Eichenprozessionsspinner muss auch 2017 bekämpft werden

Eichenprozessionsspinner muss auch 2017 bekämpft werden

Erster Einsatz von Hubschraubern zum Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner im Potsdamer Umland im Mai 2013 auf dem Landeplatz in Wildpark West. Foto: sg

Befall in Brandenburg deutlich zurückgegangen - Gefahr besteht jedoch weiter

Das in Brandenburg eingesetzte Bekämpfungsmittel Dipel ES wird vor dem Auftanken des Hubschraubers verdünnt. Foto: sg

Potsdam. Seit Jahren leidet Brandenburg unter dem sich auf lokaler Ebene massenhaft vermehrenden Eichenprozessionsspinner. Aus forstlicher Sicht sind neben den Unannehmlichkeiten für Waldbesucher die ökologischen und wirtschaftlichen Schäden an Eichen von Belang.

Um die seit Jahren in Brandenburg auftretenden Schadinsekten in seinen Hauptverbreitungsgebieten außerhalb von Siedlungsbereichen zu bekämpfen, hat der Landesbetrieb Forst Brandenburg inzwischen ein erhebliches Knowhow erworben - und zwar offenbar mit gewissem Erfolg. Fraßkartierungen für die Jahre 2015 und 2016 belegen einen erheblichen Rückgang der geschädigten Flächen, wie Forstminister Jörg Vogelsänger aktuell in Landtag auswerten konnte.

Waren im ersten Jahr der Fraßkartierung - im Jahr 2008 - landesweit 815 Hektar betroffen, so stieg die Schadfläche 2012 auf den Spitzenwert von 5.793 Hektar an. Dennoch belegen Untersuchungen in Brandenburg, dass die Eier des Spinners hochvital sind. Gegenspieler boder Feinde wie die Erzwespe, die Raupenfliege und den Puppenräuber, die zum Teil bereits in süddeutschen Regionen aktiv sind, sind in Berlin-Brandenburg bisher kaum vorhanden. Deswegen werden können sich die Schädlinge in Brandenburg zurzeit noch gut entwickeln und ein natürliches Ende der Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners ist bislang nicht in Sicht.

Eine Eindämmung der Population des Eichenprozessionsspinners wird nur dort erreicht, wo chemisch - bei großen Flächen aus der Luft - oder durch Absammeln bekämpft wird. Hierdurch ist es gelungen, dass die geschädigten Flächen 2015 auf 2.179 Hektar und 2016 auf 1.051 Hektar zurückgingen. Die für Brandenburg angegebene Flächen berücksichtigen nicht, dass die Hauptverbreitungsgebiete im Laufe der Jahre durch das Land "wandern": Aktuell sind besonders die nordwestlichen und westlichen Landkreise betroffen. Außerdem stellen die Forstleute eine Verbreitungstendenz nach Süden und Osten fest.


Befall dank Bekämpfungsmaßnahmen rückläufig - gespritzt wird weiter


Trotz des rückläufigen Befalls müssen auch in diesem Jahr Gegenmaßnahmen stattfinden. Die bisher vorliegenden Monitoring-Ergebnisse erfordern eine Bekämpfung auf 900 Hektar Wald und bei 22.000 Einzelbäumen. Im Landkreis Prignitz sind das 350 Hektar und 7.000 Einzelbäume, im Landkreis Ostprignitz-Ruppin 127 Hektar und 6.000 Einzelbäume und im Landkreis Havelland sind 220 Hektar betroffen. Insgesamt sind beim Landesbetrieb Forst Brandenburg 213 Hektar zu behandeln und beim Landesbetrieb Straßenwesen 10.000 Einzelbäume. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat vorsorglich Finanzmittel für eventuell notwendige Bekämpfungsmaßnahmen eingeplant.

Bekämpfungsmaßnahmen müssen unter Berücksichtigung der Wetterlage wie in den vergangenen Jahren nach dem Schlupf der Raupen im April und Mai erfolgen. Deutschlandweit laufen zurzeit mehrere Forschungsvorhaben, an denen auch Brandenburg beteiligt ist. Sie befassen sich mit Fragen der Populationsentwicklung und -dynamik, den Brennhaaren, der Entwicklung von neuen Monitoringverfahren, mit der Ursachenforschung, mit der Klimaabhängigkeit.


Verbreitungskontrolle durch Eigelegesuche


Die in Brandenburg jährlich durchgeführte Eigelegesuche ist Bestandteil der Kontrolle der Populationsentwicklung. Die Landesregierung hatte sich beim Bund dafür eingesetzt, dass mit Dipel ES ein umwelt- und gesundheitsverträgliches Mittel für die Bekämpfung des sich massiv ausbreitenden Eichenprozessionsspinners zur Verfügung steht. Damit wurde erstmals 2013 der Schädling in einer umfassenden Bekämpfungsaktion effektiv zurückgedrängt.

In den Jahren 2013 bis 2016 hat das Brandenburger Forstministerium 8,1 Millionen Euro für Bekämpfungsmaßnahmen bereitgestellt. In den vergangenen Jahren litten Menschen in den befallenen Gebieten immer wieder unter den Brennhaaren des Schadinsekts. Je öfter es zur Berührung mit den Brennhaaren der Eichenprozessionsspinnerraupen kommt, desto sensibler reagiert der Körper auf das darin enthaltene Gift. Im schlimmsten Fall rufen die Raupenhaare Bronchitis, asthmatische Beschwerden oder pseudoallergische Schockreaktionen hervor. red / sg

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