Kampf gegen häusliche Gewalt

Kampf gegen häusliche Gewalt

Die Psychologin Katrin Buschmann vom Ludwigsfelder Frauenhaus hat die Ausstellung initiiert. Foto: sg

Rosa-Rot: Nur nicht die Augen verschließen

Vor dem Bildungsforum hat zur Eröffnung am Freitag ein Ausstellungsbus über die bundesweiten Finanzierungsprobleme der Frauenhäuser informiert. Foto: sg

Potsdam. In Deutschland ist jede vierte Frau häuslicher Gewalt durch Ehemänner oder Partner ausgesetzt. Auch wenn nicht gleich geschlagen wird, genügt psychologischer Druck oft, um Frauen und damit auch ihre Kinder in Angst zu versetzen. Meist trauen sie sich dann nicht mehr, um Hilfe von außen zu bitten oder Unterschlupf in einem Frauenhaus zu suchen.

Auf die bedrückende Situation weist jetzt eine Ausstellung im Bildungsforum hin. Sie zeigt die fatale Hoffnungslosigkeit vieler Betroffener auf und verdeutlicht, wie wichtig die Anteilnahme von Nachbarn, Freunden und Familie ist. Denn ist die Spirale erst einmal angekurbelt, haben nicht nur die gedemütigten und oft körperlich schwer verletzten Frauen kaum eine Möglichkeit, sich allein aus der Situation zu befreien, auch die Kinder leiden mit und kopieren im schlimmsten Fall das Verhalten ihrer Eltern wenn sie selbst erwachsen sind.

Gemeinsam mit Frauenministerin Diana Golze ruft das Netzwerk brandenburgischer Frauenhäuser deshalb dazu auf, Augen und Ohren nicht zu verschließen, wenn in der Nachbarschaft Hinweise auf Misshandlungen auftreten. Man könne eben nicht alles durch die "rosa Brille" sehen. Lieber einmal mehr nach dem vermeintlichen Ei fragen, das zum Backen fehlt, als über deutliche Signale hinwegsehen, rät Catrin Seeger vom Rathenower Frauenhaus.

Die Idee zur Ausstellung stammt von der Psychologin Katrin Buschmann, die unter anderem Frauen im Ludwigsfelder Frauenhaus berät. Sie konnte eine Reihe Fernsehkriminalisten und Sportlerinnen gewinnen, die die Texte der Ausstellung eingesprochen haben. Besucher können die Aufnahmen per QR-Code abrufen.

Zu der ohnehin latenten Gewalt ist in den vergangenen Jahren ein weiteres Problem hinzugekommen: Geflüchtete Frauen sind mehr und mehr den Aggressionen in Sammelunterkünften ausgesetzt, wo sie meist in der Minderheit sind. Nach zahlreichen Gewalterfahrungen im Herkunftsland und während der Flucht geht für einige von ihnen die Bedrohung auch im vermeintlich sicheren Deutschland weiter. Auch sie können Schutz in Frauenhäusern finden.

Seit 40 Jahren bieten Frauenhäuser in den alten Bundesländern gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern Schutz vor körperlicher, sexueller und psychologischer Gewalt im eigenen Umfeld. Nach der Wende sind im Osten Deutschlands weitere hinzu gekommen. In Brandenburg bestehen sie seit mittlerweile 20 Jahren. Doch fast alle Frauenhäuser sind bis heute von Finanzierungsschwierigkeiten und Platznot betroffen. Eine gesetzliche Grundlage zu ihrer Finanzierung fehlt seit ihrer Entstehung bundesweit.  sg


Ausstellung "Rosa-Rot" im Erdgeschoss des Bildungsforums Potsdam, Platz der Einheit, bis zum 2. April. Öffnungszeiten Mo 15 - 19 Uhr, Di bis Fr 10 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr.

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