Vermutlich größtes Zugunglück der DDR in Beelitz nachgestellt

Vermutlich größtes Zugunglück der DDR in Beelitz nachgestellt

rbb drehte einen Beitrag für das Magazin "Theodor"

Beelitz. Das größte Zugunglück der DDR wurde am Dienstag am Bahnhof Elsholz nachgestellt. Das rbb-Fernsehen hat dort einen Beitrag für das Magazin "Theodor" gedreht.

Am Abend des 1. März 1962 war bei Trebbin ein Zug der Roten Armee entgleist, nachdem sich an einem der darauf befindlichen Panzer ein Kanonenrohr gelöst hatte. Es war herumgeschwenkt und von einem entgegen kommendem Personenzug mitgerissen worden. Die mit Soldaten besetzten Waggons wurden von den Gleisen gerissen und aufeinander geschoben. Der Unfall ist in der DDR totgeschwiegen worden. Die Dienstbücher der Feuerwehren sind im Nachhinein frisiert worden, Zeugen wurden zum Schweigen gezwungen. Nur von zwei zivilen Opfern wurde berichtet - und das auch nur sehr dürftig.

TV-Autor Bernd Herrmann konnte vor kurzem mit ehemaligen Schwesternschülerinnen sprechen, die die Unfallopfer im Krankenhaus Luckenwalde aufgenommen hatten. Auch einen früheren Eisenbahner, der beim Unglück vor Ort war, hat er vor die Kamera bekommen. "Diese Zeugen sprechen von 60 bis 80 Todesopfern ", sagt Bernd Herrmann. "Wenn diese Zahlen stimmen, ist es das größte Zugunglück der DDR-Geschichte gewesen." Bernd Herrmann war über Recherchen des Jüterboger Ortschronisten Henrik Schulze sowie Zeitzeugengespräche auf das Thema aufmerksam geworden.

Für die Dreharbeiten sind Mitglieder der Zauchwitzer und Beelitzer Ortswehren in alte Rote-Armee- und Feuerwehr-Uniformen geschlüpft. Zwei Kameradinnen wurden mit historischen Schwesternuniformen ausgestattet. Die Erstversorgung der Verwundeten wurde am Bahnhof Elsholz nachgestellt. Die Aufnahme ins Krankenhaus Luckenwalde wurde im Beelitzer Ärztehaus inszeniert.

Gesendet wird der Beitrag zum Thema "Erste Hilfe" am 9. März im Heimatmagazin "Theodor".  Von Einigen der bei dem Zugunglück Getöteten gibt es bis heute Spuren. Als die Beelitzer Steinmetz GmbH vor einigen Jahren Grabsteine auf dem Friedhof in der Michendorfer Chaussee in Potsdam restaurierte, stießen die Handwerker auf 15 Soldatengräber mit dem selben Todesdatum - dem 1. März 1962. Auch dies hatte Herrmann dazu angeregt, einen Beitrag über das Unglück zu drehen.  red / sg


Fotos: Nachgestellte Szenen am Bahnhof Elsholz (oben) und im Beelitzer Ärztehaus (rechts). / rbb

Kommentar schreiben

comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder sind markiert mit*

Weitere Nachrichten aus Potsdam-Mittelmark

RAW-Halle wird Digital Hub
Potsdam

RAW-Halle wird Digital Hub

Der Berliner Projektentwickler Trockland will mit internationalen Investoren einen zentralen Ort der digitalen Transformation auf dem Potsdamer RAW-Gelände errichten. Das neue Zentrum in der Nähe des...

Investitionen in die Infrastruktur: Bauen für die Zukunft
Potsdam

Investitionen in die Infrastruktur: Bauen für die Zukunft

In der wachsenden Stadt muss mehr Geld in die Infrastruktur fließen. Der Haushalt müsse auf Investitionen ausgerichtet werden, sagte Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt am Montag vor Journalisten....