„Abartige Maßnahme“

Altstadt-Poller: Demo vor der Sitzung der Stadtverordneten

Selten war die Sitzung von Strausbergs Stadtverordneten so gut besucht. Foto: D. Fink

Strausberg.

Eine beachtliche Menschentraube empfing am 8. Februar die Strausberger Stadtverordneten vor dem Volkshaus in der Prötzeler Chaussee. Mit Plakaten und Transparenten wurde gegen die weitere Pollerung von 8 bis 19 Uhr der Großen Straße in der Altstadt lautstark protestiert. Mit dem Beschluss der Stadtverordneten zur Sperrung vor der Buchhandlung etwa in der Mitte der Einkaufsmeile wurde einmal mehr der Versuch gestartet,  den Verkehrsfluss zu beruhigen.
Der Gewerbeverein läuft Sturm gegen den Polle
r. Neben erheblichen Umsatzverlusten beklagen die Händler eine Verlagerung der Verkehrs in Buchhorst und Georg-Kurtze-Straße und eine erhebliche Verkehrsbelastung durch irritierte und umkehrende Kraftfahrer. Der Verein mit dem Stadtverordneten Thomas Frenzel an der Spitze fordert mal eben die sofortige Aufhebung der Sperrung sowie die rasche Erstellung eines Verkehrskonzeptes für die Innenstadt.

Nach der Demo belegten die Gegner der Pollerung sämtliche Sitzplätze im geräumigen Volkshaus, von denen einige in der Einwohnerfragestunde dann auch das Wort ergriffen. 

„Jede Minute, in der der Poller steht, sorgt für Schaden“, sagte Klaus Kretschmer. Die Pollerung sei ein abartige, schildbürgerähnliche Maßnahme. Die Altstadt sei das Herz von Strausberg, und das müsse schlagen, meinte Karin Otte und Falco Micklich wollte wissen, was verwaltungs- beziehungsweise beschlussmäßig der schnellste Weg sei, die Pollerung aufzuheben.

Christel Kneppenberg (SPD) verteidigte derweil weiterhin die Intention ihres Ortsverbandes, die Große Straße zur Fußgängerzone zu machen. „Die Große Straße wird ohne Fußgängerzone nicht attraktiv“, sagte sie. Und: „Wenn um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist das nicht zeitgemäß“. Mit der jetzigen Lösung sei sie allerdings auch nicht glücklich.

Auch Daniel Krebs (CDU), Vorsitzender des zeitweiligen Ausschusses zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Altstadt, merkte an, dass der Poller nicht die beste Lösung sein könne. Er hat eine weitere Gesprächsrunde für den 2. März angekündigt. Nach der Protestaktion und den widersprüchlichen Wortmeldungen auf allen Seiten könnte es tatsächlich gut sein, dass der Poller alsbald wieder demontiert wird: Daniel Krebs bat die Bürgermeisterin, „die Regelung jetzt erstmal unverzüglich aufzuheben“.      

Wie es scheint, hat die Stadt noch ganz andere Baustellen zu bedienen. Neben den Gegnern der Sperrung machte auch die Bürgerinitiative Naturraum Ost auf ihre Interessen aufmerksam, Eltern von Kindern der Kita „Wirbelwind“ machten ihrer Befürchtung Luft, dass der städtischen Kita wegen mangelnder Außenfläche die Betriebserlaubnis entzogen werden könnte und der Ortsvorsteher von Hohenstein kritisierte in einer Eilerklärung eine fehlende Wertschätzung des Ortsteils und eine mangelhafte Kommunikation seitens der Stadtverwaltung. fi

Kommentar: Geht gar nicht!

Es ist fast egal, was Stadtverordnete beschließen, sie durch eine Gasse von Protestierenden zu ihrer Sitzung laufen zu lassen und lautstark mit „Pfui“-Rufen zu bedenken, das geht gar nicht. Volksvertreter sind in der Regel keine Selbstdarsteller, die ihre Beschlüsse nach egomanem Kalkül fassen und die Bürger nur zu schätzen wissen, wenn Wahlen anstehen. Das gilt ganz besonders für Kommunalpolitiker, die lediglich eine Aufwandsentschädigung bekommen und nur selten eine Karriere in Land- oder Bundestag im Blick haben. Mein Respekt galt schon immer all jenen, die nach einem Arbeitstag bis in die Puppen in Sitzungen und Ausschüssen von Gemeindevertretern und Stadtverordneten sitzen und sich Zuhause durch Stapel von Unterlagen kämpfend soviel Sachverstand erarbeiten, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen Beschlüsse fassen können. Wer mit diesen dann nicht klar kommt, mischt sich bitte zivil ein und macht nicht auf Proll.

Detlef Fink

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