Dritter Lärmaktionsplan: Straßenlärm macht krank

Dritter Lärmaktionsplan: Straßenlärm macht krank

Die Grafik zeigt besondere Lärmbelastungen entlang der Hauptverkehrsachsen (hellrot) und an Bahngleisen (dunkelrot) im Potsdamer Stadtgebiet. Gelb markiert sind Gewerbegebiete, in denen jedoch keine große Belastung vorliegt. Quelle: SVU Dresden

Weitere Tempo-30-Zonen geplant

Potsdam. Lärm macht auf Dauer krank. Wo immer er vor allem nachts mehr als 55 bis 60 Dezibel erreicht, ist er sogar erwiesenermaßen gesundheitsschädlich. Dagegen will die Stadt mit dem kürzlich überarbeiteten, mittlerweile dritten Lärmaktionsplan seit den 1990er Jahren vorgehen.

Am Montag haben Lars Schmäh vom Bereich Umwelt und Natur und Andreas Olm vom Verkehrsmanagement der Landeshauptstadt die neuen Pläne vorgestellt. Vor allem der Straßenverkehr bereitet nicht nur für die Luftreinheit, sondern auch für die Lärmbelastung die größten Probleme. Eine Temporeduzierung auf 30 Stundenkilometer habe da schon sehr positive Auswirkungen, so Schmäh. Rund 14.000 Einwohner sind momentan von übermäßigem Straßenlärm in Potsdam betroffen. Das gilt für innerstädtische Bereiche wie die Charlottenstraße oder die Babelsberger Großbeerenstraße ebenso wie für kleine Ortsteile wie Grube oder Leest, die durch die Nähe zum Berliner Ring und die dortige Autobahnanbindung stark belastet sind.

Vor allem für die innerstädtischen Straßen soll nun ein Gutachten noch in diesem Jahr zeigen, in welchen Bereichen weitere Tempo-30-Zonen eingerichtet werden könnten. In der Zeppelinstraße hat die Geschwindigkeitsreduzierung laut Schmäh für 350 Anwohner bereits zu einer besseren Lebensqualität geführt. Insgesamt sind vom Straßenlärm jedoch rund 8.000 Potsdamer betroffen, beim noch deutlich lauteren Schienenverkehr der Bahn sind es etwa 5.000. Und auch die Tram ist zwar umweltfreundlich, aber nicht ganz unschuldig, wenn Potsdamer sich durch Lärm belästigt fühlen. Hier seien es vor allem die Kurvenfahrten, die Probleme bereiten, darum würden Fahrer der ViP regelmäßig geschult. Eine echte Besserung auf diesem Gebiet bringen aber nur Umbauten, wie beispielsweise im Bereich Hauptbahnhof - Heinrich-Mann-Allee - Leipziger Dreieck geplant. Auf der neuen Strecke zum Campus Jungfernsee werden die Straßenbahnschienen von vornherein in schalldämpfenden Rasen verlegt.

Einer besonders hohen Belastung seien die Bewohner am Platz der Einheit ausgesetzt, denn hier fahren sämtliche Tram-Linien entlang, so Schmäh. Viel befahrene Schienen sind einer starken Abnutzung ausgesetzt und müssen regelmäßig nachgeschliffen werden. Doch das kann den Lärm nur zu einem kleinen Teil mindern. Was für die Straße und die Tram gilt, gilt in noch größerem Maß für die Strecken der Deutschen Bahn. An Potsdams westlicher Stadtgrenze ist der Lärm weit über Felder und Wiesen zu hören, im dicht bebauten Babelsberg hingegen nur in den an die Bahn angrenzenden Straßen. Hier bilden die Häuser eine Barriere, die die Belastung für direkte Anrainer allerdings noch verschlimmert. Besonders deutlich zeige sich das bei Güterzügen, die mit den lautesten Radsystemen ausgestattet sind. Ein ICE hingegen habe schon heute sehr viel geräuschärmere Räder, sagte Schmäh. S- und Regionalbahn liegen dazwischen, aber immer noch im viel zu hohen Bereich. Auf der Prioritätenliste von Bahn und Bund liege Potsdam jedoch sehr weit hinten, so Schmäh, und Bahnlärm sei eben Bundeslärm.

Für einige Straßen, wie die Charlottenstraße, die Kastanienallee oder auch die Daimler-, die Großbeeren- und die Fritz-Zubeil-Straße in Babelsberg sollen noch in diesem Jahr Gutachten angefertigt werden, die die positiven Auswirkungen einer möglichen Temporeduzierung aufzeigen. Damit könnten noch 2017 oder spätestens Anfang 2018 weitere Tempo-30-Zonen im Stadtgebiet eingerichtet werden. Zuvor müssen jedoch die Stadtverordneten dem Lärmaktionsplan 2016 in ihrer Sitzung am 1. März zustimmen.  sg

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