Weniger angezeigte Straftaten - stagnierende Aufklärung

Weniger angezeigte Straftaten - stagnierende Aufklärung

Innenminister Karl-Heinz Schröter. Foto: Klemt

Schröters Statistik ohne Anlass zum Jubeln

Frankfurt (Oder).

Brandenburg verzeichnet einen Rückgang der Kriminalität. Die Zahl der Straftaten sank im vergangenen Jahr auf den neuen Tiefststand von 188.264. Das entsprach einem Minus im Vergleich zum Vorjahr von vier Prozent. Die Daten gehen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2015 hervor, die Innenminister Karl-Heinz Schröter und Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke in Potsdam vorstellten. Innenminister Karl-Heinz chröter musste jedoch inräumen, dass die Kriminalitätsbelastung damit immer noch sehr hoch ist. Trotz einer sinkenden Zahl zu bearbeitender Fälle stagniert die Aufklärungsquote. Schröter schiebt das auf die hohe Belastung der Beamten durch die Flüchtlingskrise. "Die Polizisten müssen insbesondere seit dem Sommer 2015 eine Vielzahl von Flüchtlingsunterkünften und Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Thema Asyl absichern.“

Mord und Totschlag nahmen zu

 Die Kriminalitätsbelastung sank im Vergleich der Jahre 2014 und 2015 von 8.004 auf 7.660 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Damit liegt Brandenburg unter den Flächenländern weiterhin im negativen Spitzenfeld. Die Aufklärungsquote blieb mit 52,5 Prozent nahezu gleich (2014: 52,4 Prozent). Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an allen ermittelten Beschuldigten erhöhte sich um 3,4 Prozent auf 19,1 Prozent. Zugleich wuchs die Zahl der jungen Beschuldigten unter 21 Jahre um 0,5 Prozentpunkte auf 18,5 Prozent.

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 4.125 Gewaltdelikte wie Mord, Totschlag, schwere und gefährliche Körperverletzung oder Vergewaltigung. Das waren 53 weniger als im Jahr 2014. Damit bleibt die Gewaltkriminalität in Brandenburg auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. „In Bezug auf Gewaltdelikte war Brandenburg immer ein sehr sicheres Land – und das bleibt auch so“, unterstrich Schröter. 

Allerdings ist die Zahl der Mordstraftaten um zehn auf 27 und die Zahl der Totschlagsdelikte um acht auf 40 gestiegen. Die Häufigkeitszahl bei den Gewaltdelikten sank von 171 auf 168 pro 100.000 Einwohner. Das ist weiterhin einer der niedrigsten Werte aller Bundesländer. Die Aufklärungsquote blieb mit gut 80 Prozent auf einem hohen Niveau.

Nicht einmal jeder dritte Autodiebstahl wird aufgeklärt

Ausschlaggebend für den Rückgang der Gesamtkriminalität waren im Jahr 2015 deutlich sinkende Fallzahlen im Bereich Diebstahl. Hier war im Jahresvergleich ein Absinken um 6,3 Prozent auf 79.368 Fälle zu verzeichnen. Dabei verringerte sich die Zahl der registrierten Fahrrad-Diebstähle um 15,6 Prozent auf 14.950. Die Fallzahl bei Diebstählen aus Fahrzeugen sank von 11.647 auf 9.964 (-14,5 Prozent). Zudem wurden 3.018 Diebstähle in/aus Garagen oder Carports gemeldet (-17,4 Prozent). Wie schon 2014 entwickelte sich 2015 die Zahl der Autodiebstähle rückläufig: Waren im Jahr 2014 noch 3.028 Autos entwendet worden, waren es im Jahr 2015 noch 2.573. Dabei sank allerdings die Aufklärungsquote von 30,3 auf 27,6 Prozent. „Den deutlichen Rückgang bei Autodiebstählen werte ich als klaren Erfolg der polizeilichen Bemühungen. Hier sind wir durch eine Vielzahl operativer Maßnahmen offenbar wirklich auf dem richtigen Weg“, betonte Schröter. 

Anstieg bei der Zahl der Wohnungseinbrüche

Gesunken ist die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruchsdiebsstahl – und zwar von 20,7 auf 16,7 Prozent. Das allerdings auch bei steigenden Fallzahlen: Die Polizei registrierte 4.436 Wohnungseinbrüche, das waren 11,2 Prozent mehr als im Jahr 2014. „Dieser Anstieg ist besonders unerfreulich, denn diese Delikte treffen die Bevölkerung außerordentlich hart und sorgen für eine große Verunsicherung“, betonte Schröter und fügte hinzu: „Die Bekämpfung der Wohnungseinbruchskriminalität muss intensiviert werden. Das fordert Polizei und Bevölkerung gleichermaßen, denn bei der Sicherung von Häusern und Wohnungen gibt es nach wie vor Reserven. Diese anhaltend ungünstige Entwicklung bereitet mir große Sorgen. Auch die Aufklärungsquote kann nicht zufriedenstellen.“

Grenzkriminalität leicht rückläufig

Die Zahl der Delikte in den 24 Gemeinden entlang der deutsch-polnischen Grenze sank im Jahresvergleich um 3,3 Prozent auf 19.884. Der Anteil an der Gesamtkriminalität blieb mit 10,6 Prozent fast gleich (2014: 10,5 Prozent). Die Kriminalitätsbelastung verringerte sich zwar von 9.854 auf 9.563 Taten je 100.000 Einwohner, lag damit aber weiter klar über dem Landesschnitt. Immerhin konnte die Polizei die Aufklärungsquote von 53,1 auf 57,3 Prozent deutlich anheben. Damit lag die Aufklärungsquote um 4,8 Prozentpunkte über dem Landeswert. Zudem war ein Anstieg bei der Zahl der ermittelten Tatverdächtigen um 4,2 Prozent auf 8.393 zu verzeichnen. Im Grenzgebiet wurden insgesamt 3.226 nichtdeutsche Tatverdächtige ermittelt. Das entsprach einem Anstieg von 19,1 Prozent. Der Anteil der Nichtdeutschen an allen im Grenzgebiet ermittelten Tatverdächtigen erhöhte sich damit von 33,6 auf 38,4 Prozent. Im Jahr 2015 waren 954 bzw. 29,6 Prozent der Beschuldigten polnische Staatsangehörige (2014: 1.190 bzw. 43,9 Prozent), 362 bzw. 11,2 Prozent waren russische Staatsbürger (2014: 431 bzw. 15,9 Prozent) und 282 bzw. 8,7 Prozent stammten aus Albanien (2014: 8 bzw. 0,3 Prozent)

Beeinflusst wurde die Entwicklung der Kriminalität im Grenzgebiet einerseits durch einen Anstieg der Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz. Dabei ist insbesondere auf den Anstieg der Fallzahlen „unerlaubter Aufenthalt“ von 97 auf 476 Fälle zu nennen. Andererseits gab es im dominierenden Deliktbereich Diebstahl erheblich geringere Fallzahlen: Die Zahl der angezeigten Diebstahlsdelikte in den Grenzgemeinden sank um 10,5 Prozent auf 8.820. Deutliche Rückgänge zeigten sich dabei beim angezeigten Diebstahl von Fahrrädern (2.608 Fälle, -25,6 Prozent), an und aus Fahrzeugen (692 Fälle, -24,5 Prozent) sowie in und aus Garagen und Carports (462 Fälle, -32,1 Prozent). Beim Autoklau war ein Rückgang um 11,1 Prozent auf 337 Fälle zu verzeichnen. Einen deutlichen Anstieg gab es hingegen bei der Zahl der Ladendiebstähle – von 1.503 auf 1.872 (+24,6 Prozent). Die Fallzahl beim Wohnungseinbruchdiebstahl erhöhte sich von 207 auf 229 (+10,6 Prozent). Auch bei den Körperverletzungsdelikten war – entgegen dem landesweiten Trend mit einem leichten Rückgang von 1,2 Prozent auf 12.959 Fälle - eine Steigerung zu verzeichnen. So erhöhte sich die Zahl der Körperverletzungen in den Grenzgemeinden um 15 Prozent auf 1.225 Fälle. red

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