Endgültige Absage gefordert

Massentierhaltung: Dörfergemeinschaft Steinhöfel nach erfolgreichen Volksbegehren

Können auf Grundwasser- und Umweltbelastungen durch Turbo-Mastanlagen gut verzichten: Kerstin Hellmich (l.) und Sabine Niels. Foto: ideengruen.de

Steinhöfel.

Nach dem erfolgreichen Volksbegehren gegen Massentierhaltung fordert die Initiative „Dörfergemeinschaft gegen die Hähnchenfabrik in Steinhöfel – Für eine lebenswerte Region“ die Betreiber der umstrittenen Hähnchenmastanlage in Steinhöfel auf, sich von ihrem Vorhaben endgültig zu verabschieden. 103.891 Brandenburger hatten gegen Massentierhaltung gestimmt – weit mehr als erforderlich.

„Brandenburg will keine Massentierhaltung. Das müssen auch die Finanziers der Fleischindustrie akzeptieren“, so Kerstin Hellmich, Sprecherin der Dörfergemeinschaft. Inmitten der Gemeinde Steinhöfel – zwischen den Dörfern Tempelberg, Gölsdorf und Buchholz – plant die Komturei Lietzen zusammen mit holländischen Investoren eine Hähnchenmastanlage mit über 430.000 Tieren, die für den internationalen Markt turbo-gemästet werden sollen.

 Es habe sich in Steinhöfel ein sehr vitaler Mittelstand in den Bereichen Landwirtschaft, Kultur und Tourismus entwickelt: „Wir sind nicht bereit uns das von privaten niederländischen Betreibern, die wie eine Karawane übers Land ziehen, zerstören zu lassen“, so Hellmich. Nachdem in Nordwestdeutschland solch überdimensionierte Hähnchenfabriken nicht mehr genehmigt werden, würden sich die Betreiber nun auf Ostdeutschland stürzen. „Die Gewinne dieser Mastanlagen werden aus der Region abgeführt, Arbeitsplätze entstehen kaum, dafür bleibt bei uns der Dreck, Gestank, sowie die Grundwasser- und Umweltbelastung“, kritisiert Hellmich.

Die Vorsitzende der grün-orangenen Fraktion im Kreistag Oder-Spree Sabine Niels sieht im erfolgreichen Volksbegehren ein wichtiges Signal: „Brandenburg will einfach keine industrielle Qualzucht mehr“. Die Grünenpolitikerin sieht nun die Landesregierung in der Pflicht: „Massentierhaltungsanlagen dürfen grundsätzlich nicht mehr mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden. Nun müssen Regionale Planungsgemeinschaften analog zu den Windkraftgebieten die Kompetenz erlangen, Ausschluss- und Vorranggebiete für nicht privilegierte Tierhaltungsanlagen auszuweisen“, fordert sie.

 „SPD und Linke haben gegen den enormen Ausbau der Massentierhaltung nichts unternommen. Und das obwohl die Landwirtschaftspolitik der Linken auch dem Tierschutz einen hohen Stellenwert beimisst“. Dass die Linke sich hinter SPD und Bauernverband verstecke, habe sie schon 2012 bewiesen, als ein bündnisgrüner Antrag rundweg abgelehnt wurde, sagt die ehemalige Landtagsabgeordnete Niels, die in der letzten Wahlperiode bei den Grünen für das Thema Landwirtschaft verantwortlich war.

Derzeit sollen fünf weitere neue Hähnchen-Mastanlagen entstehen, darunter auch im Strausberger Ortsteil Hohenstein. Zu den rund sechs Millionen bestehenden Stallplätzen in Brandenburg sollen damit 840.000 hinzukommen. red

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