Drei Jahre nur rumsitzen

Drei Jahre nur rumsitzen

Flüchtlingskinder werden unterrichtet und sollen jetzt auch in die Lehre gehen können

Brück.

Wie die Integration mit Flüchtlingen in Schulen funktioniert, wollte Bildungsminister Günter Baaske an der Oberschule Brück wissen. 22 Asylkinder werden hier seit Oktober in zwei Gruppen, nach Anfängern und Fortgeschrittene unterrichtet. Die Kids, im Alter zwischen 13 und 17 Jahren,  stammen aus Afghanistan, Syrien und der russischen Förderation. „Die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Einige 13-Jährige sind auf dem Niveau von Grundschülern, während junge erwachsene Männer auf einen Übergang in die Lehre vorbereitet werden müssen“, erklärt Lehrerin Kirstin Kornfeld.


Hauptsächlich wird Deutsch unterrichtet, es findet aber auch Sport und Kunst statt. Unterstützung erhalten die beiden Pädagogen durch Rentner aus dem Landkreis. „Vielleicht können einige einen Abschluss machen. Den normalen Unterricht können sie aber nur mit der Wiederholung des Schuljahres machen“, berichtet die Pädogin.


Ausgestellt wird auch ein Zeugnis zum Arbeits- und Sozialverhalten. „Vieles ist nicht selbstverständlich. Auf das Zeugnis gab es ein positives Echo. Die Schüler wollen sich verbessern und öfter da sein.“ Damit erklärt Kirstin Kornfeld auch eines der größten Probleme: Die Schulpflicht. „Die Gründe, warum Kinder nicht zum Unterricht kommen, sind unterschiedlich. Zum Beispiel müssen einige Mädchen auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen, wenn die Eltern keine Zeit haben. Nur bleiben sie dann gleich bis zu einem Monat zu Hause oder vereisen einfach mal nach Berlin.“


Schüler berichten
Ein syrischer Schüler erzählt, dass er gerne zum Unterricht gehe. 15 Tage dauerte seine Flucht. Sein Vater studierte Ökonomie in Russland und seine Mutter ist Englischlehrerin. Günter Baaske erzählte dem Jungen, dass es ein Förderprogramm für Flüchtlinge mit pädagogischen Berufen gibt: „Sie können dann beispielsweise als Erzieher eingesetzt werden. Als Lehrer können sie aber nicht arbeiten, dazu ist die Ausbildung zu komplex.“


Ein syrisches Mädchen berichtet, dass sie Zahnärztin werden möchte. Die 16-Jährige stammt aus Damaskus. Ihr Vater studierte in China und die Mutter ist Physiklehrerin. Ein aus Tschetschenien  stammender Junge erklärt, dass er seit acht Monaten hier ist. Seine Eltern waren arbeitslos. Er will Fußballspieler werden und kickt auch schon beim FSV mit.


Von Kita bis Lehre
Eine neue Richtlinie soll Paten für Flüchtlinge bereitstellen, die bei der Ausbildung helfen. Für Günter Baaske ist es wichtig, dass die Schüler schon in der siebten Klasse eine Potenzialanalyse machen: „So wie das schon in Brück gemacht wird, soll es dann überall sein. Besonders am Gymnasium wissen viele Zehntklässler nicht, was sie beruflich machen wollen. Das ist erschreckend.“ Somit verwundert ihn auch nicht eine Abbrecherquote im ersten Lehrjahr von 30 Prozent. „Das ist ein starkes Indiz dafür, dass hier keine gute Vorbereitung stattfand.“


Damit auch die Asylbewerber auf dem Ausbildungsmarkt eine Chance haben, werden Kurse am OSZ angeboten. „Kein Ausbildungsbetrieb kann was mit einem Zeugnis aus Aleppo anfangen. Viele Jugendliche sind schon seit drei Jahren hier, haben einen Schulabschluss, aber nichts passiert“, so Baaske.


In Brück werden auch Kitaplätze angeboten, doch genutzt werden diese nicht. In Bad Belzig sieht das anders aus. Hier schicken alle Eltern ihre Kinder in die Kita.


Zahlen
An 462 öffentlichen allgemein bildenden Schulen wurden über 5.000 sogenannte einzugliedernde Kinder und Jugendliche unterrichtet. Davon sind 4.000 Flüchtlingskinder. Sie machen knapp 2,5 Prozent aller Schüler aus. Die meisten besuchen Grundschulen (3.451), gefolgt von Oberschulen (1.332), an Gymnasien waren es 82 Schüler. An Brandenburgs Schulen besteht somit ein wachsender Bedarf an Lehrkräften, die fremdsprachigen Kindern und Jugendlichen Sprachunterricht geben. Dafür lassen sich derzeit etwa 130 Lehrer in Ludwigsfelde qualifizieren. Der zusätzliche Bedarf wird für Brandenburg auf aktuell etwa 400 Lehrkräfte mit der Zusatzausbildung „Deutsch als Zweitsprache“ geschätzt. cwa

Foto: Ein syrischer Schüler erzählt Günter Baaske von seinem Unterricht. (cwa)

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