Kein Volksentscheid zur Garnisonkirche

Kein Volksentscheid zur Garnisonkirche

Stadtverordnete stimmen Bürgerbegehren zu

Potsdam. Potsdams Stadtverordnete haben auf ihrer Sondersitzung am Mittwochabend dem Volksbegehren zur Auflösung der Stiftung Garnisonkirche mit acht zu drei Stimmen und 28 Enthaltungen zugestimmt. Damit ist der von der Fraktion "Die Andere", die das Bürgerbegehren eingeleitet hatte angestrebte Volksentscheid abgewiesen. Ausgerechnet die Vertreter der Linken, die Initiator Lutz Boede und seine Mitstreiter unterstützen wollten, haben dafür gesorgt, dass zwar die Diskussion innerhalb der Stadtverordnetenversammlung wieder angeregt wird, eine breite öffentliche Meinungsäusserung aber nicht erwünscht ist. Oberbürgermeister Jann Jakobs ist nun beauftragt, gegen seinen Willen alle für die Stadt rechtlich zulässigen Möglichkeiten zu nutzen, um die Stiftung aufzulösen.

Einfach ist das nicht, denn die Stadt hat nur einen Sitz in dem elfköpfigen Kuratorium. Ob sie überhaupt über Rechtsmittel verfügt, die zur Auflösung der Stiftung führen können, will Jakobs bis zur nächsten Sitzung des Hauptausschusses am 27. August prüfen lassen und dann bekannt geben. In jedem Fall müsse die Sache noch einmal mit allen Beteiligten diskutiert werden, sagte Jakobs, denn die Debatten aus dem Jahr 2008 lägen mittlerweile viel zu lange zurück. Und wenn er Eines in seiner Amtszeit in Potsdam gelernt habe, dann sei es, dass Diskussionen möglichst schnell Taten folgen müssen, damit nicht alles im Sande verläuft.

Jakobs selbst gehört zu den Befürwortern des Wiederaufbaus der Kirche, die vor dem zweiten Weltkrieg die wichtigste Landmarke der preußischen Garnisonsstadt war. Statt der Militärkirche soll an derselben Stelle nach jetzigen Plänen ein Friedens- und Versöhnungszentrum stehen, das als evangelische Kirche genutzt wird. Das könnte, so trug die Grünen-Parlamentarien Saskia Hüneke vor, durchaus auch die Brüche in der Geschichte der Landeshauptstadt deutlich machen, beispielsweise durch eine Architektur der Gegensätze zwischen der ursprünglichen Barockfassade und modernen Elementen. Allerdings nur theoretisch - denn praktisch ist das nach der bereits vorliegenden Baugenehmigung nicht ohne weiteres umsetzbar.

Ohnehin ist die Stiftung noch weit von ihrem Ziel, den Wiederaufbau komplett finanzieren zu können, entfernt. Dafür sind 40 Millionen Euro veranschlagt, 12 Millionen will der Bund aus Steuermitteln beitragen. Der Rest rekrutiert sich aus Spenden. Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der Stiftung, erklärte am Mittwoch stolz, man habe die Hälfte bereits zusammen. Das allerdings wären bei einer Beteiligung des Bundes von 12 Millionen erst acht Millionen Spendengelder. Fehlen würden damit noch 20 Millionen, die sich bislang kein Großstifter einfach aus dem Ärmel schütteln will.  sg


Foto: Im Plenarsaal des Potsdamer Stadthauses fiel am Mittwochabend die Entscheidung gegen den Entscheid. / sg



Kommentar schreiben

comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder sind markiert mit*

Weitere Nachrichten aus Potsdam

Magdowski in Ruhestand verabschiedet
Potsdam

Magdowski in Ruhestand verabschiedet

Oberbürgermeister Jann Jakobs hat heute die Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport der Landeshauptstadt Potsdam, Dr. Iris Jana Magdowski, in den Ruhestand verabschiedet. Im Potsdam Museum...

Von Mehlwürmer-Hundefutter bis zum erfolgreichen 3-D-Studio
Potsdam

Von Mehlwürmer-Hundefutter bis zum erfolgreichen 3-D-Studio

Die Landeshauptstadt Potsdam mit dem Gründerforum Potsdam als regionales Netzwerk hat heute zum zehnten Mal zum Potsdamer GründerTag in die IHK Potsdam eingeladen. Der Tag bietet ein umfangreiches...

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci beendet
Potsdam

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci beendet

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci sind am gestrigen Sonntag mit dem „Sanssouci Prom Concert“ zu Ende gegangen. In den 16 Tagen zuvor spürten über 420 Künstler aus 23 Ländern den Verbindungen...

Täter nach dreifachem schweren Raub gefasst
Potsdam

Täter nach dreifachem schweren Raub gefasst

Am Samstagmorgen, kurz nach 5 Uhr, wurden im Patrizierweg Am Stern unabhängig voneinander drei Personen an drei Tatorten auf offener Straße überfallen. In einem Zeitraum von 11 Minuten wurden...

Beteiligte vereinbaren Vor-Ort-Termine im Konrad-Wolf-Park
Potsdam

Beteiligte vereinbaren Vor-Ort-Termine im Konrad-Wolf-Park

Am 22. Juni trafen sich bei einem Vor-Ort-Termin im Konrad-Wolf-Park in Drewitz Mitarbeitende der Stadtverwaltung Potsdam aus den Bereichen Stadterneuerung und Grünflächen mit Vertretern der...