Hollywoodschaukel im Postkahn

Hollywoodschaukel im Postkahn

Andrea Bunar beginnt ihren Dienst per Kahn auf der Spree. Foto: Elke Dümke

Einmalig in Deutschland: Postzustellung auf schwankenden Planken

Lübbenau. Gekonnt steuert Andrea Bunar mit dem vier Meter langem Rudel den neun Meter langen Postkahn die Spree entlang. Die verwinkelten Fließe im idyllischen Spreewaldort Lehde kennt sie gut, die Namen an den Briefkästen der Grundstücke sind ihr vertraut. Der Spreewaldkahn als Post-Service, das ist einmalig in Deutschland.

65 Haushalte werden von April bis Oktober per Kahn versorgt. Mehr als 600 Briefe und Karten sowie bis zu 40 Pakete pro Woche befördert Andrea Bunar. Die bisher größte Auslieferung war eine sperrige Hollywoodschaukel. Fahrräder und auch Pakete bis zu 31,5 Kilogramm ersetzen das Krafttraining im Fitness-Studio.

Der gelbe Aluminiumkahn funktioniert wie eine Poststelle zu Land. Besonders in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten sind die angebotenen postalischen Dienstleistungen gefragt. Wer ein Anliegen hat, kann das ganz komplikationslos an die Kahnzustellerin herantragen, per schriftlicher Nachricht oder persönlich. Treffpunkt ist der Briefkasten am Haus.

Zudem hat Andrea Bunar alles an Bord, was der Postkunde so benötigt. Am 5. April startete die Kahnzustellung in die neue Saison. Es ist das zweite Jahr für Andrea Bunar. Sie hat das Postrudel 2012 von Jutta Pudenz übernommen, die sich nach über 20 Jahren in den Ruhestand verabschiedete.

Gab es einen derartig kalten Saisonbeginn schon einmal? Rolf Schulz, Pressesprecher Deutsche Post DHL schüttelte den Kopf: „Dass wir den Postkahn aus dem Eis hacken mussten, das gab es noch nicht. Das ist ein Premiere, auch für mich. Die Kälte ist natürlich auch für die Kahnzustellerin ein negativer Aspekt. Aber mit dem Start in die neue Saison beginnt natürlich auch der Frühling. Das kann ich versprechen.“

Eine Zustellung per Kahn in Lübbenau-Lehde gibt es seit rund 110 Jahren. Bevor die Post zu den Bewohnern kam, erfolgte die eigenständige Abholung per Kahn. Durch eine deutliche Zunahme des Postverkehrs wird seit Ende des 19. Jahrhunderts diese besondere Art der Zustellung praktiziert.

Und diese Tradition wird auch weiterhin am Leben gehalten.

Elke Dümke



Andrea Bunar im Interview:


Wie war die erste komplette Saison als Kahnzustellerin?

Andrea Bunar: Für mich war das zurückliegende Jahr aufregend und voller neuer Eindrücke. Neu war für mich, als nunmehr ständige Kahnzustellerin von den Touristen erkannt und von den Einheimischen sehr schnell anerkannt zu werden. So gab es viele nette Situationen mit den Menschen im Spreewald, an die ich mich gerne erinnere. Sei es, dass meine Kunden in Lehde mich freundlich in ihre Gemeinschaft aufgenommen haben und mir auch mal helfen, wenn es mit der Auslieferung sperriger Sendungen schwierig wird. Und wenn mir auf meiner Tour von Touristenkähnen fröhlich mein Vorname zugerufen wird, bin ich schon etwas stolz erkannt zu werden.

Ist Ihnen der Umstieg auf die Arbeit im Postkahn schwer gefallen?

Andrea Bunar: Nachdem nun meine Vorgängerin im Ruhestand ist, hatte ich im
letzten Jahr meine erste vollständige Kahnsaison, die mir viel Freude gemacht hat. Da ich bereits in den Jahren zuvor als Vertreterin eingesetzt war, viel der Umstieg auf die feste Tour nicht so schwer. Auch wenn es die ersten Wochen Schwielen an den Händen und Muskelkater gab, habe ich mich doch schnell an das ständige Kahnfahren gewöhnt. Zum Glück blieb mir bisher eine Taufe in den Fließen des Spreewalds erspart.

Was ist das besondere an Ihrer Arbeit als Postbotin auf einem Kahn?

Andrea Bunar: Die Tage sind nicht immer gleich, manchmal auch anstrengend;
insbesondere wenn ich mit dem Kahn gegen Wind und Regen ankämpfen muss.
Einmal musste ich sogar meine Tour wegen eines schweren Gewitters abbrechen – bis zu den Knöcheln stand ich in meinem Kahn im Wasser. Und eine
Herausforderung ist es immer, mit schweren und teils sperrigen Paketen auf dem schwankenden Kahn zu hantieren. Dann muss ich auch schon mal mit einem Fahrrad jonglieren. Wegen des lebhaften Internethandels nehmen die Paketmengen ja auch zu. Da ich die einzige Kahnzustellerin in Deutschland bin, falle ich natürlich viel mehr auf, als wenn ich wie andere Postboten unterwegs bin. Besondere Freude machen mir natürlich der Kontakt zu den Kunden, zu den Besuchern des Spreewalds und die tägliche Abwechslung, wenn ich auf meiner Tour unterwegs bin. Und es ist auch der Wechsel von der friedlichen Stille der Natur und dem manchmal ausgelassenen Wortwechsel mit den Menschen.

Wie ist Ihr Tagesablauf als Kahnzustellerin?

Andrea Bunar: Werktags fange ich gegen 7:30 Uhr im Zustellstützpunkt Calau an. Dort werden Briefe und Paket von den Verteilzentren angeliefert. Bevor ich meine Zustellung antrete, muss ich die Sendungen für die Tour vorbereiten und in meinen Kleintransporter verladen. Meist nach 9:00 Uhr geht es dann los, und zuerst stelle ich in Lübbenau zu. Mittags belade ich dann den gelben Postkahn im Bootshaus, um dann die restliche Tour auf den Spreewaldfließen in Lehde abzufahren. Ungefähr um 15:00 Uhr bin ich dann damit fertig und kann zu meinem Zustellstützpunkt zurückkehren.

Wie vertraut ist Ihnen der Spreewald?

Andrea Bunar: Vor 42 Jahren wurde ich in Görlitz geboren und bin dort auch
aufgewachsen. Dennoch bin ich in der Spreewaldregion verwurzelt, weil ich mit
meiner Familie schon viele Jahre in Briesen bei Cottbus wohne. Interesse habe ich speziell an den sorbischen Gebräuchen hier im Spreewald. Schön finde ich zum Beispiel die wendische Fastnacht, an der ich und meine Kinder mit traditionellen Trachten teilnehmen. Und dass mein Sohn in der Schule auch die sorbische Sprache lernt, freut mich besonders.

Seit wann sind Sie bei der Deutschen Post beschäftigt?

Andrea Bunar: Am 1. September diesen Jahres habe ich mein 26-jähriges Dienstjubiläum. Meine Ausbildung habe ich auch bei der Deutschen Post in Cottbus gemacht. Danach war ich in Postfilialen und anschließend die meiste Zeit als Zustellerin in Cottbus und Umgebung beschäftigt.

Und es gibt noch weitere besondere Zustellungen in Deutschland:
Da ist Wattzusteller Knud Knudsen, der einen einzigen Haushalt auf der Hallig Süderoog mit Post versorgt (ein 15 Kilometer langer Fußmarsch und das drei- bis vier Mal in der Woche.

Und es gibt „Bergsteiger“ Andreas Oberauer. Er bietet den  Service der Deutschen Post auf der Zugspitze an. Per Gletscherbahn erfolgen Zustellung und Abholungen von Sendungen.

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