Sie machen den Menschen Mut

Sie machen den Menschen Mut

Lothar Grahl erinnerte in seinem Festvortrag im Marie-Juchacz-Haus an die erfolgreiche Geschichte des Vereins. Foto: Klemt

Schwerhörigen-Verein in Frankfurt feiert 90-jähriges Bestehen

Auch Margarethe von Witzleben alias Uta Dörfer gehörte zu den Gratulanten. Foto: Klemt

Frankfurt (Oder).
Die älteste Gratulantin zum 90-jährigen Bestehen des Frankfurter Schwerhörigen-Vereins war Margarethe von Witzleben, geboren 1853 in Kitzscher, schwerhörig von Jugend an und 1901 in Berlin Begründerin  der ersten Schwerhörigen-Selbsthilfe-Bewegung der Welt. Daraus ging der erste Schwerhörigen-Verein Deutschlands hervor. Um daran zu erinnern, war Uta Dörfer aus Berlin in die Rolle der hochengagierten Frau geschlüpft, die nicht nur zahlreiche Bücher und Schriften verfasste, sondern auch 3.000 Briefe an die Obrigkeit wie an ratsuchende Leidensgenossen schrieb. 

Festredner Lothar Grahl, selbst seit vier Jahrzehnten für die Schwerhörigen engagiert, knüpfte an diese Geschichte an. Am 24. Juni 1927 wurde der Frankfurter Hephata-Verein der Schwerhörigen gegründet, dessen erste Vorsitzende Eva von Knobelsdorff war. Anfang  der 30er Jahre hatte er bereits 30 Mitglieder. 
Gebraucht wird der Verein, der heute sein Domizil im Haus der Begegnung hat, immer. Mindestens sechs Mal im Jahr treffen sich die Aktiven dort. Auch in der DDR war der Verein aktiv. Viele Hilfsmittel wurden kostenlos für Schwerhörige und Taube zur Verfügung gestellt, Ferienplätze und Kuren vermittelt. 

Auch heute gibt es angesichts von weltweit 360 Millionen Betroffenen - davon allein in Deutschland 14 Millionen - genug zu tun. Aufklärung darüber, was von den Werbeversprechen die moderne Technik tatsächlich schon halten kann, Organisation von Vorträgen und Sprachtrainings, Rechtsberatung durch einen Fachanwalt und Unterstützung für Betroffene. Nötig ist auch ein klares Engagement gegenüber der Politik, damit beispielsweise im öffentlichen Raum Ringleitungen zum induktiven Hören verlegt werden. In Frankfurt gibt es sie im Kleist Forum, im Filmpalast und in der Konzerthalle  - aber in Konzerthalle und Kino sind sie in keinem guten Zustand. Zumindest im Kino soll das nun anders werden. Dafür hat der Verein sich eingesetzt und daran will er sich beteiligen. Damit das etwas leichter fällt, überbrachte Harald Schmidt von der Sparkasse Oder-Spree als Jubiläumsgeschenk einen Scheck über 1.600 Euro.

Seit langem dringen der Verein und sein Dachverband auch auf eine ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. Im neuen Teilhabegesetz ist die Einrichtung solcher Stellen festgeschrieben, ab 2018 stehen dafür Bundesmittel bereit. Mit der Idee, eine solche Beratung in Frankfurt (Oder) zu etablieren, lief Lothar Grahl bei Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke offene Türen ein. 

Der Oberbürgermeister beglückwünschte den Verein zu seinem 90 Jahre währenden sozialen Engagement, mit dem er die Lebensituation vieler Menschen verbessert habe. „Das ist schon etwas ganz Besonderes“, so Dr. Wilke. „Sie haben dieses wichtige Thema im öffentlichen Bewusstsein präsent gemacht und nicht nur Probleme benannt, sondern ganz praktische Hilfe angeboten. Sie machen den Menschen Mut und damit Frankfurt (Oder) lebenswerter.“ Klemt

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