Bauamt legt Kulturhaus lahm

Bauamt legt Kulturhaus lahm

Brandschutz: Behörde untersagt Veranstaltungen

Rüdersdorf.

Der Bescheid aus dem Strausberger Bauordnungsamt hatte es in sich: Auf acht Seiten legt die Brandschutzbehörde dar, warum zum Jahreswechsel keine Veranstaltungen mehr im Kulturhaus stattfinden dürfen. Das sind keine Neuigkeiten für das Rüdersdorfer Bauamt, viele der Mängel wurden bereits in einer Überprüfung im August 2014 angemahnt.

Nimmt man die Erneuerung der gesamten Elektroleitungen und Einbau von modernen Brandschutztüren hinzu, kam das Bauamt damals schon auf eine Investitionssumme von knapp 3 Millionen Euro.

Es gab für viele Dinge immer wieder Ausnahmegenehmigungen und Kompromisse. So gab es im Laufe der Zeit viele mobile Feuerlöscher oder auch Brandschutzwachen der Freiwilligen Feuerwehr bei großen Veranstaltungen, um technische Anlagen übergangsweise zu ersetzen. Die hatte im Herbst die Gemeinde in Rücksprache mit der Wehrführung plötzlich abgezogen, was im November zu einer ersten Krisensitzung in Strausberg führte. Die Gemeinde sagte daraufhin die Brandwachen wieder zu, um die Veranstaltungen bis Silvester 2017 wieder zu ermöglichen.

Besonders heikel ist die so genannte Wasserschleierlöschanlage über die gesamte Bühnenbreite, über deren Funktion bereits im Juni 1996 keine Unterlagen vorlagen. Diese Anlage löscht im Notfall den textilen Bühnenvorhang und ist damit zentrales Sicherheitsmerkmal des großen Saals. Problem: Die Anlage ist da, aber niemand weiß, ob sie funktioniert und ob ein wassergetränkter Vorhang nicht die gesamte Vorhangstechnik herunterreißt.

Auch andere Mängel wurden aufgelistet, so sind Schalter der Rauchabzugsanlage der Bühne nicht beschriftet, einige Notbeleuchtungslampen defekt oder viele Wandhydranten ohne Prüfberichte. Selbst ein defekter Herd in der Küche wird angemahnt, weil er nicht entsorgt worden sei.

Zuletzt hatte das Bauordnungsamt am 17. August 2017 eine Brandverhütungsschau mit dem Rüdersdorfer Bauamt durchgeführt. Am 13. Dezember dann in einer Nachschau festgestellt, dass sechs Mängel nicht beseitigt waren. Aufgrund der immer wieder fehlenden Unterlagen hat die Behörde nun außerdem die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten gefordert, damit die Sicherheit in kompetenten Händen ist.

Für den Liquidator der Rüdersdorfer Kultur GmbH, Roderik Daul, war es ein aussichtsloses Unterfangen: Seit Herbst ist er verpflichtet, schrittweise Personal zu entlassen, intern konnte die Aufgabenliste also gar nicht abgearbeitet werden.

Das Haus gehört der Gemeinde Rüdersdorf, es war also Hilfe vom Bauamt nötig. Gereicht hat es nicht, wie die Schließung zeigt. „Ein erster Schritt wäre ein Brandschutzbeauftragter gewesen, um die lange Liste professionell abzuarbeiten“, so Roderik Daul. „Aber als Liquidator kann ich kein neues Personal einstellen, da ist nun die Gemeinde in der Pflicht. Der Zeitrahmen ist allerdings sportlich.“

Bürgermeister André Schaller (CDU) hatte optimistisch verlauten lassen, dass bis zum Februar Veranstaltungen wieder möglich sein sollten. Das wäre sogar zu schaffen, würden sich denn alle Unterlagen zu den Brandschutzanlagen anfinden und bis dahin alle Prüfungen der Geräte erfolgen. StR/red