Landkreis sammelt Ideen für Integrationskonzept

An die 100 Akteure aus Kommunalpolitik, von Wohlfahrtsverbänden, Vereinen, Willkommensinitiativen und Behörden haben am Freitag auf der Burg Beskow gemeinsam mit der Verwaltung des Landkreises Oder-Spree Herausforderungen aber auch Chancen erörtert, die mit der deutlich angestiegenen Zahl von Flüchtlingen verbunden sind. Foto: LOS

Beeskow.

Bildung und Begegnung waren zwei Worte, die am Freitag auf der Burg Beeskow zu den meistgebrauchten gehörten. An die 100 Akteure aus Kommunalpolitik, von Wohlfahrtsverbänden, Vereinen, Willkommensinitiativen und Behörden haben gemeinsam mit der Verwaltung des Landkreises Oder-Spree Herausforderungen aber auch Chancen erörtert, die mit der deutlich angestiegenen Zahl von Flüchtlingen verbunden sind. Die aus dem Erfahrungsschatz der Teilnehmer formulierten Ziele und Rahmenbedingungen sollen in das Integrationskonzept des Landkreises Oder-Spree einfließen, mit dessen Erarbeitung der Kreistag die Verwaltung beauftragt hat.

Etwas mehr als 1.600 Frauen, Männer und Kinder, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, haben die Kommunen in Oder-Spree im Jahr 2015 aufgenommen, die meisten von ihnen sind erst in der zweiten Jahreshälfte hier angekommen. Wie die Zahlen sich in diesem Jahr entwickeln werden, sei schwer vorhersehbar, sagte Dezernent Rolf Lindemann, der die Stabsstelle Flüchtlingsintegration der Kreisverwaltung leitet. Ausstehende Entscheidungen über eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in Europa, zur Einführung einer Residenzpflicht oder zum Familiennachzug erschwerten eine seriöse Prognose. Wenn die angeschobenen Projekte der Kreisverwaltung umgesetzt seien, könne der Landkreis 2016 auf Unterbrin-gungsmöglichkeiten in Gemeinschaftsunterkünften im Umfang von ungefähr 1.200 Plätzen zurückgreifen. Zudem sollen noch einmal etwa 300 Wohnungen in Fürstenwalde, Storkow und vor allem in Eisenhüttenstadt für Flüchtlinge angemietet werden. Unter dem Aspekt der Eingliederung seien Wohnungen die Vorzugsvariante. „Hier gehört Begegnung zum Alltag“, nennt Rolf Lindemann als deutlichen Vorteil.

In den Diskussionen, die zu den Themenfeldern soziale Integration und Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe, Kinder und Jugendliche, Qualifizierung und Arbeitsmarkt geführt wurden, zeigte sich, dass ein Schlüssel für ein gelingendes Miteinander darin liegt, mit Toleranz aufeinander zuzugehen. Gute Beispiele dafür gibt es im Landkreis unter anderem mit dem Integrationsnetzwerk in Fürstenwalde, der Initiative „Bunte Hände Beeskow“ oder dem Engagement von Sportvereinen. Gegenüber Großstädten biete eine Region wie Oder-Spree mit ihren überschaubaren lokalen Strukturen durchaus Vorteile für die Integration, sagte Ahmed Al-Jabiri vom Bumerang e.V. Beeskow: „In einer kleineren Stadt ist die Betreuung viel intensiver. Der Einzelne bekommt mehr Hilfe.“ Thomas Thieme vom Caritasverband mahnte, die Frage „Was wollen die Flüchtlinge?“ nicht aus den Augen zu verlieren. Die Herausforderungen, vor denen Träger und Landkreise stehen, verglich Lars Dittner, Geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werkes Oderland-Spree mit einem Marathonlauf.

Unstrittig war im Meinungsaustausch an den acht runden Tischen der besondere Stellenwert, den das Erlernen der deutschen Sprache für die dauerhafte Integration hat. Gefordert wurde von vielen Akteuren ein breit gefächertes und nachhaltiges Angebot in diesem Bereich. Fragen, auf die es Antworten zu finden gelte, seien die gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen und Frauen an Sprachkursen oder wie es gelingen kann, dem nicht unerheblichen Anteil von Analphabeten unter den Migranten, Zugang zu Bildungsangeboten zu ermöglichen.

Vielstimmig formuliert wurde in den Diskussionsrunden das Bedürfnis der Akteure, die sich in den Städten und Gemeinden für Flüchtlinge engagieren, mehr Möglichkeiten für Erfahrungsaustausch und Weiterbildung zu bekommen. Ein Schritt zu ihrer besseren Vernetzung war die vierstündige Ideenkonferenz. „Vor allem aber haben wir jede Menge Input bekommen, den wir jetzt in ein strukturiertes Konzept einfließen lassen“, zieht Katja Kaiser von der Stabsstelle Flüchtlingsintegration der Kreisverwaltung eine erste Bilanz. In den kommenden Wochen werden die vorhandenen Überlegungen und neuen Anregungen im Entwurf für das Integrationskonzept gebündelt. Dann folgte die Debatte darüber in den Ausschüssen des Kreistages.

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