Energie aus 100 Prozent Wasserkraft

Energie aus 100 Prozent Wasserkraft

Hausgemachter Strom auf dem Dach der Potsdamer Feuerwache: André Gerstenberg von der EWP (l.) und Feuerwehrchef Wolfgang Hülsebeck inspizieren die Photovoltaikanlage. Foto: EWP

EWP stellt auf Ökostrom um und reduziert CO2-Emission auf Null

EWP-Interimschef Carsten Stäblein übergibt am Montag sein Amt an die neue Führungsspitze Sophia Eltrop und Ulf Altmann. Foto: sg

Potsdam. Ab Mitte des Jahres sollen alle Potsdamer Stadtwerke-Kunden Ökostrom beziehen. Sämtliche Lieferverträge werden kostenneutral auf Strom aus Wasserkraft umgestellt, teilte der scheidende Interims-Geschäftsführer der Energie und Wasser Potsdam (EWP), Carsten Stäblein, am Dienstag mit.

Soweit zur Theorie. Doch nur Kunden mit den auch heute schon existierenden Ökostromverträgen  werden fortan tatsächlich mit sauberem Strom aus der Region beliefert. Dafür fällt ein minimaler Aufschlag von 0,25 Cent pro Kilowattstunde an. Die Mehrkosten entsprechen aber bei einem Verbrauch von 2.000 Kilowatt pro Jahr nicht einmal dem Preis eines Abendessens, so Stäblein. Alternativ können diese Kunden aber auch in einen günstigeren Tarif wechseln.

Denn Strom aus Wasserkraft kann nur dort produziert werden, wo es viel Wasser in Form von Seen oder reißenden Flüssen und gleichzeitig Gebirge gibt und genau da liegt das Problem. In Brandenburg ist das ein schwieriges Unterfangen. Deshalb bezieht die EWP ihren Strom theoretisch aus Süddeutschland und Österreich. Da der Transport per Hochspannungsleitung über Hunderte von Kilometern aber nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch verlustreich ist, kommt zuhause aus der Steckdose nach wie vor die in der Heimat weniger ökologisch produzierte Energie aus Erdgas oder im schlimmsten Fall aus Braunkohle.

Sinnvoll sei die Operation trotzdem, betont Stäblein. Denn der österreichische Lieferant muss eine garantierte Menge Strom aus Wasserkraft produzieren, die er nur einmal verkaufen darf. Auf diese Weise will die EWP die globale Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen unterstützen, auch wenn das direkt vor der Haustür mit den derzeitigen Mitteln noch nicht möglich ist.


EEG-Umlage macht heimischen Öko-Strom zu teuer

Ob Ironie des Schicksals oder politische Posse, der Strom naheliegender Windräder sei heutzutage durch die Erneuerbare Energien (EEG) Umlage und Steuern teurer als die aus Erdgas gewonnene Energie, und könne deshalb nicht genutzt werden, bestätigt EWP-Vertriebsleiter Andreas Buchholz. Bereits jetzt ist der CO2-Ausstoß aus der Stromversorgung in Potsdam mit 96 Gramm pro Kilowattstunde recht niedrig, im deutschlandweiten Vergleich liegt er bei 476 Gramm. Mit der Umstellung ab 1. Juli könne die "Dekarbonisierung" aber komplett erfolgen, so Stäblein.

Mit der per Vertrag eingekauften Strommenge will die EWP sowohl Privat- als auch kleinere Gewerbekunden beliefern. Rund 13.000 Tonnen Kohlendioxid können auf diese Weise zusätzlich pro Jahr eingespart werden, das sind immerhin zehn Prozent des Anteils, der nach dem Potsdamer Klimaschutzkonzept durch die Energieversorgung reduziert werden soll. Eine völlige Klimaneutralität wird bis 2050 angestrebt. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen insgesamt um 95 Prozent gesenkt werden.

Wer sich für Klimaschutz und Regionalität entscheidet, bekommt nach der Umstellung nur noch Strom aus Quellen in nicht mehr als 50 Kilometer Entfernung seines Wohngebietes. Doch auch hier erfolgt die Lieferung nur auf theoretischer Basis, da alle Stromerzeuger ihre Produkte in einen großen Pool einspeisen, der dann für die Belieferung wieder angezapft wird. Lokale Betreiber von Biogas- und Photovoltaikanlagen werden aber finanziell gestärkt.

Eine komplette Versorgung aus der Region wird auch in näherer Zukunft nicht möglich sein, da weder die Sonneneinstrahlung ausreiche, noch eine Monokultur von Mais für Biogasanlagen erstrebenswert sei, so Stäblein. Bei der EWP gibt es noch eine weitere Veränderung: Nachdem die beiden ehemaligen Geschäftsführer Wilfried Böhme und Holger Neumann das Unternehmen nach Untreue-Vorwürfen im vergangenen Jahr verlassen mussten und durch eine Interimsgeschäftsführung ersetzt wurden, treten am Montag Sophia Eltrop und Ulf Altmann als neue Doppelspitze ihren Dienst an. Die 51-Jährige Volkswirtin Eltrop übernimmt die kaufmännische Leitung. Sie kommt von der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Howoge. Altmann war bei Gasversorgern tätig und übernimmt als Ingenieur die technische Leitung.  sg

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