Siedlung aus der Jungsteinzeit auf der Fahrländer Insel

Siedlung aus der Jungsteinzeit auf der Fahrländer Insel

Ein fast 4.000 Jahre alter Dolch, der in Fahrland gefunden wurde, zeugt von der uralten Siedlungsgeschichte im Potsdamer Stadtgebiet. Foto: LHP / Gundula Christl

Archäologen machen erstaunliche Entdeckungen in Baugruben

Archäologin Astrid Germo hat den fast 4.000 Jahre alten Feuersteindolch in der Baugrube auf der Fahrländer Insel entdeckt. Foto: LHP / Gundula Christl

Potsdam. In der Tschudistraße werden zurzeit die Spuren von Siedlungen aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Römischen Kaiserzeit freigelegt. Nachdem Archäologen der Unteren Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt Potsdam bei einer Baustellenkontrolle die ersten Funde entdeckten, hat die Wohnpark Immobiliengesellschaft als Grundstückseigentümerin ein Team der Archäologie Manufaktur unter der Leitung von Dr. Jonas Beran mit für den Neubau von Wohnhäusern und Tiefgarage notwendigen archäologischen Untersuchungen beauftragt.

Inzwischen sind etwa 350 archäologische Funde freigelegt und dokumentiert. Sie zeugen von einer intensiven Nutzung des Grundstücks in verschiedenen ur- und frühgeschichtlichen Zeitperioden. Die durch einen Kanaldurchstich 1904 zur Insel gewordene frühere Landzunge zwischen Weißem See, Jungfernsee und Lehnitzsee, wo im 19. Jahrhundert Biergartenbesucher die schöne Landschaft genossen und von der aus man gegenüberliegende Ufer günstig erreichen konnte, war wohl schon vor Jahrtausenden ein attraktiver Platz zum Wohnen.

Zu den besonderen Funden zählt ein fast 4.000 Jahre alter Feuersteindolch der Aunjetitzer Kultur der frühen Bronzezeit, der in einer Siedlungsgrube zurückgelassen worden war. Feuersteingeräte und Scherben belegen jedoch noch ältere Siedlungsperioden in der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur etwa im dritten Viertel des vierten Jahrtausends vor Christus und in der späten Jungsteinzeit um 2.500 vor Christus. Ein Grubenhaus ist wahrscheinlich Teil eines germanischen Gehöftes aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert neuzeitlicher Rechnung und steht vielleicht mit der über fünf Jahrhunderte existierenden germanischen Siedlung in weniger als 500 Meter Entfernung in Verbindung, die 2012 bis 2014 am Campus Jungfernsee untersucht wurde. 

Mit jedem neuen archäologischen Fund und jeder Ausgrabung wächst das Wissen über die interessante und vielfältige ur- und frühgeschichtliche Besiedlung im Potsdamer Stadtgebiet. Nicht immer ist vor der Bebauung eines Grundstückes bekannt, dass sich im Boden archäologische Funde erhalten haben. Die zahlreichen Ausgrabungen in Potsdam in den letzten 20 Jahren haben gezeigt, dass vor allem entlang der Havelufer noch mit Überraschungen und vielen neuen Erkenntnissen zu rechnen ist.  red / sg

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