ATZ Abdichtungen

Probleme nicht überbrückt

Polen will keine grenzüberschreitende Straßenbahn

Polen will keine grenzüberschreitende Straßenbahn

Frankfurt will Buslinie als Pilotprojekt

21.03.2012

Slubice. Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Pro Tram" aus Frankfurt und Slubice ließen nichts unversucht: Sie projizierten Entwürfe an die Wand mit Skizzen von Straßenbahnen auf der Stadtbrücke über die Oder. Auch Flyer mit "Elf guten Gründen für eine Straßenbahn zwischen Frankfurt und Slubice" lagen bei der Diskussionsrunde am Dienstagabend im Rathaus der polnischen Grenzstadt aus. Letztlich konnten die Befürworter einer grenzüberschreitenden Tramlinie den Slubicer Vize-Bürgermeister Piotr Luczynski jedoch nicht umstimmen.

 

Es sei unmöglich, dieses Vorhaben zum jetzigen Zeitpunkt umzusetzen, sagte er und verwies darauf, dass dies die Ansicht des gesamten Slubicer Magistrats sei. "Wir müssen die Dinge realistisch betrachten", fügte er hinzu: Das Projekt sei zu kompliziert und zu teuer. Selbst bei einer 85-prozentigen Förderung durch die EU könne die 18.000-Einwohner-Stadt die verbleibenden Kosten nicht tragen.

 

Schon im Januar 2006 war der erste Versuch gescheitert, eine Tramlinie über die Grenze einzurichten. Bei einer Bürgerbefragung in Frankfurt lehnten 83 Prozent das Projekt ab. Im Sommer 2011 flammte die Diskussion erneut auf, als eine Studie zum grenzübergreifenden Nahverkehr die Straßenbahn als wirtschaftlichere Alternative zum Bus vorstellte. Die Baukosten für eine 1,7 Kilometer lange Strecke bezifferten die Gutachter auf 10,5 Millionen Euro. Doch schon im Herbst 2011 wurde die Tram auch bei einer - nicht repräsentativen - Bürgerbefragung in Slubice abgelehnt.

 

Probleme werden vor Deutsch-Polnischer Kommission vorgetragen

 

Freilich sind beide Bürgermeister überzeugt, dass es einen Nahverkehr über die Grenze hinweg geben muss. "Deshalb favorisieren wir eine Buslinie", sagte Luczynski. Ein Bus sei flexibler in der Linienführung, man könnte schnell auf Bedürfnisse der Fahrgäste reagieren. Wenn das Busprojekt schief gehen sollte, wären die eingesetzten Kosten geringer als beim Bau einer Straßenbahntrasse.

 

Michael Kurzwelly vom deutsch-polnischen Verein "Slubfurt" verwies dagegen darauf, dass laut der Studie vom vergangenen Jahr eine Buslinie keine Förderung erhielte. "Mit dem Bus versucht man, ein defizitäres Projekt als Erfolg zu verkaufen", sagte er.

 

Viadrina-Mitarbeiterin Sahra Damus von der Initiative "Pro Tram" sprach von einer "vertanen Chance". Auch die Einrichtung einer Buslinie sei alles andere als einfach. Die Hürden seien fast dieselben wie für eine Straßenbahn.

 

Luczynski räumte ein, dass es noch rechtliche Hindernisse zu überwinden gelte, etwa wie die gemeinsame Abrechnung aussehen soll.

Um die Probleme zu besprechen, seien im April Gespräche im Ausschuss für grenznahe Zusammenarbeit der Deutsch-Polnischen Regierungskommission geplant, kündigte Sören Bollmann vom Frankfurt-Slubicer Kooperationszentrum an. Er bezeichnete das Busprojekt, auf das sich beide Städte verständigt hätten, als gut.

 

"Auf deutscher Seite ist aus unserer Sicht alles geklärt", sagte Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) zu Plänen für eine Buslinie vom Frankfurter Bahnhof ins Slubicer Zentrum. "Wir stehen in den Startlöchern." Frankfurt halte weiter an der Doppelstrategie fest, zunächst die Buslinie als Pilotprojekt zu starten und später eine mögliche Tramverbindung zu prüfen. dapd

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(3) Kommentare
Mi, 21.03.2012
18:00
Michael Kurzwelly aus S?ubfurt
Sie haben mir einen Satz in den Mund gelegt, den ich als Moderator des Abends nicht gesagt habe. Mir ging es vor allem um Klarheit, Transparenz und Verstehen beider Standpunkte, dem aus S?ubice und aus Frankfurt. Herr ?uczy?ski hat deutlich gesagt, dass sich die Stadt S?ubice bereits vor einem Jahr gegen die Tram entschieden hat, weil das finanzielle Risiko zu hoch sei. Auf dem Hintergrund der hohen Verschuldung der Stadt ist das nachvollziehbar, zumal - darüber wurde gestern gar nicht gesprochen - S?ubice alles vorfinanzieren müßte. Das klassische Problem einer EU-Förderung. Ich frage mich allerdings, warum das so nie von beiden Stadtverwaltungen kommuniziert wurde? Die Bürgerinitiative PRO TRAM hatr sich weiter in dem Glauben engagiert, dass es einen Grundwillen zur Tram gibt auf beiden Seiten. Immerhin haben wir jetzt dank der Sondersitzung des S?ubfurter Parlamentes Klarheit, aber für die Zukunft wünsche ich eine transparente, offene und ehrliche Diskussion, die den Bürgern nicht verschweigt, was hinter den Kulissen anscheinend längst klar war.

Do, 22.03.2012
07:38
Josef Lenden aus 15232 Frankfurt (Oder)
Es war zu erwarten. Das der Bürgermeister aus Slubice weiterhin auf die nicht Finanzierbarkeit reitet und nur eine 100% Förderung als das einzig Wahre ansieht, hat er nie verhehlt zu erwähnen. Das er aber nicht einmal nach Fördermittel angefragt hat ist eine politische Disharmonie. Ich jedenfalls werde als Stadtverordneter nicht einer defizitären Buslinie zustimmen, die dann allein von der Frankfurter Seite getragen werden müsste.

Do, 22.03.2012
10:37
Ost-Städter aus Frankfurt
Es gibt auch so etwas, wie eine Investition in die Zukunft, auch wenn es vielleicht mal etwas weh tut. Der Aufbau der Ostbundesländer ist zum Beispiel auch eine solche....

 

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