Filmland Brandenburg - Filmemacher fordern bessere Unterstützung vom Bund

Filmland Brandenburg - Filmemacher fordern bessere Unterstützung vom Bund

Brendan Gleeson und Emma Thompson spielen ein Ehepaar in „Jeder stirbt für sich allein“, das im Zweiten Weltkrieg Widerstand leistet. Foto: Marcel Hartmann / X-Filme

Brandenburgs Berlinale-Filme vorgestellt / Filmindustrie fordertz mehr Einsatz vom Bund

Stefan Arndt, Albrecht Gerber, Kirsten Niehuus und Carl Woebcken (v.l.) beim Berlinale-Gespräch.Foto: RiB

Potsdam. Ein Filmstar nach dem anderen läuft über den roten Teppich. Aber das rücksichtslose Gedränge und lautstarke Geschrei nimmt nochmals zu, als George Clooney mit Ehefrau erscheint. Wenn sich in Berlin derart die Stars tummeln, ist klar: Es ist Berlinale-Zeit.

Am Donnerstag wurde die 66. Auflage der Filmfestspiele in Berlin offiziell eröffnet. Und mit dabei sind auch 17 Produktionen, die vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert wurden, zwei davon laufen sogar im Wettbewerb: „Jeder stirbt für sich allein“ von Vincent Perez und „Soy Nero“ von Rafi Pitts.
Die Situation des Films in Brandenburg wurde auf Einladung des Wirtschaftsministers Albrecht Gerber am Dienstag in der Potsdamer Staatskanzlei erörtert.

Besonders erfreut ist Gerber über die sechsfache Oscarnominierung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies“, der vom Studio Babelsberg produziert und vom Medienboard gefördert wurde. Namensgeber - und neben Tom  Hanks einer der Hauptdarsteller - ist dabei die Glienicker Brücke. Aber auch ganz Brandenburg wird von Fernseh- und Filmmachern immer mehr geschätzt - von der Prignitz bis zur Lausitz. In Potsdam-Mittelmark wurden im vergangenen Jahr acht Kinofilme unter anderem „A Cure for Wellness“, „The Lake“, „Timm Thaler“ und „Tschick“  sowie  15 Fernsehproduktionen gedreht.

„Die Film-Hauptstadtregion boomt“, frohlockt die Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus. Sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich sei 2015 ein Rekordjahr gewesen. Dabei habe Brandenburg Berlin als Standort Nummer 1 mittlerweile lange abgelöst. Tatsächlich sind die Zahlen, die sie am Dienstag bei der Berlinale-Pressekonferenz in der Potsdamer Staatskanzlei verkündete, beeindruckend: 25, 6 Millionen gab ihr Unternehmen 2015 für Filmförderung aus. 4.700 Tage wurde in Berlin und Brandenburg gedreht. Dabei erreichten vom Medienboard geförderte Filme 71 Prozent aller Kinobesucher. Alleine mit „Fack Ju Göhte 2“, „Honig im Kopf“, „Er ist wieder da“, Traumfrauen“ und „Der Nanny“ wurde ein Millionenpublikum erreicht.

Vier Oscars 2015, gute Chancen auch in diesem Jahr


Vier Oscars sahnte der vom Studio Babelsberg produzierte Film „Grand Budapest Hotel“ ab - in diesem Jahr gibt es  ähnliche Chancen für Steven Spielbergs deutsche Geschichtsstunde auf der
Glienicker Brücke. Auch im Allgemeinen habe sich der deutsche Film emanzipiert, meint Filmproduzent Stefan Arndt. „Mittlerweile kommen die weltbesten Regisseure mit den besten Schauspielern nach Deutschland, um deutsche Geschichten zu erzählen“, so der Chef von X-Filme. Sein Film „Jeder stirbt für sich allein“ mit Brendan Gleeson, Emma Thompson und Daniel Brühl in den Hauptrollen, der ins Rennen um die Goldenen Bären geht, sei ebenso ein deutsches Thema nach dem Bestseller von Hans Fallada, das unter anderem im Landkreis Barnim gedreht wurde.

Auf jeden Fall muss der Bund mehr machen, um den deutschen Film weiter zu unterstützen, sagt nicht nur Arndt, sondern auch Wirtschaftsminister Gerber und der Chef der Babelsberg Studios, Carl Woebcken. „Der Kampf um die Fördertöpfe auf Bundesebene werde immer größer. Das Land Brandenburg habe zwar die Mittel aufgestockt und versuche die Bedingungen zu verbessern, aber auf Bundesebene müsse mehr passieren. Auch wenn die deutsche Filmförderung einst mustergültig und beispielhaft für viele Länder war, ist sie heute längst überholt, so Woebcken. Auch angesichts der großen Anstrengungen, die Italien und Frankreich zuletzt unternommen haben, um die steuerlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. „Deutschland muss nachlegen“, fordert der Studio-Chef.

Insgesamt war Woebcken allerdings mit dem letzten Jahr zufrieden und schaut auch positiv auf 2016. Derzeit entsteht in den Babelsberger Produktionshallen die amerikanische Spionageserie „Berlin Station“. Ab Mai will Regisseur Tom Tykwer in Babelsberg die Serie „Babylon Berlin“ drehen. Die Krimiserie wird von Stefan Arndt produziert und soll in der neuen Außenkulisse auf dem Babelsberger Filmgelände, der „Neuen Berliner Straße“, gedreht werden, die für zwölf Millionen Euro gebaut wird und bald drehfertig sein soll.    Viel verraten wollte Arndt noch nicht. Nur, dass es einen großartigen Charme Berliner Straßen, produziert in Babelsberg, geben werde.

Auch 2016 gibt es also viel Potenzial, um die aktuelle Erfolgsgeschichte im Filmland Brandenburg weiterzuschreiben.  RiB

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