Potsdam bleibt Spitze im Vergleich der Hauptstädte

Potsdam bleibt Spitze im Vergleich der Hauptstädte

Der Tourismus ist einer von vielen Bereichen, in denen Potsdam im Vergleich der Landeshauptstädte besonders gut abschnitt. /Archiv

Statistischer Jahresbericht der Landeshauptstädte vorgestellt

Potsdam.

Oberbürgermeistter Jann Jakobs hat am Mittwoch den Bericht zum statistischen Vergleich der Landeshauptstädte 2014 vorgestellt. Potsdam nimmt dabei einmal mehr eine herausragende Rolle ein. Der 20. Bericht verdeutliche, dass Potsdam im Vergleich mit den 16 Landeshauptstädte Deutschlands, und vor allem mit den fünf ostdeutschen Hauptstädten und Berlin, weiterhin eine sehr gute Entwicklung genommen habe, erklärte Jakobs. Besonders bei der Unterbringung von Kindern in Betreuungseinrichtungen und den neu gebauten Wohnungen (jeweils 1. Platz), bei der Geburtsrate, den Eheschließungen und Studierendenzahlen (jeweils 2. Platz) sowie dem Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (3. Platz) ist Potsdam bundesweit in der Spitzengruppe

Das Wachstum Potsdams ist seit 16 Jahren stabil. Ende 2014 lebten 163.668 Einwohner in der Landeshauptstadt. Damit hatte Potsdam 2.571 Einwohner mehr als vor einem Jahr - eine Steigerung um 1,6 Prozent und damit die zweitgrößte aller Hauptstädte nach München, das mit 1,8 Prozent an der Spitze steht. Derzeit leben 167.479 Einwohner in Potsdam. Es wirkt sich auch aus, dass 2015 die Zahl der ausländischen Einwohner um 1.239 Personen (davon 670 aus Europa) zugenommen hat, so dass nun 9.856 Ausländer in Potsdam leben Das entspricht einem Anteil von 5,3 Prozent - die höchste Quote der ostdeutschen Hauptstädte. Allerdings haben die westdeutschen Landeshauptstädte im Vergleich dazu deutlich mehr ausländische Einwohner. Hier liegt der Anteil zwischen 9,0 Prozent (Kiel) und 26,4 Prozent (München).

Potsdam zählt hinsichtlich des Durchschnittsalters zu den jüngeren Landeshauptstädten. Mit durchschnittlich 42,6 Jahren hat Potsdam das sechstniedrigste Durchschnittsalter aller Landeshauptstädte. Allerdings hat sich das Durchschnittsalter in Potsdam geringfügig um 0,1 Jahre erhöht, während in der Mehrzahl der Landeshauptstädte sich das Durchschnittsalter nicht veränderte. In Schwerin und Stuttgart sank es sogar.

Beste Kita-Betreuung und zweithöchste Geburtenrate

Potsdams Geburtenrate von 11,3 Geburten je 1.000 der Bevölkerung ist nach der von Dresden (11,6) und vor München (11,0) die zweithöchste aller betrachteten Städte. Da die Sterberate mit 9,4 Gestorbenen je 1.000 Einwohner im Vergleich einen mittleren Wert darstellt, hat Potsdam nach München und Dresden das drittgrößte natürliche Bevölkerungswachstum. Etwas mehr als die Hälfte aller Landeshauptstädte wuchs ebenfalls auch dadurch, dass mehr Kinder geboren wurden, als Einwohner starben. Die seit Jahren hohe Geburtenrate bewirkt, dass Potsdam anteilsmäßig mit 13,6 Prozent die größte Zahl an Kindern im Alter von unter 14 Jahren besitzt, gefolgt von Wiesbaden (13,0 Prozent) und Dresden (12,8 Prozent). Trotz dieser großen Kinderzahl hat Potsdam mit einer Besuchsquote von Kindern in der Kindertagesbetreuung von 68,9 Prozent die größte Besuchsquote für das Alter von 0 bis unter 14 Jahre, gefolgt von Dresden mit 65,8 Prozent.

Allen Hauptstädten ist gemein, dass in den letzten zehn Jahren seit 2003 der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter bedeutend gestiegen ist, im Osten stärker als im Westen. Bis auf Potsdam (19,7 Prozent) haben nun alle ostdeutschen Landeshauptstädte sowie Bremen in dieser Altersgruppe einen Anteil an der Bevölkerung, der über 21 Prozent liegt.

Seit dem Jahr 2000 hat Potsdam in der außerstädtischen Wanderung positive Salden zu verzeichnen. Dieser Trend setzte sich 2014 (10.815 Zuzüge, 8698 Wegzüge) fort. Der Wanderungsgewinn war mit 12,9 Personen bezogen auf 1.000 Einwohner der zweitgrößte räumliche Bevölkerungszuwachs aller Landeshauptstädte. Die meisten Zuzüge nach Potsdam kommen aus Berlin (21,7 Prozent aller Zuzüge), dem Potsdamer Umland (19,5 Prozent) und dem Ausland (18,4 Prozent). Alle Landeshauptstädte weisen wie 2013 Wanderungsgewinne aus.

Gute Beschäftigung, aber schlechtes BIP


Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Erwerbstätigen im Jahr 2012 war in den westdeutschen Hauptstädten deutlich größer als in den ostdeutschen. So war das Ergebnis von München oder Düsseldorf mit rund 82.700 Euro fast doppelt so groß, wie das von Potsdam mit 49.100 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen bis auf Kiel beim BIP alle anderen Landeshauptstädte eine positive Entwicklung. Die Beschäftigungssituation hat sich in allen Landeshauptstädten verbessert. Im Jahr 2014 hatte Kiel mit 3,8 Prozent die größte Steigerungsrate an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Potsdam mit 2,4 Prozent die viertgrößte relative Steigerung. In Potsdam arbeiteten somit ca. 78.700 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Mit einem Anteil von 39,1 Prozent an der Bevölkerung wohnen in Potsdam sehr viele Menschen, die in Beschäftigung sind. Diese Quote ist nach München (39,5 Prozent) und Stuttgart (39,2 Prozent) die drittgrößte Quote.

Potsdam ist die Landeshauptstadt, die unter allen Hauptstädten den kleinsten Beschäftigtenanteil im Verarbeitenden Gewerbe (2,3 Prozent) aber den größten Anteil im tertiären Sektor (92,4 Prozent) hat.  In den vier Wirtschaftszweigen Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (nach Magdeburg), Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung (nach Schwerin), Erziehung und Unterricht (nach Dresden) und Kunst, Unterhaltung und Erholung (nach Mainz) weist Potsdam im Ranking der Hauptstädte mit einem zweiten Platz beim Beschäftigtenanteil eine gute Situation aus. Dagegen ist dieser Anteil bei Handel und Kfz-Instandhaltung der zweitkleinste.

Nach wie vor existieren zwischen Ost und West große Unterschiede im Vorhandensein von Arbeitsplätzen. Im Baugewerbe, bei der Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen, in der Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung sowie bei Erziehung und Unterricht und in geringem Maße bei Kunst, Unterhaltung und Erholung waren die Beschäftigtenanteile in den ostdeutschen Hauptstädten tendenziell höher als in den westdeutschen Städten. Dagegen hatten die westdeutschen Hauptstädte höhere Beschäftigtenanteile im Verarbeitenden Gewerbe, bei Information und Kommunikation, bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern, nicht ganz so dominant im Handel und bei der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen.

Potsdam ist ein wichtiger Arbeitsstandort für das Umland und Berlin. Werden die ca. 44.600 Einpendler an den Beschäftigten des Arbeitsortes Potsdam (ca. 78.700) gemessen, wird deutlich, dass mit 57,1 Prozent weit über die Hälfte der Arbeitsplätze in Potsdam durch Einpendler in Anspruch genommen werden. Im Vergleich zu den anderen Landeshauptstädten ist dies der fünfthöchste Wert und unterstreicht die Bedeutung Potsdams als Arbeitsort für das Umland.

Andererseits hatte Potsdam mit einem Anteil von 29,1 Prozent Auspendler an den Einwohnern im erwerbsfähigen Alter den größten Auspendleranteil vor Mainz (25,6 Prozent) und Wiesbaden (24,3 Prozent). Es arbeiten also sehr viele Potsdamer außerhalb, z. B. in Berlin und im Umland.

Studentenstadt und Touristenmagnet



Die Arbeitslosenquote in Potsdam ist im Vergleich zum Vorjahr (2013) wie in fast allen Landeshauptstädten zurückgegangen. Potsdam hat nach wie vor unter den ostdeutschen Hauptstädten mit 6,7 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote am Jahresende. Nur München, Stuttgart und Mainz hatten 2014 eine geringere Arbeitslosigkeit. Hinsichtlich der kleinsten Quote an Arbeitslosengeld II-Empfängern je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter nahm Potsdam sogar den 4. Rang ein vor allen anderen ostdeutschen Landeshauptstädten nach München, Stuttgart und Mainz.

Hinsichtlich der Besuchsquoten von Kindern in Kindertagesbetreuungseinrichtungen haben die ostdeutschen Landeshauptstädte traditionell höhere Werte als die westdeutschen Hauptstädte. Auch hier hat Potsdam mit 68,9 Prozent die führende Besuchsquote bei Kindern unter 14 Jahre. In Potsdam studieren ca. 24.600 Jugendliche. Potsdam besitzt nach Mainz die zweithöchste Zahl an Studierenden (150 Studierende pro 1.000 Einwohner).

Niedrigste Kriminalität in Ostdeutschland


Der Tourismus entwickelte sich 2014 in den Landeshauptstädten weiterhin positiv. In allen Hauptstädten erhöhte sich die Anzahl der Gästeankünfte, in Potsdam um 3,2 Prozent auf 437.370 Gäste. Mit ca. 2.672 Gästen je 1.000 Einwohner liegt Potsdam im Mittelfeld der Städte. In der Gästebettenausstattung hat Potsdam mit 34 Betten je 1.000 Einwohner den 5. Platz im Ranking der Städte. Die Verweildauer der Touristen betrug in Potsdam durchschnittlich 2,4 Tage je Gast und war gemeinsam mit Berlin länger als in allen anderen Landeshauptstädten. Das heißt, dass Potsdam nicht nur für Tagesbesucher interessant ist, sondern auch für den Urlaubs- und Tagungstourismus.

Die Zahl der in den Hauptstädten erfassten Fälle krimineller Handlungen nahm in 11 der 16 Hauptstädte im Vergleich zum Vorjahr zu. In Potsdam ist die Anzahl der Fälle bezogen auf 1000 Einwohner auf 81 (Vorjahr 102) gefallen. Damit gehört Potsdam zu den Hauptstädten mit einer niedrigen Kriminalitätsrate, die niedrigste unter den ostdeutschen Hauptstädten. Hinsichtlich der Einzahlungen bzw. Einnahmen bei den Kommunalfinanzen existieren immer noch zwischen den ost- und westdeutschen Landeshauptstädten große Unterschiede. Dies wird insbesondere bei der Gewerbesteuer und der Einkommenssteuer deutlich.

Der Hauptstadtvergleich steht im Internet zur Verfügung und ist auch im Bereich Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt in gedruckter Form erhältlich. red



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