin im Brandenburger Wahlkreis 61

Potsdam. Unsere Vorstellung der Bundestagskandidaten geht in die letzte Runde. Nun ist noch Manja Schüle an der Reihe. Die Direktkandidatin der SPD möchte die Nachfolge der langjährigen Bundestagsabgeordneten Andrea Wicklein antreten. Die 41-jährige Diplompolitologin ist in Frankfurt (Oder) als Tochter einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und arbeitet als Büroleiterin bei Bildungsminister Günter Baaske. Manja Schüle lebt mit ihrer Familie in Babelsberg. Sie antwortet auf Fragen von Sabine Gottschalk.

Blickpunkt: Mangelnde Bildungschancen machen vielen Menschen Sorgen. Was schlagen Sie zur Verbesserung vor?

Manja Schüle: Ich will, dass alle Kinder die Chancen bekommen, die ich hatte. Wir brauchen eine Nationale Bildungsallianz, die Bildung gebührenfrei von der Kita über die Ausbildung und das Erststudium bis zum Master oder zum Meister garantiert. Mit ihr will ich Schulen modernisieren und in den Ausbau von Ganztagsschulen investieren. Wir haben in Brandenburg das Schüler-Bafög eingeführt, von dem Tausende Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Abitur profitieren. Wir wollen, dass unser Schüler-Bafög in der ganzen Republik Schule macht.

Blickpunkt: Sicherheit ist das Thema der Stunde. Einbruchsdelikte, aber auch Angriffe auf Leib und Leben bereiten Sorgen. Wie kann die Gefahr gebannt werden?

Manja Schüle: Oberste Aufgabe des Staates ist der Schutz seiner Bürger. Die Fehler, die bei Anis Amrigemacht wurden, dürfen sich nicht wiederholen. Um das Vertrauen der Bürger zu stärken, brauchen wir eine gut ausgestattete Polizei. Ich setze auf 15. 000 neue Stellen bei der Polizei in Bund und Ländern. Bei der Terrorismusabwehr brauchen wir nicht nur eine nationale Antwort sondern etwas auf europäischer Ebene. Eine konsequentere Strafverfolgung muss ermöglicht werden. Aber auch ganz ehrlich, wir müssen wieder zu einem Mehr an Miteinander in unserem Land kommen. Es ist gut zu wissen, wer neben mir wohnt, das ist gelebte Nachbarschaft.

Blickpunkt: In der Region ist bezahlbarer Wohnraum äußerst knapp. Gleichzeitig heißt es, die Auflagen seien zu hoch, um günstigen Wohnraum neu zu bauen. Was schlagen Sie vor?

Manja Schüle: Wir müssen uns darum kümmern, dass wir den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum decken können. Denn vor allem für die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ist es schwerer geworden. Aber in unserer Region muss die Verkäuferin genauso gut wohnen können wie der Manager. Deshalb müssen wir beim sozialen Wohnungsbau eine Kelle drauflegen und mehr Anreize für Bauherren schaffen. Ich setze mich dafür ein, dass die Modernisierungsumlage von derzeit elf Prozent auf acht Prozent abgesenkt und die Mietpreisbremse überarbeitet und damit auch wirksam wird.

Blickpunkt: Die Wetterkapriolen dieses Sommers sind Zeichen des Klimawandels. Was kann getan werden, um die Städte lebenswerter zu machen und gleichzeitig die Natur zu schützen?

Manja Schüle: Umweltschutz und Kampf gegen weiteren Klimawandel beginnt im privaten Leben durch Verzicht auf Plastiktüten und Kauf von regionalen Produkten. Wir müssen in allen Bereichen Maßnahmen ergreifen, um die Klimaziele zu erreichen. Sie müssen nachhaltig und sozial ausgewogen sein. Das sicherzustellen ist zentrale Aufgabe des Bundes und dafür möchte ich mich im Deutschen Bundestag einsetzen. Ein wichtiger Schritt ist auch die Angleichung der Netzentgelte.

Blickpunkt: Es gibt zu wenig Pflegekräfte und immer mehr Menschen haben Angst vor Altersarmut. Was ist zu tun?

Manja Schüle: Allein in Brandenburg brauchen wir 16.000 Menschen mehr in der Pflege. Die bekommen wir aber nur, wenn anständige Löhne gezahlt werden.Wir brauchen ganz dringend einen Tarifvertrag für die sozialen Berufe. Der Wettbewerb der Pflegeeinrichtungen muss über die Qualität geführt werden und nicht auf dem Rücken der Beschäftigten. Wir werden Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, nicht den verdienten Respekt verweigern. Das heißt für mich: verlässliche Leistungen für ein würdiges Leben im Alter. Wir garantieren ein Rentenniveau von mindestens 48 Prozent.

Blickpunkt: Sehen Sie im Zuzug Geflüchteter eine Chance für Brandenburg, den Fachkräftemangel zu bekämpfen?

Manja Schüle: Das Grundrecht auf Asyl darf nicht weiter eingeschränkt werden. Ein Baustein ist für mich ein Einwanderungsgesetz, auch um inhumane und sinnfreie Abschiebungen von bestens integrierten Zuwanderern zu beenden.


Alle Videointerviews mit den Kandidaten von SPD, Bündnis 90 / Die Grünen, Die Linke, FDP und AfD können Sie auf www.blickpunkt-brandenburg/wahl2017 in voller Länge abrufen.

Die Direktkandidatin der CDU im Wahlkreis 61, Saskia Ludwig, stand dem Blickpunkt trotz mehrfacher Anfragen nicht für ein Video-Interview zur Verfügung.

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