Kein Mülldrehkreuz in der Fresdorfer Heide

Kein Mülldrehkreuz in der Fresdorfer Heide

Bereits jetzt recycelt die BZR auf dem Gelände der Kiesgrube Müll. Foto: R. Jacob

Einwände gegen die geplante Deponie im Wald können bis Ende Juni eingereicht werden

Dieser asphaltierte Weg führt nicht nur zum Flugplatz Saarmund, sondern auch zur Kiesgrube der BZR. Eigentlich darf er nicht öffentlich von Bauschutt-Zulieferern genutzt werden. Foto: sg

Michendorf. Volles Haus am Dienstagabend im großen Saal des Michendorfer Gemeindezentrums Apfelbaum: Rund 80 Interessierte kamen zur gemeinsamen Infoveranstaltung der Bürgerinitiative (BI) "Depo-Nie" und der Gemeinde zu den Plänen der Bauzuschlagstoffe und Recycling GmbH (BZR) in der Fresdorfer Heide.

Die BZR betreibt in dem Waldgebiet südlich des Flugplatzes Saarmund einen Kiesabbau sowie eine Recyclinganlage für Bauschutt. Der Tagebau soll nun vergrößert und für weitere 13 Jahre gesichert werden, obwohl die Renaturierung nach Aussagen der BI planmäßig bereits in den kommenden zwei Jahren beginnen sollte.

Für die Bewohner der angrenzenden Michendorfer Ortsteile Wildenbruch, Langerwisch und Fresdorf ist der Ausbau der Kiesgruben vor allem deshalb bedenklich, weil die BZR beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) den Antrag gestellt hat, im abgeräumten Tagebau eine Mülldeponie der Klasse 1 einzurichten. Das bedeutet, die Gruben sollen mit Restabfällen aus dem Hoch-, Tief- und Straßenbau verfüllt werden.

Dominic Becker von der BI erklärte, dass in Deponien der Klasse 1 aber auch andere Stoffe gelagert werden können, wie beispielsweise Schlacken aus Kraftwerken, Restabfälle aus der Müllverbrennung oder aus Klärwerken sowie Müll aus der Eisen-, Stahl-, Glas- oder Baustoffindustrie. Mitten im Naherholungsgebiet ist das für die Anrainer keine schöne Vorstellung. Eine Sicherheitsschicht soll zwar das Eindringen von Schmutzwasser aus der Deponie ins Grundwasser verhindern und dieses Wasser in spezielle Auffangbecken leiten, aus denen es dann abgepumpt werden müsste. Anwohner befürchten jedoch, dass die Schicht auf Dauer nicht hält und Abfallstoffe ins Grundwasser eindringen, das vom Wasserwerk Tremsdorf genutzt wird. Dann müssten sich Hunderte Haushalte auf verseuchtes Trinkwasser einstellen.

Den Nachbarn aus Michendorf und Nuthetal macht aber nicht nur die Wasserbelastung Sorgen. Sie sehen sich auch von zunehmendem Lkw-Verkehr bedroht, da die BZR ihren bisherigen zweiten Standort an der B2 in Potsdams Süden aufgibt und dann alles in Richtung Fresdorf fährt. Zudem hat die BZR selbst bereits Ende 2015 von einem deutlich höheren Lkw-Aufkommen zum Kiestransport gesprochen. Nicht geklärt sei in diesem Zusammenhang auch, wer die Kosten für die durch den zunehmenden Verkehr notwendigen Straßenreparaturen übernehmen soll. Zudem sehen Familien mit Kindern in dem Lkw-Verkehr eine deutliche Gefährdung ihres Nachwuchses.

Die Planunterlagen sind in der Bauverwaltung der Gemeinde Michendorf, Haus II, Poststraße 1, bis zum 12. Juni öffentlich ausgelegt. Potenziell Betroffene, das können auch Erholungssuchende aus anderen Teilen Deutschlands sein, können ihre Einwendungen bis zum 26. Juni beim LBGR, Inselstraße 26, 03046 Cottbus geltend machen oder sie bei der Gemeindeverwaltung, die die Proteste unterstützt, abgeben. Wichtig ist dabei, dass jeder Brief individuell geschrieben und keine Textbausteine verwendet werden, da die Einwände sonst abgewiesen werden können, erklärte Dominic Becker. Vorlagen schickt die BI auf Anfrage per Mail zu.  sg


Am Montag, denn 22. Mai, bietet die BI zwischen 17 und 19 Uhr eine Beratung im Bürgerhaus Wildenbruch an.
Infos und Kontakt unter www.depo-nie.de.

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